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Florena baut in Waldheim Stellen ab

Die Beiersdorf AG und der Betriebsrat einigten sich. Die Löhne sinken. Sicherheit gibt’s nur bis 2018.

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© DA-Archiv/Dietmar Thomas

Von Tina Soltysiak

Waldheim. Nun ist es offiziell: Im Werk der Beiersdorf Manufacturing Waldheim GmbH (BMWa) – besser bekannt als Florena-Werk – werden Stellen abgebaut. Das erklärte Inken Hollmann-Peters, Sprecherin der Beiersdorf AG. Der Hamburger Konzern hatte das Unternehmen 2002 übernommen.

Das Aussehen der Traditionsmarke wurde 2010 überarbeitet.
Das Aussehen der Traditionsmarke wurde 2010 überarbeitet. © T. Soltysiak

Von Entlassungen ist nicht die Rede. Stattdessen sollen offene Stellen nicht neu besetzt werden. Das gilt auch für diejenigen, die durch das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern frei werden, bestätigte die Sprecherin auf DA-Nachfrage. Das ist nur eine Maßnahme, auf die sich die Konfliktparteien geeinigt haben. Seit April verstärkten sich die Gerüchte über die vermutlich drohende Schließung des Werkes. Dazu äußerte sich der Beiersdorf-Konzernvorstand bisher mantraartig: Der Standort soll gestärkt werden.

Werksschließung abgewendet

Jürgen Mehnert, Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE), spricht offen aus, wie gravierend die Einschnitte eigentlich sein sollten: „Anfang des Jahres hat die Konzernleitung laut darüber nachgedacht, den Standort zu schließen.“ Sowohl er als auch der Betriebsrat hätten daraufhin das Gespräch gesucht. Tenor: Es soll ein Konzept erarbeitet werden, unter welchen Voraussetzungen der Standort zu halten ist.

Das ist nun gefunden. „Nach offenen und intensiven Beratungen in den zurückliegenden Monaten haben die Geschäftsleitung und der Betriebsrat der Beiersdorf Manufacturing Waldheim GmbH am Montag mit Vertretern der IG BCE eine Einigung über die Neuausrichtung des Werks in Waldheim erzielt“, verkündete Inken Hollmann-Peters am Dienstag. In den kommenden Jahren sollen weitere Veränderungen umgesetzt werden, „um das sächsische Traditionswerk wieder wettbewerbsfähig aufzustellen“, ergänzte sie. Mehnert sagte, dass zwei Abschlüsse zustande gekommen sind: ein überarbeiteter Haustarifvertrag und eine Standort- und Beschäftigungsvereinbarung mit einer Laufzeit bis zum Jahresende 2018.

Weniger Zeitarbeiter

Außer dem Verzicht auf die Neubesetzung von Arbeitsplätzen gehören die Einführung flexibler Schichtmodelle und die Reduktion der Zeitarbeit dazu. Aktuell sind 280 Männer und Frauen im Werk beschäftigt – Anfang April waren es 300. „Zeitarbeiter kommen nur noch bei kurzfristigen Ausfällen, zum Beispiel durch Krankheit, zum Einsatz. Die Zahl ist daher sehr gering“, erklärte Inken Hollmann-Peters auf DA-Nachfrage. Angesichts der sich ständig verändernden Kundenbedürfnisse werde im Werk weiterhin in unterschiedlichen Schichten gearbeitet. Das solle die Flexibilität in der Produktion gewährleisten. Aktuell gebe es keine unbesetzten Stellen, ergänzte sie.

Außerdem haben sich die Interessenvertreter dazu entschlossen, die Arbeitszeit von 40 auf 36 Stunden pro Woche herabzusetzen. Damit sei eine „entsprechende Entgeltanpassung“ verbunden, so Inken Hollmann-Peters. „Für die Mitarbeiter bedeutet das zehn Prozent weniger Lohn“, erklärte Jürgen Mehnert. In Euro lasse sich das nicht umrechnen, weil es insgesamt 13 verschiedene Entgeltgruppen gebe.

Weiterhin werde die Übernahme des jüngsten Chemie-Tarifabschlusses mit dem Einverständnis der Tarifparteien verspätet vorgenommen, so Beiersdorf-Sprecherin Inken Hollmann-Peters. Sie beschrieb den Zeitplan dafür: Die Übernahme erfolgt in jeweils zwei Stufen – zum 1. Januar 2017 anstatt zum 1. Oktober dieses Jahres, sowie zum 1. Januar 2018 anstatt zum statt 1. November 2017.

Raimund Münch, Geschäftsführer der BMWa, teilte mit, dass weitaus mehr gemacht werde, als nur die Personalkosten zu senken. Stattdessen solle Geld ins Werk gesteckt werden. „Wir haben unter anderem Aufgaben und Produktionsvolumina, die bisher Fremdfirmen überlassen waren, zurück in die BMWa geholt“, erklärte er. Auf Nachfrage konkretisierte die Sprecherin Inken Hollmann-Peters: Zu den Aufgaben zählen unter anderem Reinigungsarbeiten der Produktionsräume und Gebäudeteile sowie kleinere Handwerkerleistungen.

Wofür Geld ausgegeben wird, erläuterte Jürgen Mehnert von der IG BCE: „Es handelt sich dabei um Erhaltungsinvestitionen in die Anlagen.“ In der Standort- und Beschäftigungsvereinbarung sei festgehalten, dass bis zum Ende deren Ablaufzeit kein Abbau der Fertigungslinie erfolgen darf. Ebenso dürfe auch keine Entscheidung getroffen werden, ob und wann dies geschehen könnte.

Betriebsrat will weiter kämpfen

Der BMWa-Geschäftsführer Münch erklärte außerdem, dass die Einkaufskonditionen verbessert, sprich die Kosten dafür gesenkt werden sollen. Da es sich bei dem Waldheimer Werk seit 2008 um einen reinen Produktionsstandort handelt, gibt es keine Informationen über den in Waldheim erzielten Umsatz.

All diese Maßnahmen würden von den Tarifpartnern anerkannt und seien eine erste Voraussetzung für die erzielte Einigung. Der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Sager äußerte: „Wir kämpfen hier im Werk seit vielen Jahren gegen die strukturellen Defizite. Uns Betriebsräten ist es besonders wichtig, der BMWa wieder eine Zukunftsperspektive zu geben.“ Definitiv ist diese allerdings nur bis 2018 gesichert.

Waldheims Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) reagierte auf diese Aussage mit Erleichterung. „Das Werk ist einer unserer großen Gewerbesteuerzahler und Arbeitgeber.“ Er sei seit Jahresbeginn ständig in Kontakt mit der Geschäftsführung gewesen. „Meine Fragen sind größtenteils beantwortet worden. Aber Betriebsinterna habe auch ich nicht erfahren“, sagte er dem DA. Dass die totale Schließung des Werks zur Debatte stand, sei ihm aber nicht bekannt gewesen.