merken

Flugshow einer 14-Jährigen

Skispringerin Gianina Ernst landet bei ihrem Weltcup-Debüt in Lillehammer auf Platz zwei und löst das Olympia-Ticket.

© AFP

Von Erik Roos

Am Ende eines verrückten Tages war Gianina Ernst ein bisschen verwirrt. Die 14-Jährige lief bei der Siegerzeremonie schnurstracks auf die falsche Seite des Podestes. Erst die ehemalige Weltmeisterin Daniela Iraschko-Stolz machte die Skispringerin aus Oberstdorf auf ihren Irrtum aufmerksam. „Das ist so aufregend, beim ersten Weltcup auf dem Podest zu landen. Ich bin total glücklich“, sagte die lediglich 1,56 Meter messende Teenagerin und zeigte ihr schönstes Zahnspangen-Lächeln.

PPS Medical Fitness GmbH
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie

Sie wollen mehr Fitness und Gesundheit in Ihr Leben bringen? Lernen Sie die vielen Gesundheitskurse und Angebote kennen und lassen Sie sich von den umfangreichen Angeboten von PPS Medical Fitness begeistern!

Als Zweite in Lillehammer gelang Ernst nicht nur das beste deutsche Ergebnis seit Einführung des Weltcups 2011, sondern löste als Krönung auch das Ticket für Olympia. In Sotschi dürfte die gebürtige Schweizerin, die am 31. Dezember ihren 15. Geburtstag feiert, die jüngste Deutsche sein. „Sie hat unglaubliche Fortschritte gemacht und ist ein großes Talent“, sagte Frauen-Bundestrainer Andreas Bauer.

Ernst flog auf der kleinen Olympiaschanze von 1994 auf 96,5 und 97 Meter und teilte sich Platz zwei mit der 30-jährigen Österreicherin. „Das ist irgendwie auch mein Job. Ich mache das, seit ich fünf Jahre bin“, sagte Ernst ganz cool, nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte.

Das Talent wurde ihr quasi in die Wiege gelegt. Vater Joachim war 1982 deutscher Skisprung-Meister und ist bis heute ihr Trainer. Mutter Cornelia war mehrfache Schweizer Skilanglaufmeisterin. Kennengelernt hat sich das Paar bei der WM 1982 in Oslo, anschließend wurde eine Großfamilie gegründet: Gianina hat fünf ältere Geschwister. Ihr 18-jähriger Bruder Benjamin ist auch Skispringer.

Die Gene machten sich früh bemerkbar. 2011 wurde Gianina Ernst mit zwölf Jahren Zweite der Schweizer Meisterschaft, entschied sich dann aber für einen Wechsel zum Deutschen Ski-Verband. „Ich war eher Einzelkämpferin“, sagt sie über eine Zeit, in der sie zum Training nach Einsiedeln oder Hinterzarten eine Stunde fahren musste. Jetzt besucht sie das Skiinternat Oberstdorf. Ernst stellte sogar die Männer in den Schatten. Severin Freund gewann gestern von der Großschanze. Richard Freitag belegte am Sonnabend den dritten Platz von der Normalschanze. (sid)