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Flughäfen bauen Russlandgeschäft aus

Der Freistaat Sachsen leistet sich zwei Flughäfen, die nur 100 Kilometer auseinanderliegen. Vorstandschef Kopp will deren Angebot besser aufeinander abstimmen, um mehr Fluggäste anzuziehen.

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© dpa

Leipzig. Die sächsischen Flughäfen wollen künftig noch stärker auf das Russland-Geschäft setzen. „Russland ist ein Markt für uns, der eine hohe strategische Bedeutung hat“, sagte der Vorstandschef der Mitteldeutschen Airport Holding, Markus Kopp. Insbesondere Dresden habe sich sehr gut im Russland-Geschäft etabliert. Seit 2009 bestehe eine Flugverbindung zwischen Dresden International und Moskau. Mittlerweile flögen zwei Gesellschaften zwischen Dresden und Moskau und eine Airline nach Krasnodar. „Wir haben Dresden sehr engagiert in russischen Reiseveranstalter-Kataloge gebracht. Davon profitiert die Stadt und die ganze Region“, sagte Kopp. Von Leipzig/Halle aus geht es zweimal wöchentlich nach Moskau.

Dresden und Leipzig verzahnen

Kopp, der Vorstandschef bei beiden sächsischen Flughäfen ist, will Leipzig/Halle und Dresden noch stärker verzahnen. „Man muss für die beiden nur 100 Kilometer voneinander entfernten Flughäfen ein abgestimmtes Angebot entwickeln und weitere Nischen besetzen“, sagte Kopp. Beispiel für eine solche Nische sei die kürzlich aufgenommene Verbindung zum Gazipasa Airport nahe dem türkischen Alanya. Diese Verbindung biete in Ostdeutschland nur der Flughafen Leipzig/Halle an.

Das Investitionsprogramm an beiden Flughäfen sei vorerst abgeschlossen. „Bei der Infrastruktur haben wir unsere Hausaufgaben gemacht“, sagte Kopp. „Es wird für Leipzig/Halle definitiv keine dritte Start- und Landebahn geben“, unterstrich er mit Blick auf einen entsprechenden Vorstoß vom Landrat des Kreises Nordsachsen, Michael Czupalla (CDU).

Weit unter Kapazitätsgrenzen

Beide Flughäfen arbeiten unterhalb ihrer Kapazitätsgrenzen. Allein Leipzig/Halle könnte jährlich etwa 4,5 Millionen Passagiere verkraften. Auf diese Zahl kommen momentan beide Flughäfen zusammen. Im November legte Leipzig/Halle im Vergleich zum Vorjahresmonat bei den Passagierzahlen trotz gesunkenen Transitaufkommens um 6,5 Prozent auf 159.480 Fluggäste zu. Der Bundesdurchschnitt liegt nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen ADV für den November bei 0,9 Prozent Zuwachs. Der Flughafen ist im Transit Zwischenstation etwa für US-Militärangehörige.

Dresden verbuchte hingegen ein Minus von 11,4 Prozent, vor allem wegen Streckenstreichungen im Zuge der Insolvenz der Airline OLT und wegen der Unruhen in Ägypten.

Im Jahr 2012 erwirtschaftete die Mitteldeutsche Flughafen AG einen Konzernumsatz von rund 127 Millionen Euro. Das war ein Plus von 3,1 Prozent. Trotzdem machte der Konzern 79,8 Millionen Euro Verlust. Grund seien Abschreibungen im Zusammenhang mit den großen Infrastrukturinvestitionen.

Haupteinzugsgebiete seien der Süden Berlins, Brandenburg, das polnisch-tschechische Grenzgebiet, Thüringen sowie die Regionen um Hof und Bayreuth. „Hier stehen wir im heftigen Wettbewerb mit anderen Flughäfen, wie etwa mit Berlin und Nürnberg, aber auch mit Prag und Breslau“, sagte Kopp.

Für Leipzig/Halle erwartet Kopp mit dem für 2014 angekündigten Ausbau des DHL-Luftfrachtdrehkreuzes einen weiteren Anstieg des Frachtgeschäfts und hofft auf weitere Ansiedlungen. Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil seien die immer noch im Umfeld des Airports vorhandenen Flächen. „Wir haben noch Platz“, sagte der Vorstandschef. Außerdem gelte in Leipzig/Halle eine Nachtflugerlaubnis für Expressfracht. Dagegen machen indessen seit der Ansiedlung von DHL Bürgerinitiativen mobil. (dpa)