Teilen:

Flugmodelle heben ab

© Andreas Weihs

Die Modellflieger organisieren ein Fest und stellen ihr Hobby vor. Das ist keine Männersache. Aber: Wenige Frauen trauen sich.

Von Heike Heisig

Roßwein/Striegistal. Wenn Kathrin Bader auf dem Flugplatz bei Etzdorf steht, dann darf sie niemand mehr ansprechen. Von ihr wird volle Konzentration verlangt. Die 49-Jährige fliegt ein Helikoptermodell. Die beiden sind noch in der Kennenlernphase, und das letzte Mal lief irgendetwas nicht glatt. Daher ist Kathrin Bader an diesem Tag besonders vorsichtig. Wer sein Modell nur für Sekunden aus den Augen lässt, riskiert einen Unfall, kann sich und anderen schaden. „Modellfliegen ist ein schönes, aber sehr verantwortungsvolles Hobby“, sagt Jan Porebinski. Er ist Mitglied beim Modellfliegersportclub Roßwein (MFSC) und darüber hinaus für den Deutschen Modellfliegerverband (DMFV) als Gebietsbeauftragter in Sachsen und Sachsen-Anhalt unterwegs. In dieser Funktion kommt er viel herum, auch zu Jugendwettbewerben. Doch auch da gehen bisher kaum bis gar keine Mädchen an den Start. „Schade“, findet nicht nur Jan Porebinski. Kathrin Bader ist überhaupt die einzige Modellfliegerin, die er kennt.

Um ihr Hobby vorzustellen, haben die Roßweiner Modellflieger ein zweitägiges Fest vorbereitet. Am 22. und 23. September laden sie auf den Flugplatz Etzdorf ein. Ihr Vereinsgelände liegt mitten auf dem Feld zwischen Etzdorf und dem Abzweig nach Marbach. Noch besser zu sehen ist es dann, weil neben einer Art Bauwagen – dem Vereinsdomizil – noch eine Hüpfburg und verschiedene Imbissstände aufgebaut sind. Die Sportler wollen der gesamten Familie etwas bieten.

Schließlich kann mit dem Modellfliegen schon in einem Alter von sechs oder sieben Jahren begonnen werden. Kindern würde Porebinski gern die Grundlagen des Modellfliegens beibringen. Denn vom Kauf eines Billigmodells ohne Kenntnisse und Anleitung rät er ab. „Wenn da was nicht klappt, könnten Kinder und Eltern schnell aufgeben.“ Doch es fehlt noch ein Partner, der sich mit Porebinski der Wissensvermittlung zum Beispiel in einer Schule annimmt. Überdies sind bei den Jüngsten die Eltern gefragt. Ohne ihre Taxidienste kommen die Kinder nicht auf den Flugplatz nach Etzdorf. Einige Hürden also. Nicht umsonst sind die jüngsten der 30 MFSC-Mitglieder schon 15 Jahre alt und können selbst zum Flugplatz laufen oder mit dem Bus fahren. Die ältesten Modellflieger des Roßweiner Clubs sind übrigens über 80 Jahre. Insgesamt kommen die wenigsten aus Roßwein, sondern eher aus Dresden, Großenhain und Pirna.

Kathrin Bader wohnt mit ihrer Familie in Triebischtal. Ihr Mann Lothar fliegt schon Modelle, seit er 16 Jahre alt ist. Nach einer Pause hat er dieses Hobby 2015 wieder „hervorgekramt“ – und damit wenig später seine Frau angesteckt. Vorher waren beide passionierte Gleitschirmflieger. „Doch dafür mussten wir zunächst immer ziemlich weit in die Berge fahren“, erzählt Kathrin Bader. Der Flugplatz sei näher. Und nach einem Tag am Schreibtisch sei das Modellfliegen für sie eine gute Art, den Kopf freizubekommen. „Außerdem treffen wir hier meist Vereinsmitglieder.“ Die Gemeinschaft sei der 49-Jährigen wichtig. Die Modellflieger kenne sie schon länger. Immerhin habe sie ihren Mann auch schon oft begleitet, als das Modellfliegen noch nicht ihr Ding war.

„Begonnen hat es bei mir Anfang Mai 2017 mit Flugsimulationen am Computer“, erzählt Kathrin Bader. Danach habe ihr Mann ihr Flugstunden gegeben, die Technik sei über ein Lehrer-Schüler-Kabel verbunden gewesen. Damit sei die Möglichkeit des Eingreifens gegeben – vergleichbar mit der Fahrschule. „Meinen ersten Flug allein hatte ich am 18. Mai 2017.“ Diesen Termin weiß sie noch ganz genau. Weshalb das Modellfliegen eine Männerdomäne ist, kann sich die 49-Jährige nur so erklären: „An den Modellen ist viel Technik dran. Die muss Frau verstehen wollen und sich das auch zutrauen.“ Mut haben die Baders schon beim Gleitschirmfliegen bewiesen. „Ängstlich bin ich bestimmt nicht“, lacht die Frau aus Triebischtal.

Dass die Modellflugsaison 2018 bald zu Ende geht, stimmt sie nicht traurig. „Über den Winter bauen wir an neuen Modellen und können es im Frühjahr dann kaum erwarten, auf den Flugplatz zu kommen und sie zu testen“, erzählen die Baders. Vorher wollen sie am Wochenende noch ihre Modelle präsentieren und mit den Besuchern ins Gespräch kommen.

Termin: Flugtage des Modellfliegersportclubs Roßwein am 22. und 23. September ab 10 Uhr, Samstagabend mit Konzert der „Freunde der Nacht“ und Feuerwerk.