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Flaute bei Windrädern in Sachsen

Das Aufstellen von Windrädern geht häufig nicht ohne Konflikte ab. Das wissen auch die Grünen. Deshalb schlagen sie eine Servicestelle vor, die bei Akzeptanzproblemen vermittelt.

© dpa

Dresden. Sachsens Grüne haben eine Flaute beim Bau neuer Windkraftanlagen im Land beklagt. 2017 seien nur 16 neue Anlagen errichtet worden - weniger als ein Prozent aller in Deutschland neu gebauten Anlagen, wie der Landtagsabgeordnete Gerd Lippold zum Abschluss einer „Wind Tour“ seiner Partei sagte. „Die Bilanz meiner Tour fällt leider verheerend aus“, meinte er. Dass selbst der Stadtstaat Hamburg (20 Anlagen) und das kleine Saarland (36) 2017 an Sachsen vorbeigezogen sind, mache die Misere überdeutlich.

„In den Bundesländern Thüringen (45) und Rheinland-Pfalz (82), die etwa die gleiche Fläche wie der Freistaat Sachsen aufweisen, wurden im letzten Jahr drei beziehungsweise fünfmal so viele Windkraftanlagen installiert“, rechnete Lippold vor. Im grün-schwarz regierten Baden-Württemberg seien es 128 Anlagen gewesen. Lippold forderte von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), die „Blockade der Windenergie in Sachsen“ zu beenden.

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„Grün mitregierte Bundesländer wie Thüringen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zeigen auf, wie mit landespolitischer Initiative die Windkraft-Verhinderungspolitik von Vorgängerregierungen überwunden werden kann“, sagte der Abgeordnete. Thüringen habe mit seiner Servicestelle Windenergie ganz bewusst ein Werkzeug geschaffen, das bei Akzeptanzproblemen vor Ort vermittele. Lippold empfahl Nachahmung. Einen entsprechenden Antrag habe man in den Landtag eingebracht.

Nach seinen Aussagen hat sich Sachsen mit dem geringen Zubau an Anlagen „von der Energiewende in Deutschland ökologisch und ökonomisch weiter abgekoppelt“. Negativ wirke sich auch der vergleichsweise veraltete Anlagenbestand und der hohe Anteil kleiner Anlagen. „Alles zusammen ergibt für die Zukunft niedrige Stromerträge aus Windkraft in Sachsen“, meinte Lippold. „Und Besserung ist nicht in Sicht: Es gibt kaum ausgewiesene Flächen für Windkraftanlagen, teils unsinnige Höhenbeschränkungen und keine Rückendeckung durch politisch Verantwortliche.“

Das Wirtschaftsministerium erinnerte an die Ausgangslage. „In Sachsen gibt es derzeit etwa 900 Windenergieanlagen - das sind mehr als beispielsweise in Baden-Württemberg oder in Thüringen“. Gerade in einem verhältnismäßig dicht besiedelten Land wie Sachsen werde es immer schwieriger, neue Flächen für Windräder zu finden. „Flächen auszuweisen allein genügt nicht. Bis eine Windkraftanlage ans Netz geht, muss sie ein aufwendiges Genehmigungsverfahren durchlaufen“, hieß es. Das Ministerium verwies auf hohe Hürden wie den Artenschutz und Naturschutz, aber auch Widerstände in der Bevölkerung.

Zugleich sprach es sich aber für das sogenannte Repowering aus - den Ersatz alter Anlagen durch moderne mit einer größeren Leistung. Bei den Windkraftanlagen habe es in den vergangenen Jahren einen enormen technologischen Schub gegeben: „Ein modernes Windrad kann heute so viel Strom erzeugen wie zwei oder sogar drei ältere Anlagen. Die Anreize für „Repowering“ müssen deshalb gestärkt werden.“ Das könnte in Sachsen dazu führen, dass am Ende mit weniger Windräder sogar mehr Strom erzeugt werden kann.

Zugleich verwies das Wirtschaftsministerium auf die Zuständigkeiten. Die Neuausweisung von Eignungsfläche für Windenergie sei Teil der Regionalplanung und damit Sache des Innenministeriums. Die Genehmigung für die Anlagen liege in der Zuständigkeit des Umweltministeriums und der Behörden auf lokaler Ebene. (dpa)