Merken

Frau Lenz bringt den Stützstrumpf

Aber auch Rollatoren und selbst Pflegebetten organisiert die Lampertswalderin mit ihrem mobilen Sanitätshaus.

Teilen
Folgen
© Anne Hübschmann

Von Susanne Plecher

Lampertswalde/ Zabeltitz. Anja Lenz hat die Zeichen der Zeit erkannt, einer Zeit, in der die Versorgungsangebote auf dem Land immer weniger und die Menschen immer älter werden. „Der Bäcker kommt ins Dorf, der Fleischer baut seinen Wagen auf. Ich habe nach etwas gesucht, was es noch nicht gibt, was die Leute im ländlichen Raum aber brauchen“, sagt sie. Gefunden hat sie mit ihrem Sanitätshaus auf Rädern etwas, dass sie gut kann. Jahrelang hat sie in dem Bereich schon als Angestellte gearbeitet. Seit Anfang September legt sie auf eigene Faust los und fährt durch die Gegend.

Verträge mit vielen Krankenkassen

Zwischen Großenhain, Meißen, Riesa und Königsbrück pendelt die 41-jährige Lampertswalderin, um Kompressionsstrumpf, Rollstuhl und Co zu ihren Kunden nach Hause zu bringen. Sie scheut auch die Grenzüberquerung ins Brandenburgische nicht, weil sie Verträge mit vielen verschiedenen Krankenkassen hat.

Die Menschen schätzen den Service, erspart er ihnen doch aufwendige, mitunter Schmerz verursachende Wege zum nächsten Sanitätshaus in die Stadt. „Die Leute rufen mich an, ich komme zu ihnen, fordere Rezepte bei den Ärzten an und kümmere mich um die Besorgung der Heil- und Hilfsmittel“, beschreibt Anja Lenz ihr Leistungsangebot.

Sie kann diesen Service ohne Aufpreis oder Fahrtkostenpauschale anbieten, weil sie keinen Laden betreibt und ihr Lager in der heimischen Scheune eingerichtet hat. Dort stehen durchschnittlich fünf Rollatoren, Toilettensitzerhöhungen für Menschen mit Hüftbeschwerden, Kisten voller Verbandmaterial. Was sie nicht vorrätig hat, bestellt sie und liefert direkt aus.

Das Spektrum ist riesig. Eigentlich gibt es im Pflegebereich nichts, was es nicht gibt: Haarwaschwannen fürs Bett, Greifhilfen, selbst Strumpfan- und Ausziehhilfen mit Zugbändern sind zu haben. Auch bei teuren Anschaffungen wie Pflegebetten, speziellen Weichmatratzen gegen Wundliegen oder Rollstühlen kann sie helfen.

In Großenhainer Klinik gelernt

Dann schreibt sie Kostenvoranschläge an die Krankenkasse und nimmt ihren Kunden den Schreibkram ab. Die profitieren von ihrer fachlichen Qualifikation. Anja Lenz ist examinierte Krankenschwester und hat im Großenhainer Krankenhaus gelernt. In der Klinik auf dem Bobersberg hat sie zehn Jahre vorwiegend in der Notaufnahme gearbeitet. Dann ist sie auf die ITS nach Riesa versetzt worden, was nicht gutging. „Die vielen Maschinen, die schwierigen, oft tödlichen Krankheitsverläufe - das war nichts für mich“, sagt sie rückblickend.

Deshalb hat sie sich beizeiten eine neue Aufgabe gesucht und war sechs Jahre lang in ambulanten chirurgischen Praxen beschäftigt. Erst bei Frau Dr. Albrecht in Elsterwerda, dann bei Dr. Büttner in Großenhain. Bevor sie jetzt den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, hat sie für verschiedene Sanitätshäuser als Außendienstmitarbeiterin Kunden zu Hause betreut.

Das Know-how kommt ihr nun zugute. Als Wundschwester kann sie Patienten mit chronischen Wunden fachgerecht beraten, Therapieempfehlungen geben und die Bestellung und Lieferung des Verbandmaterials gleich übernehmen. Auch auf die Versorgung von Stomapatienten und Menschen, die enteral, also mit speziellen Cremes, Trinknahrung oder Suppen, ernährt werden müssen, hat sie sich spezialisiert. Obwohl sie ihr mobiles Sanitätshaus erst seit drei Monaten betreibt, zieht sie ein positives erstes Fazit: „Der Bedarf ist da, mein Kundenstamm wächst täglich“, so Anja Lenz.

In die Große Emma eingemietet

Damit der Trend bleibt, hat sie in Zabeltitz zugeschlagen und sich in die Große Emma eingemietet. An den Mittwochvormittagen trifft man sie dort jetzt an. Im spärlich eingerichteten Büro stehen Tisch und zwei Stühle, einige Kästen mit Materialien und ein Laptop. Einige Zabeltitzer haben sich schon von ihr beraten lassen, die ersten Auslieferungen hat sie in dieser Woche getätigt.

Dass die Große Emma mit den Dienstleistungen von Anja Lenz ihr Angebot nun auch auf den Sanitätshausbedarf erweitern kann, gefällt den Leuten im Ort. Sie hatten sich in einer Befragung der Sparkasse ausdrücklich gewünscht, dass mit einer Rezeptsammelstelle und einer Krankenkassenberatung auch ein medizinisches Angebot Einzug hält.

Zeichen der Zeit erkannt

„Das wäre eine Bereicherung der Großen Emma. Hier werden wir auf Apotheken und Krankenkassen zugehen“, heißt es in einer Auswertung der Sparkasse, die das moderne Dienstleistungscenter vor gut anderthalb Jahren in Zabeltitz eingerichtet hat. Von deren Kalkül, dass sich mehrere Firmen unter einem Dach zusammenfinden, Miete sparen und gleichzeitig verschiedene Angebote im Dorf erhalten, profitiert nun auch Anja Lenz. Zeichen der Zeit erkannt.