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Sachsen

"In jedem Fenster ... schrien Leute um Hilfe"

Zweimal soll eine 31-Jährige in einem Leipziger Mietshaus Feuer gelegt haben. Den Bewohnern war der Fluchtweg durchs Treppenhaus abgeschnitten.

Das Landgericht in Leipzig.
Das Landgericht in Leipzig. © Hendrik Schmidt/dpa

Leipzig. Zu Beginn des Prozesses wegen zwei schwerer Brandstiftungen in einem Leipziger Mietshaus hat die angeklagte Frau bestritten, die Feuer gelegt zu haben. Seine Mandantin weise die Tatvorwürfe zurück, erklärte der Anwalt der Angeklagten am Donnerstag im Landgericht Leipzig. Ansonsten schwieg die 31-Jährige. Die Staatsanwaltschaft legt ihr versuchten Mord in 39 Fällen, gefährliche Körperverletzung und schwere Brandstiftung zur Last.

Das erste Mal brannte es in dem Haus in der Eisenbahnstraße am 23. Dezember 2017. Das Feuer brach vor dem Kellereingang aus und breitete sich in dem hölzernen Treppenhaus aus. Den 18 Bewohnern war der Fluchtweg abgeschnitten. Die Feuerwehr rettete sie über Drehleitern. Mehrere Menschen erlitten Rauchgasvergiftungen.

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Der zweite Brand am 26. November 2018 war noch schwerer. Das Feuer gelangte laut Anklage bis in die dritte Etage. Ein Polizist schilderte als Zeuge, dass aus allen Fenstern Qualm drang. "In jedem Fenster standen Personen und schrien um Hilfe", sagte der 39-Jährige. 21 Menschen hielten sich damals in dem Haus auf. Der Besitzer bezifferte den Schaden laut Anklage auf eine Million Euro.

Nach Darstellung des Staatsanwalts zündete die 31-Jährige jeweils Unrat und Papier vor der Kellertür im Vorderhaus an. Sie selbst wohnte im Hinterhaus. Das Motiv ist unklar. Eine Bewohnerin sagte als Zeugin, dass sie noch immer kaum glauben könne, dass die Angeklagte das Feuer gelegt habe. Sie charakterisierte die Frau als unauffällig und fleißig.

Das Landgericht hat zahlreiche Zeugen geladen, um in dem Indizienprozess aufzuklären, was in dem Haus geschah. Bis zum Oktober sind zwölf Verhandlungstage angesetzt. (dpa)