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Döbeln

Flachdach statt Himmel

Die Sanierung der Mochauer Sommerkirche ist abgeschlossen. Für das Dorf ist es viel mehr als ein Gotteshaus.

Dieter Baer, Mitglied des Kirchenvorstands, sitzt in der Bankreihe der geschmückten Mochauer Sommerkirche. Für den Erntedankgottesdienst hatten Frauen eine Erntekrone aus Getreidehalmen gefertigt.
Dieter Baer, Mitglied des Kirchenvorstands, sitzt in der Bankreihe der geschmückten Mochauer Sommerkirche. Für den Erntedankgottesdienst hatten Frauen eine Erntekrone aus Getreidehalmen gefertigt. © Jens Hoyer

Döbeln. Die Zahl 124 steht auf dem riesigen Kürbis, der in der Mochauer Sommerkirche liegt. Sie steht für das Gewicht. „Den haben vier Männer reingetragen“, erzählte Dieter Baer vom Kirchenvorstand. Am Sonntag hat die Gemeinde mit etwa 100 Besuchern einen Erntedankgottesdienst gefeiert. Und sie hat gleichzeitig die Sommerkirche nach ihrer Sanierung eingeweiht. Nach Jahrzehnten ohne Dach ist sie jetzt vor dem Verfall bewahrt.

Die Sanierung der Kirche war ein Mammutunternehmen für die Kirchgemeinde. Eins, für das es auch keine Alternative gab. „Der Verfall war von Jahr zu Jahr deutlich zu erkennen. Es ging nicht mehr mit offenem Dach“, sagte Baer.

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Die Alternative wäre gewesen, die noch in voller Höhe vorhandenen Mauern des Kirchenschiffs um einige Meter abzutragen. Vor Jahren war zwar ein Ringanker auf die Mauerkrone aufgebracht worden, der erfüllte seine Aufgabe aber nur schlecht. „Er ist damals falsch konzipiert worden“, sagte Baer. „Wir haben eine Überdachung des Ringankers verworfen. Die Landeskirche hat dann dem Plan zugestimmt, dass wir ein Notdach bekommen.“ 

Das Flachdach aus Trapezblech bedeckt auf einer Fläche von 30 mal 15 Metern die Sommerkirche. Mächtige Leimholzbinder sollen auch mal im Winter eine größere Schneelast aushalten. Ein Anker sorgt dafür, dass sich die Neigung der nach außen strebenden Mauern nicht weiter vergrößert.

Ursprünglich war geplant, die Wände von außen und innen neu zu verputzen. Für innen hat das Geld nicht ganz gereicht. „Aus der Not ist aber eine Tugend geworden“, sagte Baer. Dadurch seien Teile des alten Putzes erhalten geblieben, was auch den Denkmalpflegern gefällt.

Bis zuletzt war an der Kirche noch gearbeitet worden. „Die Beleuchtung ist erst in der vergangenen Woche reingekommen, sagte Baer. In der Kirchensanierung steckt eine Menge Eigenleistung der Mochauer. Helfer hatten den alten Putz abgeschlagen. Der Ortschaftsrat hatte geholfen und die Bauern der Umgebung, sagte Baer. „Das hat Tradition. Auch beim Bau der Kirche 1848 haben die Bauern das Vorhaben unterstützt.“

Mit dem Schiff ist der Turm der Kirche saniert worden. Der Turm als ältester Teil – angeblich soll es sich um einen ehemaligen Burgturm handeln – wies besorgniserregende Risse auf. Zwei Ringanker aus Edelstahl halten das Mauerwerk jetzt zusammen. Die Risse sind mit Beton verpresst worden, sagte Baer. 

Trotzdem kam das Läuten am Sonntag noch von der Tonkonserve. Denn es ist noch nicht daran zu denken, das Geläut wieder in Gang zu setzen. „Das Ziel ist es, den Turm soweit zu stabilisieren, dass wir das Geläut wieder in Betrieb nehmen können.“ Allerdings müsste dafür der stählerne Glockenstuhl, der die Schwingungen der Glocken ungedämpft ans Mauerwerk weitergibt, gegen einen hölzernen ersetzt werden. „Das sind erhebliche Kosten“, sagte Baer.

Für die Sanierung der Sommerkirche hat die Kirchgemeinde rund 370 000 Euro ausgegeben. Den größten Teil hatte die Landeskirche dazugegeben, 100 000 Euro kamen von der Leader-Region Klosterbezirk Altzella und 20 000 Euro von der Denkmalschutzbehörde. Mehr als 70 000 Euro musste die Kirchgemeinde aus Rücklagen, Spenden und über Eigenleistung aufbringen.

Allerdings wird die Sommerkirche kein reines Gotteshaus. Es soll als Treffpunkt im Zentrum des Dorfes und als Veranstaltungsstätte dienen. Am Montag haben die Kinder, Erzieher und Eltern der Kita Villa Regenbogen die Möglichkeit gleich genutzt, ihre Herbstwanderung in der Sommerkirche enden lassen.