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Fleißige Stollenbäcker

Pirnaer Mittelständler wuseln für einen guten Zweck in der Schreiberschen Backstube. Auch Rosinenpicken gehört dazu.

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© Daniel Förster

Von Daniel Förster

Pirna. Kaum zu glauben, dass in einem Stollen so viel Arbeit steckt. Tim Lochner ist baff. Und doch erinnert sich der Tischlermeister und Restaurator aus Pirna-Jessen: „Meine Oma ist früher noch mit den Zutaten auf dem Handwagen zum Bäcker gelaufen.“ Emsig wirbelte der 45-jährige Stadtrat (Fraktion Ihre Nachbarn) gemeinsam mit Freunden von der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU einen Nachmittag und Abend lang in der Backstube von Konditormeister Schreiber an der Breiten Straße. Dort galt es, mit eigener Kraft Striezel für den zweiten Jessener Weihnachtsmarkt am ersten Advent zu produzieren.

Die 17 Mittelständler, die Konditormeister Tino Schreiber (50) in seine heiligen Räume ließ, machten sich gut. Jeder brachte es zum Schluss auf sechs Original Dresdner Christstollen nach Schreibers Rezept. „Die werden ein Renner“, ist Hauke Haensel (47) überzeugt. „Die Leute werden sie uns regelrecht aus der Hand reißen, Nachlieferungen fordern“, scherzt der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Pirna. Denn: „Das war richtig hohe Backkunst. Ganz nach unserem Geschmack haben wir eine einmalige Komposition geschaffen“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Egal, ob Zahnärztin Franziska Schacha (42) mit Sven Vater (42), Chef der Geva-Unternehmensgruppe, Modegeschäfts-Chefin Britt Schramm (42) von „Absolut Britt“, Sandro Otto (46), Inhaber der Restaurants Málaga und Méridas oder Enrico Pissarek (41), Küchenchef des Brauhauses „Zum Gießer“ mit seiner Frau: Irgendwie verschlug es allen die Sprache. Nicht nur, weil es für sie interessant war zu sehen, wie ein Stollen entsteht, sondern weil sie auch die Leistung des Konditormeisters verblüffte.

Der backt in einer Saison immerhin sechs Tonnen Stollen. „Der Prozess ist viel aufwendiger als man denkt“, berichtet Thomas Gischke (51). Der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer war voll dabei und ließ sich gern von Stollenmädchen Lydia Heidig (20) anleiten. In entspannter Atmosphäre ging es Hand in Hand – beim Teigkneten und -ausrollen, Rosinenwiegen, Portionieren. Alle konnten schön beobachten, wie der Teig im Ofen wächst, dann war schließlich das Buttern und Zuckern dran. Auch Steinmetzmeister Gabriel Heimann hatte seinen Spaß. Anstatt Knüpfel und Meißel schwenkte der 49-Jährige Teigrolle und Zuckersieb.

Schön eingepackt sind die 102 Stollen nun am ersten Adventssonntag in Pirna-Jessen zu haben. Auf dem Dreiseithof der Tischlerei Lochner in Altjessen 25 wollen der Gastgeber und seine Mitstreiter die Striezel zwischen 14 und 21 Uhr unter die Leute bringen. Dann gibt es dort „Weihnachten einmal anders“. Sämtliche Erlöse werden für die Sanierung der Michaeliskirche Dorf Wehlen gespendet.