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Ein Fest in Rot – außer für Vettel

In der Formel 1 feiert Ferrari endlich wieder einen Heimsieg in Monza, allerdings durch Leclerc. Damit  ändert sich nun wohl auch die Rangfolge im Team.

Charles Leclerc macht erst im Rennen seine Konkurrenten nass und feiert dann feucht-fröhlich.
Charles Leclerc macht erst im Rennen seine Konkurrenten nass und feiert dann feucht-fröhlich. © dpa/Antonio Calanni

Von Emanuel Reinke

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Fußballprofi - ein Traum, der immer mit auf den Rasen läuft, wenn die Jüngsten zum Training oder Punktspiel antreten. Aber genügt dafür allein Talent? 

Blackout bei Sebastian Vettel, Jubel bei Charles Leclerc – die Wachablösung bei Ferrari wurde ausgerechnet beim Heimrennen vollzogen: Der viermalige Weltmeister Vettel hat sein Rennen beim Großen Preis von Italien mit einem kolossalen Aussetzer ruiniert und sich bei der Scuderia ins Abseits manövriert. „Ich bin nicht zufrieden mit meiner Leistung“, sagte Vettel bei RTL trotzig, „was das dann für die Situation im Team bedeutet, ist mir eigentlich erst mal egal.“

Der Heppenheimer zeigte ausgerechnet in Monza erneut Nerven und wurde von seinem überlegenen und siegreichen Teamkollegen Leclerc sogar überrundet. Während Vettel den 14. Saisonlauf völlig verpatzte und 13. wurde, ließ Shootingstar Leclerc die Herzen der Tifosi im Ferrari-Land mit seinem zweiten Sieg innerhalb von acht Tagen und einer leidenschaftlichen Vorstellung höher schlagen: Es war der erste Heimsieg in Monza seit 2010, als Fernando Alonso triumphiert hatte.

„Ich war noch nie so müde nach einem Rennen, das war so schwierig“, sagte Leclerc: „Ich habe die Tifosi gesehen, es stand so viel auf dem Spiel, mit diesem Sieg ist jetzt wirklich ein Traum wahr geworden.“ Der 21-jährige Leclerc lieferte sich packende und hart geführte Zweikämpfe mit den Mercedes-Piloten, zunächst mit Weltmeister Lewis Hamilton, später mit Valtteri Bottas – letztlich holte der Finne Rang zwei vor Hamilton. Nico Hülkenberg fuhr im Renault auf den starken fünften Platz.

Leclerc zog damit auch in der WM-Wertung an Vettel vorbei. Spitzenreiter bleibt Hamilton, der auf seinen sechsten WM-Titel zusteuert. „Es war nicht ganz unser Tag, aber wir haben gute Punkte geholt“, sagte er: „Ich denke noch nicht an den Titel, auch wenn die Führung beruhigend ist.“

Sebastian Vettel hat beim Ferrari-Heimspiel in Monza nichts zu lachen. 
Sebastian Vettel hat beim Ferrari-Heimspiel in Monza nichts zu lachen.  © dpa/Luca Bruno

"Er fährt wie ein Idiot"

Die Szene des Rennens spielte sich bereits in der siebenten Runde ab. In der dritten Schikane leistete Vettel sich auf Rang vier liegend einen Dreher, direkt danach folgte der nächste große Patzer. Bei der Rückkehr auf die Strecke touchierte er das Auto von Racing-Point-Pilot Lance Stroll.

„Er fährt wie ein Idiot auf die Strecke zurück“, schimpfte der Kanadier per Funk. Vettel musste sich einen neuen Frontflügel holen und fiel ans Ende des Feldes zurück, zudem bekam er nach dem Manöver gegen Stroll eine zehnsekündige Stop-and-Go-Strafe. „Es war eine kleine Unachtsamkeit, und schon hatte ich das Auto verloren“, sagte Vettel später: „Da war klar, dass der Zug abgefahren ist. Dann wollte ich zurück auf die Strecke, auch das habe ich nicht gut gemacht.“

Das Italien-Rennen galt für den 32-Jährigen als wegweisend: Eine erneute Niederlage im Teamduell vor den Augen Tausender Italiener und Piero Ferrari, dem Sohn des legendären Firmengründers, hatte sich Vettel nicht leisten dürfen. Das Zustandekommen der Pleite dürfte seine Rolle bei der ruhmreichen Scuderia nun letztlich zementiert haben. Seinen Status als Nummer eins untermauerte Leclerc aber auch mit der eigenen Leistung. Der Monegasse blieb nach den Boxenstopps vor dem Mercedes-Duo Hamilton/Bottas, der Brite war jedoch zumeist im DRS-Fenster, der Druck auf den Ferrari war enorm.

Leclercs Trumpf auf dem Vollgas-Kurs war Ferraris Stärke auf den vielen Geraden, der SF90 war dem Mercedes-Boliden überlegen. Statt Leclerc schwächelte Hamilton in Runde 42. In der ersten Schikane nach Start-und-Ziel musste der 34-Jährige den Umweg über die Auslaufzone nehmen. Bottas zog an seinem Teamkollegen vorbei und eröffnete seinerseits die Jagd, doch der Sieg war Leclerc nicht mehr zu nehmen. „Ein Traum ist wahr geworden“, meinte der Sieger, der damit die Herzen der Ferraristi im Sturm erobert hat. Sogar Teamchef Mattia Binotto filmte die Jubelszenen mit dem Handy vom Zaun. Zur neuen Hierarchie meinte er: „Es ändert nichts an der Ausrichtung im Team. Wer gewinnen kann, soll gewinnen.“ (sid)

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