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Flugzeugwerke-Tochter startet durch

Ab Ende März werden im Gewerbegebiet Kodersdorf Spezialplatten für Airbus hergestellt. Anfangs mit 90 Beschäftigten.

© André Schulze

Von Frank-Uwe Michel

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Kodersdorf. Noch ist viel Platz in den vier Hallen der Acosa Aircraft Composites Sachsen GmbH, die im Gewerbegebiet Kodersdorf kurz vor der Inbetriebnahme ihres Standortes steht. Sieben Wochen sind es noch, dann soll die Produktion von Spezialplatten für die Innenverkleidung von Airbus-Flugzeugen angefahren werden. Doch bis dahin ist noch einiges zu tun. Handwerker aus Deutschland und Österreich sind im Moment dabei, die Maschinen aufzustellen und in Gang zu bringen.

Die Tochter der Elbe Flugzeugwerke hat es in atemberaubend kurzer Zeit geschafft, auf einem früheren Acker eine Fabrik mit 15600 Quadratmetern Nutzfläche aus dem Boden zu stampfen. Erst im Februar 2017 gab es den ersten Spatenstich, Mitte März dann schon die Grundsteinlegung. Seitdem konnte man fast zusehen, wie das Werk Schritt für Schritt wuchs. Ab dieser Woche bis Mitte März läuft der Zulassungsprozess, nach dem Hochfahren der Maschinen wird es ab Ende März sogenannte Erstmusterprüfungen geben. Die sollen belegen, dass die hergestellten Platten die vorgegebenen Maße einhalten und die so wichtigen Festigkeitseigenschaften besitzen.

Denn was künftig aus der Kodersdorfer Fabrik per Lkw direkt nach Hamburg zur Verteilung in die verschiedenen Airbus-Werke geliefert wird, ist Hochtechnologie, die von 100 Ingenieuren bei der Konzernmutter in Dresden ständig weiterentwickelt wird. „Die Platten, die zur Verkleidung von Frachträumen, Kabinen und im Cargo-Bereich eingesetzt werden, bestehen aus einem Karbonaufbau mit harzgetränktem Glasfasergewebe, bei denen es in erster Linie um möglichst geringes Gewicht und hohe Festigkeit geht“, erläutert Frank Zenker.

Anders als beim Konkurrenten Boeing sind die Fußbodenplatten bei Airbus Teil der Primärkonstruktion und unterliegen deshalb äußerst strengen Qualitätsstandards. „Allein für die von uns verwendeten Materialien hat es bis zu zwei Jahre gedauert, ehe wir sie von Airbus zertifiziert bekamen“, macht der Geschäftsführer deutlich, dass es hier um Präzisionsarbeit geht. Entsprechend weit vorn sei man mit den Produkten. „Man kann schon sagen, dass wir in unserer Branche führend sind“, sagt er stolz. Da die Lieferungen für den Flugzeughersteller „just in time“ erfolgen, dürfe es hierbei auch keine Abstriche geben. In den vergangenen zehn Jahren hätten die bisher in Dresden hergestellten Platten eine Lieferqualität von deutlich über 99 Prozent erreicht – das könne sonst niemand auf der Welt.

Läuft alles nach Plan, verlassen in der zweiten Hälfte des Monats Mai die ersten Verkleidungsteile aus in Kodersdorf hergestellten Platten die neue Fabrik. 2018 wird mit einem Ausstoß von 42 000 Platten gerechnet, ab 2019 sollen es dann 200 000 sein. Aus dem Maß von zwei mal drei Metern geht es auch darum, möglichst viele Bauteile zu schneiden und den Verschnitt so gering wie möglich zu halten. „Wir machen dies zum Anreiz für unsere Beschäftigten. Wer hier gut ist, bekommt das auch besonders honoriert“, erklärt Andreas Sperl, Geschäftsführer der Elbe Flugzeugwerke, einen Teil des Vergütungssystems, das sich über Leistung und Qualität definiert. „Bei den Gehältern orientieren wir uns an der ortsüblichen Einkommensstruktur, wobei die Höhe der Lohnkosten natürlich auch ein entscheidender Punkt für unsere Standortentscheidung war.“ Acosa sei zwar nicht tarifgebunden, arbeite aber am Aufbau verschiedener Sozialleistungen. Auch flexible Arbeitszeiten und Home Office für Büroarbeitsplätze seien möglich. „Das muss natürlich wachsen“, erläutert Sperl.

Die in den Verkleidungsplatten verarbeiteten Waben bezieht Acosa von zwei Lieferanten aus Deutschland und Luxemburg. Auf drei Arbeitsstationen und in 25 Einzelschritten wird aus den Zubehörteilen das fertige Produkt gemacht – wobei das Fertigungs- und Transportsystem weitgehend automatisiert ist und das Kodersdorfer Werk zu einer überwiegend digital funktionierenden Fabrik macht. „Zwei Drittel der Wertschöpfung kommt aus maschinellen Prozessen, ein Drittel wird manuell erarbeitet“, erläutert Frank Zenker. Und er weist noch auf einen weiteren interessanten Aspekt hin: „95 Prozent der durch die Bauteile verursachten Kosten stecken im Material.“

Die Elbe Flugzeugwerke hatten sich im Rahmen einer weltweit laufenden Standortsuche für Kodersdorf entschieden, weil sich mit der Firma CCI Assembly bereits ein Tochterunternehmen hier befindet und die logistische Anbindung günstig ist. Die Kosten für die Investition in die Acosa Aircraft Composites Sachsen GmbH betragen rund 45 Millionen Euro.