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Forstfest für alle

Auch Kinder die anders sind gehören in den Kamenzer Festumzug. Förderschulen, Eltern und Forstfestkomitee haben einen Plan.

© René Plaul

Von Ina Förster

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Kamenz. Die drei Förderschulen der Stadt Kamenz nahmen bislang nicht mit ihren Klassen an den alljährlichen Forstfestumzügen teil. Das hatte viele Gründe. Und war schon immer so. Keiner rüttelte daran. Warum eigentlich nicht? Das fragten sich in den letzten Jahren immer wieder und immer mehr Menschen. Auch und vor allem am Straßenrand. Viele der Eltern hingegen schienen sich damit abgefunden zu haben. Denn es sind nur Vereinzelte, die sich dafür stark machen, dass ihre Kinder Teil einer wunderschönen alten Tradition sind. Dass die Möglichkeit dazu jederzeit besteht, betont die Stadtverwaltung immer wieder.

Und das nicht erst seit 2017. Über Jahre habe es Angebote zur Teilnahme gegeben, sagt bereits vor sieben Jahren Volker Schmidt, Chef des Forstfest-Komitees auf Nachfrage der SZ. Doch die wurden abgelehnt. Auf der Schulkonferenz entschied man indessen 2011, dass man nicht unter dem Namen Förderschulen am Forstfestzug teilnehmen möchte. Den Schülern sei daraufhin freigestellt worden, mit Regelschulen zu laufen. Ein paar nutzten das Angebot – meistens im Block der Grundschule am Forst. „Wir hatten immer wieder Nachfragen, und haben diese Kinder selbstverständlich schnell integriert“, so Schulleiterin Gabriele Keltsch. Sogar mit Rollstühlen rollten sie teilweise mit. Die Reaktionen am Rand waren immer durchweg positiv. Und die anderen Kinder selbst? „Die haben sowieso meistens keine Berührungsängste. Da wird überhaupt nicht gefragt, warum plötzlich ein fremdes Kind in der Klasse mitläuft“, weiß sie.

Konstruktive Runde

Nun kommt neuer Schwung in die Angelegenheit. Auch, weil sich Ergotherapeut Michael Schiewack dahinter geklemmt hat. Und erste Gesprächsrunden initiierte. Er begrüßte natürlich das neu aufgeflammte Interesse im letzten Jahr. Der Kamenzer setzt sich seit Langem für mehr Inklusion in der Lessingstadt ein. „Natürlich brauchen besondere Kinder besondere Betreuung und Unterstützung. Darüber muss man sprechen“, sagte er.

Bereits Ende November 2017 gab es eine große Beratung zum Thema. Mit dabei die Leiterinnen der Schule zur Lernförderung und der Förderschule für Geistigbehinderte, Vertreter des Forstfestkomitees, Elternvertreter sowie Michael Schiewack als Moderator. „Es war eine sehr konstruktive Runde“, sagt Gabriele Keltsch, die sich gemeinsam mit Helmut Münstermann vom Forstfestkomitee einbringt. Abgesagt hatte im Vorfeld bereits die dritte Fördereinrichtung, die Förderschule für Erziehungshilfe lernbehinderter Kinde an der Friedensstraße in Bernbruch. Kaum Kamenzer Kinder würden in diese Einrichtung gehen. Und damit gäbe es auch zu wenig Bezug zum Heimatfest. Irgendwie verständlich.

Extra-Block abgelehnt

Die restliche Runde aber diskutierte munter über die Hintergründe und wie man noch mehr Eltern und Förderschüler animieren könnte, mitzutun. Fest steht: Es wird auch weiterhin nur eine Teilnahme der Kinder in Klassen der Regelschulen geben. „Die Eltern selbst lehnten es erneut ab, in einem Extra-Block zu laufen“, erzählt Gabriele Keltsch. Das hat sicherlich auch etwas mit Scham zu tun. Die meisten wollen nicht, dass ihre Kinder gesondert „zur Schau gestellt werden“. Auch die anfängliche Idee von Michael Schiewack, einen sogenannten „Regenbogen-Block“ anzuschieben, der aus Mangel an genügend einzelner Klassenstärke aus verschiedenen Altersgruppen bestünde, wurde nicht vordergründig begrüßt.

Vielmehr gibt es nun einen Maßnahmen-Plan, der in den beiden Förderschulen vorliegt und umgesetzt werden soll. „Bislang war das alles mehr ein Improvisieren, wenn jemand die Teilnahme am Festzug unbedingt wollte. Nun wird es einen speziellen Elternabend geben, an dem wir auch vom Forstfestkomitee teilnehmen und Fragen beantworten“, so Gabriele Keltsch. Was sollen die Kinder tragen, wo bekommen sie den Blumenschmuck her? Wer kümmert sich? Alle Grund- und Oberschulen sind zur Mitarbeit aufgefordert. Die Förderschüler können also unter vielen Einrichtungen wählen. „Das ist ein erster Schritt. Wir erwarten zwar nicht, dass jetzt plötzlich 50 Kinder mehr mitlaufen, aber ein Anfang ist mit diesem Angebot getan!“