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Flinkes Raubtier

Die Wildkatze ist Wildtier des Jahres. Zu beobachten ist sie im Osterzgebirge nur an einem Ort.

© SZ

Von Maik Brückner

Osterzgebirge. Hinter dem Gitter fühlt sich der Wildkater sicher. Er sitzt auf einem Stamm und schaut, was sich vor dem Gehege tut. Als Tierpflegerin Maika Naß die Tür öffnet, verschwindet der Kater blitzschnell in einem ausgehöhlten Stamm. „Angst müssen wir nicht haben“, sagt Maika Naß. Seit knapp 20 Jahren arbeitet sie als Tierpflegerin im Wildpark Osterzgebirge. Die Wildkatzen kennt sie sehr gut. Schließlich hält der Wildpark diese seit seiner Gründung. Die ersten kamen aus Magdeburg und Moritzburg nach Geising. Seitdem züchtet der Wildpark selbst.

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Der Tierpflegerin, im Bild Maika Naß, weichen diese Tiere aus. Nur aus sicherer Entfernung zu ihr holen sie sich ihre Beute, mit der sie rasch verschwinden.
Der Tierpflegerin, im Bild Maika Naß, weichen diese Tiere aus. Nur aus sicherer Entfernung zu ihr holen sie sich ihre Beute, mit der sie rasch verschwinden. © SZ
In diesem Jahr wird der Wildkatze – von denen drei im Wildpark leben – eine besondere Ehre zuteil.
In diesem Jahr wird der Wildkatze – von denen drei im Wildpark leben – eine besondere Ehre zuteil. © SZ
Die Deutsche Wildtier-Stiftung rief die Europäische Wildkatze zum Wildtier des Jahres 2018 aus. Damit will die Stiftung auch darauf hinweisen, dass die Wildkatze auf einer Roten Liste als gefährdetes Wirbeltier eingestuft wird.
Die Deutsche Wildtier-Stiftung rief die Europäische Wildkatze zum Wildtier des Jahres 2018 aus. Damit will die Stiftung auch darauf hinweisen, dass die Wildkatze auf einer Roten Liste als gefährdetes Wirbeltier eingestuft wird. © SZ

Anders als beim Lux, der ein entfernter Verwandter der Wildkatze ist, traut sich Maika Naß ohne Schutz ins Gehege. „Unsere Wildkatzen sind ungefährlich“, sagt sie. Sie sehen den Stubentigern, die sich viele in ihren Wohnungen halten, sehr ähnlich, unterscheiden sich dann aber doch etwas. Wildkatzen haben eine gelblich-graue Unterwolle, einen stumpf endenden Schwanz mit zwei bis drei schwarzen Ringen und eine fleischfarbene Nase. Außerdem sind sie – anders als die Hauskatzen – sehr scheu.

„Außerhalb des Wildparks habe ich noch keine Wildkatze gesehen“, sagt Frau Naß. Sie tarnen sich gut. Dennoch werden sie auf einer Roten Liste als gefährdete Wirbeltiere eingestuft, weil durch die Industrialisierung, den Bau neuer Straßen und die Rodung von Wäldern ihr Lebensraum in Deutschland immer kleiner geworden ist. Aber auch der zunehmende Verkehr auf Waldwegen oder der Betrieb von Windenergieanlagen könnte dazu beigetragen haben, dass sich der Bestand in der freien Natur rückläufig entwickelt hat. Letzteres sei aber noch nicht erwiesen und muss noch erforscht werden, sagt Malte Götz, der als Biologe und Wildkatzenexperte bei der Deutschen Wildtier-Stiftung arbeitet. Erwiesen ist aber, dass sich Wildkatzen vor allem in großen Laubwäldern und Mischwäldern wohlfühlen.

Im Osterzgebirge waren Wildkatzen nicht heimisch, sagt Frau Naß. Aber im Harz und im Bayrischen Wald. Dort liefen in den letzten Jahren auch Auswilderungsprogramme. An dem in Bayern hat sich der Wildpark beteiligt, sagt Wildparkleiter Frank Gössel. Sechs Jungtiere habe man über die Jahre nach Bayern gebracht. Doch dann lief das Programm aus, erinnert sich Gössel. Der Wildpark musste handeln, denn er wurde seine Jungtiere nicht mehr los. Der Kater wurde sterilisiert. Gössel würde es begrüßen, wenn ein neues Auswilderungsprogramm aufgelegt werden würde. Vielleicht, so die Hoffnung, könnte es bald dazu kommen. Denn der Wildkatze wird in diesem Jahr eine besondere Ehre zuteil. Die Deutsche Wildtier-Stiftung rief die Europäische Wildkatze zum Wildtier des Jahres 2018 aus. Sie gehört zu den Arten, für die wir in Deutschland international eine besondere Verantwortung haben, sagte die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN), Beate Jessel. Anders als beim Wolf wird ihre Rückkehr in viele Regionen als überwiegend positiv von der Bevölkerung wahrgenommen. „Als kleiner Tiger Deutschlands ist die Wildkatze ein Sympathieträger“, sagte Jessel.

Auch im Wildpark bleiben viele Besucher bei den Wildkatzen stehen. Eine gute Gelegenheit, sie zu beobachten, gibt es beim Füttern. Dann zeigen die kleinen Raubtiere, dass sie anders sind als Hauskatzen. Maika Naß führt es vor. Als sie ihren Eimer abstellt, in dem sich kleine tote Mäuse befinden, traut sich der Kater weder an die Tierpflegerin noch an den Eimer heran. Er liegt auf der Lauer, beäugt den Eindringling aus sicherer Entfernung. Als Maika Naß dann einen der Leckerbissen auf die Erde wirft, stürzt sich der Kater darauf. Trotz seines Alters – der Kater ist 13 Jahre alt – macht er einen Riesensatz. In Sekundenschnelle beißt er zu, wendet sich und verschwindet wieder in seinem Bau.

Ähnliche Szenen gibt es kurz danach im Nebengehege, wo die zwei vier Jahre alten Wildkatzen leben. Auch sie stürzen sich erst auf die Maus, wenn diese weit genug weg von der Tierpflegerin auf dem Boden liegt. Auch bei anderem Futter wäre das so gewesen. „Wildkatzen ernähren sich nicht nur von Mäusen, sondern auch von Vögeln und anderen Kleinsäugetieren. Feldhasen stehen nicht auf ihrer Speisekarte“, sagt Frau Naß. Die Hasen sind den Wildkatzen zu groß. In der Natur sind die Wildkatzen überwiegend in der Dämmerung und der Nacht aktiv, im Wildpark sind sie eben bei der täglichen Fütterung gut zu beobachten.