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Flixbus hält künftig in Nossen

Der Shell-Autohof an der A 4 richtet sich auf das neue Angebot ein. Dieses ist ab April nutzbar – jedoch mit Einschränkungen.

© Dietmar Thomas

Von Tina Soltysiak

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Döbeln/Nossen. Ab dem 26. April halten Flixbusse künftig auch in Nossen. Genauer gesagt am Autohof an der A 4-Anschlussstelle Siebenlehn. Das bestätigte David Krebs, Sprecher der Flixbus Dach GmbH, am Donnerstag auf DA-Nachfrage. Zu den Beweggründen teilte er mit: „Es ist uns ein besonderes Anliegen, vor allem auch Klein- und Mittelstädte an den internationalen Fernverkehr anzuschließen. Wir möchten mit bequemer und preiswerter Mobilität allen die Chance bieten, mobil zu werden und möglichst viele europäische Länder zu bereisen.“ Eingebunden ist der Haltepunkt in die Flixbus-Linie 220, die auf der Strecke Breslau - Dresden - Nossen - Chemnitz - Jena - Weimar - Erfurt - Frankfurt am Main - Darmstadt - Heidelberg - Mannheim verkehrt. Tickets sind bereits auf der Internetseite buchbar. Dort ist der Halt auch auf einer interaktiven Karte eingetragen.

Bedienverbot in Richtung Dresden

Ab Nossen werden dann aller Voraussicht nach fünf Direktziele erreichbar sein, so Krebs: Mannheim, Heidelberg und Frankfurt jeweils zum Preis ab 19 Euro sowie Erfurt und Jena zum Preis ab neun Euro.

Verbindungen von Nossen nach Dresden oder Chemnitz dürfen nicht angeboten werden, da auf diesen Strecken ein Bedienverbot besteht. „Der öffentliche Nahverkehr soll mit einem solchen Bedienverbot geschützt werden. Die Beförderung von Personen im Fernbus zwischen zwei Haltestellen innerhalb Deutschlands mit einem Abstand von bis zu 50 Kilometer ist grundsätzlich unzulässig“, erläuterte David Krebs. Dies gelte aber auch für längere Strecken, „wenn diese durch den Schienenpersonennahverkehr mit einer Reisezeit bis zu einer Stunde betrieben wird“, ergänzte er.

Umbauarbeiten am Autohof

André Thunig ist Stationsleiter des Shell-Autohofes. Auch er bestätigte am Donnerstag auf DA-Nachfrage, dass auf dem Gelände künftig Fernbusse halten. „Dafür legen wir zwei Pkw-Stellplätze zusammen, stellen eine entsprechende Beschilderung auf und legen Informationsmaterial aus“, sagte er. Mit den Markierungs- und Umbauarbeiten solle in etwa vier Wochen begonnen werden. „Flixbus erstattet uns die Kosten“, sagte er.

André Thunig verspricht sich von den Fahrgästen mehr Zulauf in seiner Station. In dieser gibt es Snacks, Toiletten sowie Pendlerparkplätze. „Wir haben derzeit 35 Pkw-Stellplätze. Sollte ein Mehrbedarf bestehen, wäre auch eine Kapazitätserweiterung möglich“, sagte er. Im November des vergangenen Jahres sei Flixbus an ihn mit der Idee herangetreten, am Autohof einen Zwischenhalt einzurichten. „Wir standen der Idee aufgeschlossen gegenüber. Ich denke, der Halt wird eine Bereicherung für die gesamte Region“, so Thunig.

Derselben Ansicht ist Philipp Hartewig, Landesvorsitzender der Jungliberalen Aktion Sachsen. Er hatte sich bereits im Herbst des vergangenen Jahres für eine Haltestelle im Landkreis Mittelsachsen stark gemacht. Dass die Wahl nun auf Nossen gefallen ist, hält er dennoch für eine Verbesserung. „Dass der Haltepunkt Nossen jetzt Realität wird, beweist, dass Politik vieles nicht selbst lösen oder man dafür im Parlament sitzen muss. Oft kann man auch mit Ideen auf mögliche Verbesserungen hinweisen, wie ich es im Falle des Haltepunktes Nossen getan habe“, erklärt Philipp Hartewig.

Kein Haltepunkt in Mittelsachsen

Im Altkreis Döbeln sowie im Landkreis Mittelsachsen fehlen Flixbus-Haltestellen. Die nächstgelegenen befinden sich derzeit in Chemnitz, Leipzig oder Dresden. Mit dem Haltepunkt in Nossen verkürzen sich damit die Wege erheblich. „In Mittelsachsen sind derzeit konkret noch keine weiteren Flixbus-Halte geplant. Wir erweitern unser innerdeutsches Streckennetz aber stetig. Ein Anschluss von weiteren Haltestellen in Mittelsachsen zu einem späteren Zeitpunkt ist daher keinesfalls ausgeschlossen“, erklärte Unternehmenssprecher David Krebs.

Nossen als Bedarfshalt

Die sächsischen FDP-Bundestagsabgeordneten Torsten Herbst und Frank Müller-Rosentritt verschickten am Donnerstagmorgen eine gemeinsame Presseerklärung, in der sie ihrer Freude über die Aufnahme von Nossen ins Fernbusnetz von Flixbus Ausdruck verleihen. Ihren Angaben zufolge, ist Nossen eine Bedarfshaltestelle. Das heißt, wenn eine Buchung von beziehungsweise nach Nossen vorliegt, wird die Fernbushaltestelle angefahren.

„Die Einrichtung der Haltestelle in Nossen ist ein weiterer Baustein zur besseren Anbindung Mittelsachsens an den Fernverkehr. Der Ausbau der Fernbusverbindungen in Sachsen zeigt, dass die Liberalisierung des Fernbusmarktes positive Auswirkungen für Reisende hat“, so Torsten Herbst, Mitglied im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages. In vielen Regionen des Freistaates gebe es bisher „eine extrem schlechte Fernverkehrsanbindung auf der Schiene“. Die Fernbusangebote würden daher für mehr Auswahl und Komfort für Reisende sorgen und seien zudem „oft eine besonders preisgünstige Reisealternative“, erklärte Herbst.

Frank Müller-Rosentritt, als FDP-Bundestagsabgeordneter unter anderem verantwortlich für Mittelsachsen, ergänzte: „Die Anbindung Nossens an den Fernverkehr hat eine besondere Bedeutung für die Region, die über ein großes Einzugsgebiet verfügt. Der neue Anschluss ist nun beispielsweise auch für Studenten aus Freiberg zentral erreichbar. Ich freue mich sehr, dass jetzt ein weiteres günstiges Angebot und eine attraktive Alternative zu Eisenbahn und Auto für Mittelsachsen besteht.“ Vor allem für einkommensschwächere Reisende bedeute dies ein deutliches Plus an Mobilität, so Müller-Rosentritt.

Direkte Anbindungen an den ÖPNV im Bereich der Shell-Station gibt es nicht, wie auch deren Leiter André Thunig sagte. Die nächstgelegene Haltestelle befindet sich am Möbelhaus in Siebenlehn, etwa einen reichlichen halben Kilometer entfernt. Dort verkehren die Buslinien 750 Freiberg - Nossen - Döbeln sowie 755 Freiberg - Nossen, die der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) bedient. Sowohl der VMS als auch der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) halten eine mögliche Verbindung zwischen Regionalbusverkehr und Fernbus grundsätzlich für sinnvoll. Denkbar sei, Fahrpläne aufeinander abzustimmen. „Flixbus hat keinen Kontakt mit uns aufgenommen“, erklärte eine VVO-Sprecherin.