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Deutschland & Welt

Fluchtversuch gibt Rätsel auf

Wie bringt ein Gefangener Metallstäbe zum schmelzen? Reichten Back- und Putzmittel, die in seiner Zelle in Berlin waren? Das sind nicht die einzigen offenen Fragen.

Sicherheitsleuchten und Überwachungskameras sind vor einem Gebäude der Justizvollzugsanstalt Tegel zu sehen. Ein 52 Jahre alter Gefangener hat dort versucht zu flüchten.
Sicherheitsleuchten und Überwachungskameras sind vor einem Gebäude der Justizvollzugsanstalt Tegel zu sehen. Ein 52 Jahre alter Gefangener hat dort versucht zu flüchten. © Paul Zinken/dpa

Berlin. Der 52-jährige Gefangene, der am Montag aus der JVA Tegel flüchten wollte, hatte aus Tisch- und Stuhlbeinen seiner Zelle auch einen Wurfanker gebaut. Mit dem Anker und einem Seil aus Bettlaken habe er wahrscheinlich die Außenanlagen überwinden wollen, sagte Justizverwaltungssprecher Sebastian Brux am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. 

Laut Brux war das ein aussichtsloses Unterfangen: "Er hätte es nur bis zum Freigelände geschafft, auf das er sowieso jeden Tag darf." Der Gefangene sei vorerst auf einer Abschirmstation untergebracht und dürfe nur noch allein in den Freigang.

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Der Gefangene, ein gelernter Dachdecker, hatte zwei Gitterstäbe seiner Zelle aufgeschweißt und sich aus dem Fenster abgeseilt. Mitarbeiter der JVA entdeckten den Mann am frühen Montagmorgen vor dem Zellengebäude. In seiner Zelle fanden sich laut Brux Zitronennetze, Putzmittel und Backzutaten. Jetzt werde geprüft, mit welchem Gemisch es gelang, die Gitterstäbe zu durchtrennen.

Tests könnten Verbote nach sich ziehen

Laut Chemie-Professor Ulrich Abram von der Freien Universität Berlin ist es nur "schwer vorstellbar", dass der Gefangene mit diesen einfachen Zutaten Metall zum Schmelzen brachte. Im Handel seien aber Substanzen erhältlich, mit denen man Metall einfach erhitzen könne. Experten des Landeskriminalamts untersuchen laut Brux nun den Vorgang. "Wenn wir das Ergebnis haben, werden wir prüfen, ob einzelne Substanzen im Gefängnis verboten werden", kündigte Brux an.

Nach übereinstimmenden Medienberichten soll es sich um den sogenannten Maskenmann handeln. Dies bestätigte die Justizverwaltung jedoch nicht. Man äußere sich nicht in dieser Form zu den Gefangenen. Allerdings war auch der Maskenmann Dachdecker.

Im sogenannten Maskenmann-Prozess verurteilte das Landgericht Frankfurt (Oder) 2015 einen damals 47-Jährigen wegen des Angriffs auf Millionärsfamilien und der Entführung eines Managers südöstlich von Berlin zu lebenslanger Haft. Der Mann hatte bei den Taten 2011 und 2012 jedes Mal eine Art Imkermaske getragen, was ihm den Beinamen "Maskenmann" gab. (dpa)