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Fischzug mit Stromgenerator

Weil die Röder oberhalb von Großenhain entschlammt wird, müssen Barsch und Plötze für ein paar Wochen weichen.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Manfred Müller

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Großenhain. Schleie, Plötzen und Rotfedern, aber auch Döbel, Bleie und Flussbarsche landen im Kescher der Binnenfischer vom AVD Angelservice. Sogar ein stattlicher Zander zappelt im Netz – ein Hinweis darauf, dass es um die Wasserqualität der Röder oberhalb von Großenhain nicht allzu schlecht bestellt ist. Veiko Schmidt und zwei seiner Kollegen fahren mit einem Boot die Röder zwischen Naundorf und Folbern ab, um die schuppigen Gesellen aus dem Wasser zu holen. Ab Montag soll hier auf einem zweieinhalb Kilometer langen Abschnitt der Schlamm aus dem Flussbett gesaugt werden, und dabei will die Landestalsperrenverwaltung (LTV) die tierischen Bewohner möglichst wenig in Mitleidenschaft ziehen. Deshalb werden sie eingefangen und in gebührendem Abstand zum Ort des Geschehens wieder ins Wasser gesetzt. „Das ist gesetzlich vorgeschrieben und wird im Vorfeld einer jeden Entschlammungsaktion praktiziert“, erklärt Angelservice-Geschäftsführer Toni Sachse. Sein Betrieb, zu dem auch die Teichwirtschaft in Zschorna gehört, hat von der LTV den Auftrag dazu bekommen.

Die Fische – hier ein Zander – werden dabei elektrisch mittels Fangelektrode betäubt, herausgeholt, klassifiziert und an anderer Stelle wieder in das Gewässer eingesetzt. Und das alles in Abstimmung mit dem Anglerverband.
Die Fische – hier ein Zander – werden dabei elektrisch mittels Fangelektrode betäubt, herausgeholt, klassifiziert und an anderer Stelle wieder in das Gewässer eingesetzt. Und das alles in Abstimmung mit dem Anglerverband. © Klaus-Dieter Brühl

Die Fangmethode der Zschornaer ist in der Binnenfischerei durchaus üblich, für den Laien aber ungewöhnlich. Denn die Fische werden zunächst mit elektrischem Strom leicht betäubt, bevor man sie aus dem Wasser hebt. Veiko Schmidt hat einen kleinen Gleichstrom-Generator im Boot deponiert und an Bug und Heck Elektroden befestigt. Vorn befindet sich die Fangelektrode, hinten wird ein Stück Kupferlitze durchs Wasser gezogen. „Zunächst müssen wir die Leitfähigkeit des Wassers messen, damit wir die optimale Intensität des elektrischen Feldes einstellen können“, erklärt Schmidt. Die Fische sollen bei der Fangaktion weder sterben noch gesundheitliche Schäden davontragen. Deshalb braucht man zum Elektrofischen in Deutschland eine spezielle Ausbildung und eine Genehmigung der Fischereibehörden.

Als die beiden Kübel im Boot gefüllt sind, macht sich die Bootbesatzung auf den Rückweg zur Röderbrücke. Dort ist auf einem Firmen-Lieferwagen ein belüfteter Tank installiert, in dem die Fische gesammelt werden. Beim Umsetzen werden sie noch gezählt, eine Artbestimmung und eine Größenschätzung vorgenommen. Ob sie bis zum Montag nicht an ihre angestammten Plätze zurückgekehrt sind? „Nein“, sagt Toni Sachse, „wir setzen sie auf jeden Fall unterhalb eines Wehres aus.“

Knapp hundert Meter vom Röderufer entfernt sind derweil Mitarbeiter der Moritzburger Grund- und Wasserbaugesellschaft zugange. Sie haben hier ein 60 mal 60 Quadratmeter großes Becken angelegt, das den Röderschlamm aufnehmen soll. Er wird von einem Saugspülboot aus gefördert und dann über mobile und stationäre Rohre ins Auffangbecken geleitet. Geotextilschläuche nehmen das Sediment auf, während das Wasser wieder in die Röder zurückfließt. Der Vorteil des Verfahrens: Man kann es bei normalem Wasserstand anwenden und muss den Flusspegel nicht extra senken. Wenn der Schlamm durch die Schwerkraft ausreichend entwässert ist, kann er verladen und entsorgt werden. Im Vorfeld durchgeführte Analysen ergaben keine Hinweise auf besondere Belastungen. Das Entwässerungsbecken wird nach der Entschlammungsaktion wieder abgebaut.

Entschlammungsaktionen wie diese sind von Zeit zu Zeit erforderlich, um den Durchfluss am Röderlauf zu verbessern. Dadurch lassen sich Hochwasserereignisse besser managen. Der 2,6 Kilometer lange Abschnitt zwischen Lautex-Brücke und Folberner Mühle ist besonders stark zugesetzt, weil er 2010 mitten in der Tornadoschneise lag und der Sturm jede Menge Feststoffe in den Fluss eingetragen hatte. Dadurch war kein normaler Durchfluss mehr gewährleistet, und das Problem verstärkte sich von Jahr zu Jahr.

Die Kosten für die Schlammberäumung belaufen sich auf 620 000 Euro. Bis Ende Mai sollen die Arbeiten an der Röder abgeschlossen sein.