Merken

Fit für die Fabrik der Zukunft

Mit dem neuen Technikum holt das Trumpf-Werk Gäste aus aller Welt nach Neukirch.

Teilen
Folgen
© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Neukirch. Eine kleine Fabrik inmitten einer großen Fabrik – so könnte man das Technikum beschreiben, das vor wenigen Monaten in der Trumpf Sachsen GmbH Neukirch eröffnet wurde. Das Hochtechnologieunternehmen in der Oberlausitz zeigt dort seinen Gästen, wie sie sich mittels intelligenter Automatisierungslösungen auf die technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft vorbereiten können. Innerhalb der global agierenden Trumpf-Gruppe sind die beiden Anlagen im Neukircher Technikum einmalig. „So etwas gibt es sonst nirgendwo auf der Welt in Trumpf-Vorführzentren – es sei denn in Chicago, wo der komplette Produktionsprozess der Zukunft in einer Smart Factory zu sehen ist“, sagt Geschäftsführer Dr. Harry Thonig. Entsprechend groß ist das Interesse in Fachkreisen. Die Besucher kommen aus aller Herren Länder ins Oberland.

Das Werk erreicht mit dem Technikum drei Ziele, sagt Harry Thonig. Das Unternehmen kann Kunden seine Technik vorführen. Es schult Servicetechniker aus anderen Tochterunternehmen der Trumpf-Gruppe an den Automatisierungslagen. Und es kann technische Gesamtsysteme zuverlässig testen und optimieren.

Mehrere Maschinen und ein intelligentes Lagersystem wurden dafür, ähnlich einem Baukasten, in einer Werkhalle zusammengeführt und miteinander vernetzt. Die Lagertechnik wird im Trumpf-Werk im tschechischen Liberec (Reichenberg) hergestellt. Die Lasermaschinen kommen aus der Schweiz. Alle anderen Automatisierungskomponenten wurden im Neukircher Werk entwickelt und produziert. In einem hohen Turm werden die Bleche gelagert. So, wie es die Produktion erfordert, wird ein Blech nach dem anderen abgerufen, durch die Automatisierung vereinzelt und mittels Palettenwechsler zur Laserschneidmaschine geführt und dort bearbeitet. Materialreste gehen anschließend ins Lager zurück. Die fertigen Erzeugnisse werden durch eine Sortiereinrichtung oder manuell auf Paletten abgelegt und für den Versand oder die weitere Bearbeitung vorbereitet. Ein Mitarbeiter managt das Ganze. Er stellt am Computer das Produktionsprogramm ein, überwacht die Fertigung an Bildschirmen und kontrolliert das Ergebnis. Werden die eingelagerten Bleche knapp, teilt ihm der Computer mit, dass Nachschub geordert werden muss. Die verschiedenen Maschinen lassen sich miteinander kombinieren. „Wir docken uns mit der Automatisierung an den örtlichen Gegebenheiten und die Logistik des Kunden an, bieten ihm ein hohes Maß an Flexibilität“, sagt Dr. Harry Thonig. Zwei Systeme mit unterschiedlichen Automatisierungsgraden stehen für die Demonstrationen in Neukirch zur Verfügung.

Neue Anlagen erprobt

Noch einmal kommt der Geschäftsführer auf das Baukastenprinzip zurück: Montiert werden große Teile der Anlagen mit nur einer Schraubengröße. Vorteil für die Servicemonteure, die weltweit unterwegs sind: Sie kommen mit einem einzigen fest eingestellten Drehmomentschlüssel aus. Das schafft Sicherheit und Flexibilität. Hightech verbindet sich hier mit Kindheitserinnerungen. „Das Prinzip ist das Gleiche wie beim Stabilbaukasten. Wir haben tatsächlich dort Anleihe genommen“, sagt Dr. Harry Thonig.

Die Demonstrationsanlagen sind nur ein Teil des Technikums. Abgeschirmt hinter einer Wand, werden außerdem neue Anlagen erprobt, auch im Dauerbetrieb. Möglich wurde die Einrichtung des Technikums, nachdem der Werkzeugmaschinenproduzent zu Jahresbeginn eine neue Fertigungshalle in Betrieb genommen hat. Zuvor war auch in dieser, Mitte der 70er-Jahre gebauten Halle produziert worden. Nach dem Freizug wurde das Gebäude modernisiert und neu ausgestattet. Über drei Millionen Euro flossen in den Maschinenpark.

Die neue Einrichtung verdeutlicht, wie man automatisiert Blechteile produzieren kann. Sie ist ein wichtiger Schritt in Richtung Prozessdenken und bildet eine Grundlage für die Produktion von Morgen. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von Industrie 4.0. Ihr Kern: Produziert wird vernetzt, automatisiert und dank modularer Komponenten flexibel.

Wachsende Produktivität

Für das seit dem 1. Juli laufende Geschäftsjahr strebt der Betrieb in Neukirch beim Umsatz ein Wachstum im zweistelligen Bereich an. Das Geschäftsjahr 2016/17, dessen Ergebnisse kürzlich bekannt gegeben wurden, war sehr erfolgreich – für die gesamte Trumpf-Gruppe mit weltweit 12 000 Mitarbeitern und ihr Neukircher Werk. Die Trumpf Sachsen GmbH setzte 129,4 Millionen Euro um, ein Wachstum von 3,8 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Geschäftsjahr und das beste Jahr in der Firmengeschichte. Die Zahl der Mitarbeiter liegt seit Jahren bei rund 440. In dem Maße, wie der Umsatz steigt, wächst auch die Produktivität, sagt Harry Thonig. Trotzdem sucht das Neukircher Werk Personal, speziell Servicetechniker, die weltweit unterwegs sind und Automatisierungsanlagen bei Kunden konfigurieren, in Betrieb nehmen und Kunden schulen können. Der rasche Anstieg bei der Automatisierungstechnik mache es erforderlich, in diesem Bereich deutlich aufzustocken. sagt der Geschäftsführer.

www.trumpf.com