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Fluch und Segen der Weltcups im Frühling

Die Saison der Wintersportler zieht sich, vor allem nach Olympia. Die Kombinierer freuen sich dennoch aufs Heimspiel.

© action press

Von Michaela Widder

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Manch Fernsehzuschauer verdreht die Augen, wenn er am Wochenende das TV-Gerät anschaltet und noch immer Wintersportler von den Schanzen springen und durch die Loipe hasten sieht. Es ist Endspurt in der Saison, die sich – nicht nur gefühlt – in einem Olympiajahr besonders lange hinzieht. Bestes Beispiel sind die Kombinierer, die am Mittwoch noch in Trondheim gestartet sind und am Donnerstag nach Klingenthal anreisen. Erstmals seit 2013 haben Olympiasieger Eric Frenzel und Altmeister Björn Kircheisen wieder einen Weltcup in Sachsen.

Weiß gepudert ist die Arena zurzeit in Klingenthal. Foto: Gunther Brand © Gunther Brand
Das Weltcupfinale der Kombinierer in Schonach fand im März 2017 im strömenden Regen statt.Fotos: Action Press (2) © action press

„Wir freuen uns schon richtig auf unser Heimspiel“, sagt Frenzel in einer Videobotschaft, und auch Kumpel Kircheisen meldet sich zu Wort: „Wir würden uns freuen, wenn ihr uns alle zahlreich unterstützt.“ In den vergangenen Jahren war nur das Weltcup-Finale in Schonach als einziger deutscher Veranstalter im Kalender, in dieser Saison ist nun auch Klingenthal dabei – und für die nächste vorgesehen. Für die Kombinierer begann der Winter am 24. November im finnischen Ruka und endet am 25. März im Schwarzwald. „In dieser Saison hatten wir eine Rekordzahl von 28 Weltcup-Veranstaltungen geplant. Über diese Entwicklung und die wachsende Popularität in unserem Sport freuen wir uns sehr“, erklärt Lasse Ottesen, Renndirektor im Internationalen Skiverband. Aufgrund der Vielzahl von Weltcups und drei Olympia-Wochenenden sei jedoch die Terminierung nicht anders möglich. Zudem ist es schwierig, Organisatoren zu finden, die früher als Ende November genug Schnee haben.

Das Problem vom Weltcup-Auftakt im Skispringen kennen auch die Klingenthaler, denen der späte Termin im März gelegen kommt. „Die Chance ist natürlich viel höher, von Dezember bis Februar ausreichend Schnee zu produzieren“ erklärt Organisationschef Alexander Ziron. Für das Skispringen benötige man drei Kältetage mit deutlichen Minustemperaturen, für die Kombination schon zehn.

Insgesamt 14  000 Kubikmeter Kunstschnee wurden in den vergangenen Monaten hergestellt. Die Zwei-Kilometer-Runde unmittelbar an der Schanze ist fertig präpariert, teilweise mit einer einen Meter hohen Schneeauflage. „Zur Not könnten wir auch noch im Mai einen Weltcup ausrichten“, sagt Ziron zur komfortablen Lage rund um die Vogtlandarena. Noch steht die Bestätigung für den Termin der Kombinierer im Winter 2017/2018 aus, nur so viel verrät der Chef: „Wir werden nicht den Anfang machen.“

67 Athleten aus 15 Ländern haben für das Wochenende gemeldet. Die große Spannung um den Gesamtweltcup, den Frenzel in den vergangenen fünf Jahren gewann, gibt es diesmal nicht. Höchstwahrscheinlich wird  sein japanischer Konkurrent und Freund Akito Watabe Nachfolger des Sachsen. Für einen Tagessieg in seiner Heimat ist Frenzel nach einem etwas schwierigen Start in den Winter auf alle Fälle gut. In Trondheim siegte er am Dienstag – und der letzte Sieger von Klingenthal im Januar 2013 hieß ebenfalls Frenzel. Für das deutsche Team geht es noch um die Nationenwertung, die momentan Norwegen anführt. „Wir haben die Wertung in den vergangenen Jahren gewonnen, das wollen wir fortsetzen“, meint Frenzel.

Trotzdem haben die Weltcups nicht mehr die ganz große Bedeutung, vor allem, wenn ein Höhepunkt wie Olympia erst wenige Wochen zurückliegt. Athleten, von denen gut vorstellbar einige in ein kleines Loch nach Pyeongchang fielen, wird man öffentlich nicht klagen hören. Schließlich ist es ihre Bühne, auf der sie Woche für Woche als Profis auch Preisgeld verdienen. Und naturgemäß sind Wintersportler ohnehin nur fünf Monate auf der Bildfläche.

Bei den Skispringern ist noch einmal richtig Zahltag. Bei der derzeitigen Raw-Air-Tour, bei der in Norwegen an zehn aufeinanderfolgenden Tagen Springen ausgetragen werden, erhält der Sieger ein Preisgeld von 60 000 Euro. Sogar nach der Tour wird vom 23. bis 25. März noch beim traditionellen Saisonfinale im slowenischen Planica geflogen. Das westsibirische Tjumen bildet am selben Wochenende dann den Abschluss für die Biathleten, wobei mehrere Nationen die Weltcupstation wegen des russischen Staatsdopings boykottieren.

Für die Paarlauf-Olympiasieger Aljona Savchenko und Bruno Massot hält der Winter noch einen echten letzten Höhepunkt bereit: die WM nächste Woche in Mailand. Nach zwei zweiten Plätzen sagt der Franzose: „Wir wollen Weltmeister werden.“ Gold kann auch hungrig machen.