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Flüchtlinge könnten in Großzelt überwintern

Während die Neuankömmlinge sich noch einrichten, demonstrieren draußen Hunderte Unterstützer.

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© Roland Halkasch

Von Linda Barthel

Es ist friedlich geblieben vor der neuen Notunterkunft für Flüchtlinge. Gestern Abend demonstrierten etwa 300 Menschen für den Schutz von Asylbewerbern. Ab 18 Uhr versammelten sich die Unterstützer, die teils extra aus Leipzig angereist waren, auf der Schnorrstraße. „Wo immer Nazis auftreten, wird es Widerstand geben“, sagte der Initiator Jürgen Kasek vom Landesverband der Grünen. In sozialen Netzwerken hatte der rechte „Nationale Widerstand Dresden“ zuvor zu einer spontanen Gegendemonstration aufgerufen. Diese blieb dann aber aus.

Neues Flüchtlingslager in der Südvorstadt

Blick von oben ins Flüchtlingszelt in der Südvorstadt: Kinder spielen Fußball, Menschen sitzen auf dem Boden oder laufen hinter einem mit grünen Planen abgehangenen Zaun umher.
Blick von oben ins Flüchtlingszelt in der Südvorstadt: Kinder spielen Fußball, Menschen sitzen auf dem Boden oder laufen hinter einem mit grünen Planen abgehangenen Zaun umher.
In der neuen Flüchtlingsunterkunft in der Dresdner Südvorstadt sind am Dienstagabend gegen 21 Uhr die ersten Menschen angekommen. In Bussen wurden sie zu dem Großzelt gebracht, das für 200 Menschen ausgelegt ist.
In der neuen Flüchtlingsunterkunft in der Dresdner Südvorstadt sind am Dienstagabend gegen 21 Uhr die ersten Menschen angekommen. In Bussen wurden sie zu dem Großzelt gebracht, das für 200 Menschen ausgelegt ist.
Das wird für die nächsten Tage die Unterkunft für die neuen Flüchtlinge sein.
Das wird für die nächsten Tage die Unterkunft für die neuen Flüchtlinge sein.
Ein sehr "besorgter Bürger" hat sich bereits am Deinstag ein Bild vom Zeltaufbau gemacht. Am Mittwoch haben rechte Gruppen Proteste für den Angekündigt.
Ein sehr "besorgter Bürger" hat sich bereits am Deinstag ein Bild vom Zeltaufbau gemacht. Am Mittwoch haben rechte Gruppen Proteste für den Angekündigt.
Das erste Großzelt wurde in der Nacht zum Dienstag aufgebaut.
Das erste Großzelt wurde in der Nacht zum Dienstag aufgebaut.
Ein zweites oder möglicherweise drittes Zelt könnte folgen.
Ein zweites oder möglicherweise drittes Zelt könnte folgen.
Ein Holzfußboden wird am Dienstag verlegt, damit das Zelt besser vor kühler und feuchter Witterung geschützt ist.
Ein Holzfußboden wird am Dienstag verlegt, damit das Zelt besser vor kühler und feuchter Witterung geschützt ist.
Auf der Fläche in der Nähe des Hauptbahnhofs könnten bis zu drei solcher Zelte errichtet werden.
Auf der Fläche in der Nähe des Hauptbahnhofs könnten bis zu drei solcher Zelte errichtet werden.
200 Betten stehen am Dienstagmorgen bereit.
200 Betten stehen am Dienstagmorgen bereit.
Die Wiese zwischen Strehlener Straße und Schnorrstraße ist rund 30000 Quadratmeter groß.
Die Wiese zwischen Strehlener Straße und Schnorrstraße ist rund 30000 Quadratmeter groß.
Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks bereiten am Montag den Boden für das Zelt vor.
Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks bereiten am Montag den Boden für das Zelt vor.
500 Tonnen Schotter wurden ausgeschüttet und verteilt, damit die Zelte bei Regen nicht von Wasser unterspült werden können.
500 Tonnen Schotter wurden ausgeschüttet und verteilt, damit die Zelte bei Regen nicht von Wasser unterspült werden können.
Ein Zelt ist 1000 Quadratmeter groß. Das Material lag am frühen Montagmorgen bereit.
Ein Zelt ist 1000 Quadratmeter groß. Das Material lag am frühen Montagmorgen bereit.

Zunächst hieß es, dass die Unterkunft mit 200 Betten so eingerichtet ist, dass die Flüchtlinge dort in den nächsten Tagen leben können. Nun ist es jedoch möglich, dass sie im Zelt überwintern müssen.

Denn die 1 000 Quadratmeter große Notunterkunft hat zum einen Holzfußboden und zum anderen ein Heizsystem. Über mehrere Lufteinlässe wird Wärme ins Innere geblasen. „Dadurch ist das Zelt winterfest“, sagt Holm Felber von der Landesdirektion Sachsen. Er konnte gestern noch immer nicht sagen, ob es weitere Zelte auf dem Areal an der Strehlener Straße geben wird. „Es ist nicht ausgeschlossen, aber auch nicht fest geplant.“ Da ungewiss ist, wie viele weitere Asylbewerber nach Dresden kommen, gebe es noch keine Entscheidung. „Wir versuchen aber natürlich, künftige Flüchtlinge in Gebäuden unterzubringen“, sagt Felber. Doch die Kapazitäten sind begrenzt. Denn auch die rund 1 000 Flüchtlinge, die derzeit im Zeltlager an der Bremer Straße leben, brauchen noch eine Unterkunft für den Winter. Die dortigen Zelte sind nur bis null Grad bewohnbar.

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Im neuen Camp in der Südvorstadt wurde derweil schon das Heizsystem ausprobiert und für gut befunden, so DRK-Sprecher Torsten Wieland. Keiner der Asylsuchenden dürfte in der Nacht gefroren haben. Einige von ihnen kamen gestern aus dem eingezäunten Gelände, um sich mit Anwohnern und Passanten zu unterhalten. Andere spielten auf der Wiese Fußball.

Etwa die Hälfte der Bewohner kommt aus Syrien. Kurz nach der Ankunft hatten Ehrenamtler vom DRK alle Asylbewerber fotografiert, Ausweise ausgestellt und sie registriert. Die Namen werden in eine Datenbank eingetragen. Sie soll unter anderem dabei helfen, auseinandergerissene Familien wieder zusammenzuführen. (mit sr)