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Frau Luna im Biergarten

Von der Neiße an die Spree und weiter direkt zum Mond – das Görlitzer Musiktheater macht das alles mal so zum Spaß und an der frischen „Berliner“ Luft.

© Marlies Kross

Von Jens Daniel Schubert

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Görlitz. Die „Berliner Luft“ im Stadthallengarten Görlitz war vom gerade abgezogenen Regen noch kühl und feucht. Dennoch war am Freitagabend zu ahnen, dass sich mit „Frau Luna“ und den Berliner Typen, die sie in ihren „Schlössern, die im Monde liegen“ besuchen, an lauen Sommerabenden dufte Biergartenstimmung einstellen kann. Linckes Operette wird neben der Rückwand der Stadthalle, das Haus ist seit Jahren wegen Baufälligkeit geschlossen, recht gut erhaltenen Biergartenanlagen und im Schatten hoher Bäume aufgeführt. Die Musiker der Neuen Lausitzer Philharmonie sitzen unter einem Dach, haben sicherheitshalber Wärmestrahler und geben unter der Leitung von Albert Seidl der Berliner Geschichte den nötigen Schwung.

Der kommt beim Publikum an, das sich schon zur Premiere animieren ließ und begeistert mitklatschte, wann immer sich geeignete Rhythmen dazu fanden.

Auf der Bühne hat Steffen Piontek die bekannte Geschichte „aus ’em Milieu“ geschickt arrangiert. Die erzählt von armen Leuten, Berliner Typen, alle biedermeierlich arrangiert mit den Zuständen, auf der Suche nach einem kleinen Stück vom großen Glück. Piontek nimmt die Biergartenstimmung auf, greift gerne auch mal in die Klamottenkiste der alten Theaterwitze und lässt seine Darsteller alles sein, nur nicht bierernst.

So hat Mechaniker Steppke zwar den Job verloren, die Untermietswirtin hat ihm zum Ersten gekündigt und will ihm auch die Hand seiner Liebsten Mietzi, was ihre Nichte Marie ist, für immer entziehen, aber das stört ihn nicht wirklich. Unbeeindruckt lässt er sich Abendbrotstulle und Bier bringen, schmust nebenbei mit seiner Marie und spielt gleichzeitig noch mit einem Modell-Zeppelin. Det is halt so. Und so sehr Steppke Marie liebt, so selbstverständlich nutzt er die Gelegenheit, vor der feschen Chansonnette aus dem Vorderhaus zu stolzieren und ihren gockelhaften Galan aufs Abstellgleis zu schieben. Das ist die Frau seiner Träume, die dort als Frau Luna glänzt. Und nach dem aberwitzigen Traumabenteuer, dem Luftschiffflug auf den Mond, wo, silberglitzernd und aufgeblasen, letztendlich die gleichen Typen wie in Berlin zu Hause sind, ist der Sturz aus dem Bett hart. Aber Mietzi tröstet und der Brief vom Grafen Zeppelin verheißt eine große Zukunft im Luftschiffbau.

Beim Sommertheater darf und sollte die Unterhaltung im Vordergrund stehen. Regisseur Piontek, sein Ausstatter Mike Hahne und Choreograf Winfried Schneider führen die Banalität des Stückes in eine Absurdität an der Grenze zur Albernheit. Was in „Berlin“ noch als typgerechte Überhöhung der Figuren beschrieben werden kann, ist in den verrückt aufgedonnerten Mondkostümen, den Tippelschritten und stereotypen Bewegungen ins Extrem geführt. Das kann nur das Kinderballett toppen, dessen Auftritt als Sternschnuppen viel Applaus auslöste.

Als Titelfigur zeigt Patricia Bänsch ihre langen, schönen Beine in Glitzerbody mit Fädchenmini und kokettiert mit Federboa und Seidentuch. Thembi Nkosi als ihr Liebhaber stolziert mit Paradeschritt, lässt die Hüften und die Augen rollen und singt schmelzend seine Tenorlieder. Hans-Peter Struppe ist der harmlose Typ von der Polente, der zusammen mit Alison Scherzer als Dienstmädchen und Linckes eingängiger Melodie bettelt: „Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe!“.

Mit viel Charme und fast rührender Unbekümmertheit gibt Michael Berner den Steppke, spielerisch und gesanglich auf den Punkt zusammen mit Anna Gössie, die als sympathische Marie locker über den Ensembles trällert. Als Portier Pannecke schiebt Stefan Bley den vorgeschnallten Bierbauch wirksam über die Bühne, der heimliche Star des Abends ist jedoch, wie in fast allen Inszenierungen dieses Stücks, die Wirtin Pusebach. Die wurde von Bettina Weichert mit Herz und Schnauze, zupackendem Humor und einer gut ausgewogenen Mischung von Klamauk und Ernsthaftigkeit gestaltet. Zur großen Berlin-Revue auf dem Mond fehlt nicht viel und das Publikum singt mit. Jetzt muss bloß noch Petrus mitspielen und einem unterhaltsamen Biergartenabend mit Frau Luna steht nichts im Wege.

Weitere Vorstellungen: 25. und 30.06., 1., 2., 13., 14., 15. und 16. Juli

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