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Forscher halten Pegida-Anhänger nicht für „Normalbürger“

Sozialwissenschaftler sehen bei den Demonstranten Zustimmung zu einem rechten Weltbild – wenn auch unter Vorbehalt.

© Robert Michael

Von Andrea Schawe, Berlin

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Die Pegida-Bewegung besteht gerade nicht aus den angeblichen „Normalbürgern“. Nach einer aktuellen Studie des Berliner Protestforschers Dieter Rucht mit sozialwissenschaftlichen Kollegen aus Chemnitz, Frankfurt/Main und Bochum ist Pegida männerdominiert, besteht meist aus Angestellten mit guter Bildung, die kein Vertrauen in staatliche Institutionen haben und der Partei Alternative für Deutschland (AfD) zugeneigt sind. „Ein Großteil der Befragten stimmt rechtspopulistischen bis zu rechtsextremen Thesen zu“, sagte Dieter Rucht gestern bei der Vorstellung der Ergebnisse. Der Wissenschaftler widersprach damit ausdrücklich einer kürzlich in Dresden vorgelegten Studie.

Die Ergebnisse seien aber nicht repräsentativ und nur unter Vorbehalt zu betrachten. Mehrere Gruppen der Sozialwissenschaftler hatten die Demonstration am 12. Januar beobachtet und 670 Zettel mit einer Aufforderung zu einer Internet-Umfrage verteilt. Die Mehrheit der etwa 1 800 Angesprochenen hätten die Annahme der Handzettel teils aggressiv verweigert – anders als etwa bei Hartz IV-Protesten oder Demos gegen den Irakkrieg. Nur 123 Teilnehmer der Pegida-Demonstration beantworteten die Internet-Umfrage. Das seien deutlich zu wenig, um die Resultate auf die gesamte Bewegung zu übertragen. „Wir können nichts über den typischen Pegida-Demonstranten sagen“, sagte Rucht. Dabei vermuten die Forscher, dass sich insbesondere die Radikaleren einer Befragung verweigert haben. „Rechtsextreme Teilnehmer sind in der Befragung unterrepräsentiert“, heißt es in der Studie.

Trotzdem ordneten die Befragten sich selbst mehrheitlich politisch dem Mitte-Rechts-Lager zu. Bei der letzten Landtagswahl hat die Hälfte der Befragten nach eigenen Angaben AfD gewählt, 18 Prozent nahmen nicht an der Wahl teil. Wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre, würden sich 89 Prozent für die AfD entscheiden. Für die NPD würden fünf Prozent der Befragten ihre Stimme abgeben. 81 Prozent der Befragten stimmte Aussagen zu einem starken Nationalgefühl zu.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Pegida seinen Höhepunkt erreicht hat und in Zukunft an Zuspruch verlieren wird. „Das sollte aber niemanden beruhigen“, sagte der Sozialwissenschaftler Piotr Kocyba von der TU Chemnitz. „Die Leute verschwinden genauso wenig wie das Gedankengut in den Köpfen.“

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