Merken

Flüchtlinge, Autoklau und Respekt

Martin Dulig, Petra Köpping und Revierchef Hanjo Protze lockten am Fußballabend erstaunlich viele zum Fragenstellen.

Teilen
Folgen
© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Radebeul. Einen schlechteren Zeitpunkt als Einladung zum Politschwatz gibt es kaum, den Abend, an dem die deutsche Fußballelf bei der EM gegen Nordirland spielt. Erstaunlich, der Saal im Goldenen Anker in Altkötzschenbroda war dennoch fast gefüllt.

Anzeige
Dieses Möbelhaus garantiert Euch den größten Rabatt!
Dieses Möbelhaus garantiert Euch den größten Rabatt!

Sommerloch? Nicht bei Multimöbel! Für alle, die jetzt renovieren, sanieren oder umziehen gibt es eine stattliche Förderprämie für Möbel und Küchen! Und das Beste: Rabatte sind kombinierbar! Alle Infos gibt es jetzt hier.

Sachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Martin Dulig (SPD), hatte seinen Küchentisch aus Wahlkampfzeiten aufgestellt und sich daran seine Parteigenossin und Ministerkollegin Petra Köpping (Gleichstellung und Integration) sowie Meißen-Polizeirevierchef Hanjo Protze eingeladen. Eingeladen waren freilich auch die Radebeuler, um Fragen zu stellen.

Kluger Schachzug der Organisatoren bei Themen wie Flüchtlinge und Kriminalität, sie stellen Regeln auf, die respektiert werden: Jeder, der Fragen hat, muss in der Mitte am Küchentisch Platz nehmen, reinrufen vom Rand gehört sich nicht, keiner wird beleidigt, jeder soll sich kurz fassen.

Letzteres funktionierte nicht immer. Aber die Fragen waren munter. Warum denn das Asylheim in Radebeul-Naundorf mit Millionen wieder aufgebaut werde, wenn anderswo Unterkünfte leerstehen. Weil die Notunterkünfte nur eine Zwischenlösung im Ansturm waren und jetzt Zeltlager und Baumärkte geschlossen werden, sagt die Integrationsministerin. Hauptaufnahmeorte sind die drei Großstädte Dresden, Leipzig, Chemnitz. In den Kreisen bestimmen Kreistag und Landratsamt selbst, wo und wie sie Asylbewerber unterbringen, so die Ministerin. Wem das nicht gefalle und zu teuer sei, der könne sich bei der Landesdirektion als Aufsicht über die Kommunen beschweren.

Wo ist der Plan?

„Wir schaffen das“, hat die Kanzlerin gesagt, aber wo ist der wirkliche Plan – fragt ein Bürger, der sich selbst für Deutschunterricht bei Flüchtlingen einsetzt. Er kenne Beispiele, wo schulpflichtige Afghanen nicht zur Schule gehen könnten, Erwachsene keinerlei Beschäftigungsmöglichkeit haben. „Den Fall, wo ein Kind nicht zur Schule geht, hätte ich gern mitgenommen“, sagt die Ministerin.

Über Fälle von Autoklau – in Radebeul verschwindet derzeit fast täglich ein Fahrzeug – berichtet ein anderer Bürger und will wissen, was die Polizei gegen die Bandenkriminalität unternimmt. Ein anderer will vom Revierchef wissen, warum weniger Verkehrskontrollen stattfinden und demzufolge mehr Unfälle wegen Raserei passieren. Hanjo Protze nennt eine neue, ständig aktualisierte Datenbank in Wiesbaden, auf die alle Länder jetzt endlich Zugriff hätten, um so Schwerpunkte auch in der Bandenkriminalität bekämpfen zu können. Auch funktioniere jetzt zunehmend besser die Verfolgung von Autodieben beidseits der Grenzen zu Polen und Tschechien. Protze: „Schwierig ist es allerdings, wenn der Diebstahl, wie meist, am Morgen nach dem Klau festgestellt wird.“ Er bitte auch hier die Bürger um Wachsamkeit und schnelles Anrufen der 110, wenn sie Fremde beim Ausspionieren von Autos oder potenziellen Einbruchhäusern beobachten. Im letzten Jahr sei die Polizei wegen Flüchtlingseinsätzen und Demo-Absicherung überlastet gewesen. Es gibt jetzt wieder mehr Verkehrskontrollen.

Ein Bürger wollte wissen, warum der Verkehrsminister die Deutsche Bahn nicht endlich dazu bringe, die bei Hochwasser als Staumauer wirkenden Brückenbögen vor Naundorf zu öffnen. Dulig will die Frage mitnehmen und beantworten, wie noch manche andere. Bis nach 22 Uhr wurde am Küchentisch gefragt.