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Sport

Was von der Saison in Erinnerung bleibt

Die 57. Spielzeit der Fußball-Bundesliga ist beendet. Sie hat neue Rekorde gebracht und für einigen Gesprächsstoff gesorgt. Eine Bilanz.

Die Meisterschale ging zum achten Mal in Serie an den FC Bayern München.
Die Meisterschale ging zum achten Mal in Serie an den FC Bayern München. © Archiv: dpa/Matthias Balk

6 - Mit sechs Platzverweisen führt Bayer Leverkusen diese unrühmliche Rangliste in der Saison 2019/20 an. Drei Rote und drei Gelb-Rote-Karten stehen am Saisonende in der Statistik der Rheinländer. Offensivspieler Leon Bailey brachte sich gleich zweimal ein: Gegen Borussia Mönchengladbach (1:2) und beim 1. FC Köln (0:2) sah er in der Hinrunde jeweils glatt Rot.

17 - Mit 17 Gelben Karten in einer Spielzeit stellte der Paderborner Klaus Gjasula einen Rekord auf. Die zuvor gültige Bestmarke hatte der Duisburger Tomasz Hajto in der Saison 1998/99 geliefert. Er war 16-mal verwarnt worden. Auch im Club-Vergleich liegt Gjasulas
Arbeitgeber bei den Gelben Karten an der Spitze. Mit 80 Verwarnungen führt der Absteiger aus Ostwestfalen in dieser Rangliste vor Fortuna Düsseldorf (78) und dem 1. FC Köln (77).

Der Paderborner Klaus Gjasula sammelte soviele gelbe Karten wie niemand vor ihm.
Der Paderborner Klaus Gjasula sammelte soviele gelbe Karten wie niemand vor ihm. © Matthias Hangst/Getty Images Europe/Pool/dpa

21 - Das gab es noch nie: Mit 21 Assists bereitete Bayerns Thomas Müller so viele Treffer in einer Saison vor wie noch nie ein Bundesligaspieler vor ihm.

34 - Mit 34 Treffern wurde Robert Lewandowski souverän zum dritten Mal in Serie Torschützenkönig. So viele Tore gelangen dem Polen in einer Bundesliga-Spielzeit noch nie. Wie außergewöhnlich die Marke ist, zeigt auch dieser Vergleich: Der zuvor letzte Spieler, dem 34 Tore in einer Spielzeit gelangen, war Dieter Müller - in der Saison
1976/77 für den 1. FC Köln.

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Schon zum fünften Mal sicherte sich Robert Lewandowski die Torjägerkanone.
Schon zum fünften Mal sicherte sich Robert Lewandowski die Torjägerkanone. © Kai Pfaffenbach/Reuters-Pool/dpa

100 - Genau 100 Tore gelangen dem FC Bayern München in dieser Bundesliga-Saison. Der deutsche Fußball-Rekordmeister scheiterte damit knapp an seiner eigenen Bestmarke. In der Saison 1971/72 erzielte der Branchenprimus noch ein Treffer mehr. Es war die legendäre 40-Tore-Saison von Gerd Müller.

Video der Saison: Salomon Kalou

Nach einem Livevideo bei Facebook war seine Zeit bei Hertha BSC abgelaufen: Salomon Kalou.
Nach einem Livevideo bei Facebook war seine Zeit bei Hertha BSC abgelaufen: Salomon Kalou. © dpa/Andreas Gora

Die Handykamera lief überall. Salomon Kalou, der Teamkollegen mit Handschlag begrüßt, Salomon Kalou, der ungefragt in einen Coronatest reinplatzt. Und alles in Echtzeit bei Facebook gestreamt. Lange hatte der Ivorer erfolgreich für Hertha BSC gestürmt, bis er am 4. Mai das wohl unglaublichste Video der Saison aufnahm.

Die Empörung über den 34-Jährigen hatte nicht lange auf sich warten lassen, die DFL tadelte ihn und von seinem Klub wurde er suspendiert. Mitten in der heißesten Phase der Coronakrise und unmittelbar vor der Entscheidung über die Fortsetzung der Bundesliga-Spielzeit hatte er die Verhaltensregeln gebrochen, die für alle galten. Die Einsicht kam schnell am nächsten Tag.

"Es war ein großer Fehler. Die Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich alle respektiere und niemanden in Schwierigkeiten bringen wollte", sagte Kalou bei Sport1. Auch Hertha-Manager Michael Preetz war ratlos, weil Kalou sich bis dahin als "tadelloser Sportsmann" präsentiert habe. Bis zu diesem Tag, der sein Ende in Berlin vorzeitig einläutete.

Unterbrechung der Saison: Corona

Als am 6. Mai die erlösende Botschaft aus Berlin eintraf, atmete eine ganze Branche auf. Es geht weiter - zwar unter erschwerten Bedingungen, aber immerhin. "Die heutige Entscheidung ist eine gute Nachricht für die Bundesliga und die 2. Bundesliga", sagte DFL-Boss Christian Seifert, nachdem die Politik den Neustart erlaubt hatte.

66 Tage lagen zwischen dem letzten und dem ersten Spiel vor bzw. nach der Corona-Pause. Ein Zeitraum, in dem einige Vereine sogar um ihre Zukunft fürchten mussten - denn die Fortsetzung der Saison war aufgrund des grassierenden Virus keinesfalls garantiert. "Sollte nicht zu Ende gespielt werden", warnte Seifert, "könnten einige Klubs im Mai und Juni in eine existenzbedrohende Situation geraten."

Der GAU blieb zwar aus, die Folgen der Pandemie und der Pause werden die Klubs dennoch zu spüren bekommen. Denn künftig werden weniger TV-Einnahmen fließen, und Seifert ist sich sicher: "Einige werden den Gürtel enger schnallen müssen."

Entdeckung der Saison: Alphonso Davies

Überzeugte erst seinen Entdecker Hasan Salihamidzic, und dann auch den Rest der Fußballfachwelt: Alphonso Davies.
Überzeugte erst seinen Entdecker Hasan Salihamidzic, und dann auch den Rest der Fußballfachwelt: Alphonso Davies. © Kai Pfaffenbach/Reuters/Pool/dpa

"Road Runner", "Speedy Phonzales" oder einfach nur "Phonzie": Sprint-Rakete Alphonso Davies ist bei Bayern München der Mann mit den vielen Spitznamen - und die Entdeckung der Saison in der Fußball-Bundesliga.

"Alphonso ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken", sagte Sportchef Hasan Salihamidzic über den 19-Jährigen, den er selbst für den Klub gewann, "er ist von 0 auf 100 durchgestartet." Und hat auf der linken Abwehrseite keinem Geringeren als Rekordeinkauf Lucas Hernandez den Rang abgelaufen, oder besser: abgesprintet. Mit 36,51 km/h stellte er am 32. Spieltag in Bremen (1:0) einen Geschwindigkeitsrekord seit Erfassung der Trackingdaten (2013/14) auf.

Davies gefällt auch neben dem Platz, mit seinen lustigen Social-Media-Videos unterhält er Millionen. Kein Wunder, dass er nach seiner Kicker-Laufbahn ins Schauspielfach wechseln möchte. Seine Karriere ist schon jetzt filmreif: Vom Flüchtlingscamp in Ghana, wo der Sohn liberianischer Eltern zur Welt kam, zum Stammplatz beim FC Hollywood - und das im Eiltempo!

Wintertransfer der Saison: Erling Haaland

Mit Platz zwei nicht zufrieden: Dortmunds Erling Haaland.
Mit Platz zwei nicht zufrieden: Dortmunds Erling Haaland. © dpa/Bernd Thissen

Ein wenig Norwegisch können sie bei Borussia Dortmund inzwischen, ist ja dann auch manchmal gar nicht so schwierig. Wie der "Matchwinner" in seiner Heimat wohl benannt werde, wurde Erling Haaland kürzlich nach einem Siegtor gefragt. Die Antwort: "Matchvinner!"

Als ein solcher ist das Sturm-Supertalent geholt worden, als ein solcher schlug er gewaltig ein. Haaland debütierte in der Bundesliga mit drei Toren und legte noch zweimal zwei Treffer nach, erst dann wurde es etwas ruhiger. Der Hype flaute zumindest ein wenig ab.

Dennoch ist der 19-Jährige ein Phänomen: Ein Spieler, dem sein gewaltiges Potenzial anzusehen ist, der schon fast im Vollsprint den Passweg Richtung Tor anzeigt, wenn sein Mitspieler erst in den Zweikampf zur Balleroberung geht.

Die richtige Mentalität für einen Verein, der den letzten Schritt nach ganz oben gehen will, bringt er auch mit. Die Antwort des wortkargen Profis auf die Frage, ob er sich über die Vize-Meisterschaft freue: "Nein." Oder, in Norwegen: "Nei."

Enttäuschung der Saison: Werder Bremen

Stand mit Werder Bremen lange im Regen, kann das Schlimmste in der Relegation aber noch abwenden: Trainer Florian Kohfeldt.
Stand mit Werder Bremen lange im Regen, kann das Schlimmste in der Relegation aber noch abwenden: Trainer Florian Kohfeldt. © Friedemann Vogel/EPA/Pool/dpa

Am internationalen Geschäft wollte man kratzen an der Weser, schon dieses vor Beginn der Spielzeit ausgegebene Saisonziel war eine kapitale Fehleinschätzung. Viel zu lange glaubten Werder Bremens Profis, zu gut für den Abstieg zu sein, am letzten Spieltag retteten sie sich durch ein 6:1 gegen den desolaten 1. FC Köln wenigstens in die Relegation.

Die Sommertransfers schlugen nicht richtig ein, die Nachkäufe im Winter waren keine Verstärkungen, extremes Verletzungspech gesellte sich hinzu: Nicht einmal das zweifellos begabte Trainertalent Florian Kohfeldt konnte den sportlichen Niedergang aufhalten. Erst am letzten Spieltag bekamen die Hanseaten wenigstens halbwegs die Kurve.

Nun muss sich der SV Werder in der Relegation behaupten, noch ist der Klassenerhalt nicht perfekt. 1980, nach dem ersten Bundesliga-Abstieg, kehrten die Hanseaten nach einem Jahr mühelos in die Bundesliga zurück. Dass sich derlei "Betriebsunfälle" vier Jahrzehnte später nicht mehr so leicht reparieren lassen, können die Grün-Weißen beim benachbarten Erzrivalen aus Hamburg fast hautnah beobachten. (dpa, sid)

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