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Frauen häufiger krank als Männer

Ein neuer Gesundheitsreport zeigt bemerkenswerte Unterschiede im Landkreis. Was die Gründe und die Folgen sind.

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© Foto: DAK-Gesundheit/Stock

Von Peter Anderson und Marie-Therese Greiner-Adam

Pirna. Weibliche Arbeitnehmer haben in den Kreisen Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Meißen 23 Prozent mehr Fehltage als Männer. Das geht aus einer kürzlich von der Gesundheitskasse DAK veröffentlichten Studie hervor. Diese widmet sich den Unterschieden zwischen Frauen und Männern bei Krankheitsprofilen und Krankschreibungen.

Für die Studie werteten Forscher die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK in Sachsen sowie in den Landkreisen Meißen sowie Sächsische Schweiz-Osterzgebirge aus. Es wurden zudem deutschlandweit mehr als 5 000 Beschäftigte im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt. Ein Fazit: Frauen in Sachsen fehlen häufiger im Job als Männer. Ihr Krankenstand lag im vergangenen Jahr 18 Prozent höher. In den Landkreisen Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Meißen betrug der Unterschied noch einmal fünf Prozent mehr.

Eine Ursache für diese Schere dürfte darin bestehen, dass Frauen immer noch deutlich häufiger kranke Kinder betreuen als Männer. Mehr als jede vierte Frau (26,8 Prozent) gab in einer Befragung an, dass sie sich bei einer Erkrankung des Kindes selbst krank gemeldet hat, weil sie sich nicht anders zu helfen wusste. Bei den Männern sagten das nur 17,5 Prozent.

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Frauen im ländlichen Raum oft mehr belastet als Städter

Die Sprecherin für Soziales, Gesundheits- und Pflegepolitik der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, Dagmar Neukirch, weiß um das Problem: „Wir haben verschiedene Gesundheitsziele im Freistaat erarbeitet. Zum Beispiel ,gesund aufwachsen‘ oder ,aktives Altern‘. Es ist nötig, dass auch ein Ziel mit Genderaspekt dazukommt, das speziell zugeschnittene Maßnahmen für Frauen und Männer – medizinisch als auch gesellschaftspolitisch – anstößt.“ Auch Oliver Wehner, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, spricht sich für eine Weiterentwicklung der Gesundheitsziele aus. Er meint: „Frauen sind oftmals einer Doppelbelastung ausgesetzt. Sie sorgen hauptsächlich für die Gesundheit ihrer Kinder und darüber hinaus für ihre eigene. Mit einer passgenauen Gesundheitsförderung und einer nachhaltigen Prävention können wir Bürger jedoch länger gesund leben.“

Im Landkreis tut sich auf dem Gebiet Gender-Gesundheit ebenfalls etwas. Die Gleichstellungsbeauftragten haben das Thema geschlechtersensible Gesundheitsförderung in ihr Programm für 2017 aufgenommen. Die AG Chancenvielfalt plant dazu im kommenden Jahr Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit Vereinen, Bildungseinrichtungen, der Agentur für Arbeit und Krankenkassen. Bei einer ersten Zusammenkunft im September wurde über bereits bestehende Gesundheitsprojekte gesprochen und Ideen für weitere Maßnahmen gesammelt. Die sollen in den nächsten Wochen konkretisiert werden.

Dass der Krankenstand bei Frauen in den ländlichen Bereichen höher ausfällt als im gesamtsächsischen Vergleich, sei stark mit der Zusammensetzung der Bevölkerung verknüpft: „Im ländlichen Raum leben Frauen mit multipler Belastung. Das sind Frauen, die daher eher risikobehaftet sind.“ Zum Beispiel liegen die Betreuung von Familienangehörigen und die Altenpflege im ländlichen Raum oft in Frauenhänden, was eine Mehrfachbelastung bedeutet.

Frauen leiden öfter an psychischen Erkrankungen

Der DAK-Gesundheitsreport besagt etwa, dass Frauen mehr als dreimal so oft wie Männer an psychischen Erkrankungen wie Depressionen leiden. Vielen Männern werde eine solche Erkrankung aber erst gar nicht diagnostiziert: „Männer nehmen psychologische Beratung weniger oft in Anspruch. Das liegt auch am nach wie vor gängigen Bild, dass der Mann stark sein muss. Genauso wie eine höhere Risikobereitschaft gerade auch bei jungen Männern beeinflusst das die Lebenserwartung der Männer“, erklärt Neukirch. Dass Frauen öfter unter psychischen Krankheiten leiden, liege auch daran, dass sie sich anders gesellschaftlich betätigen als Männer. „Dadurch, dass sie sich öfter im sozialen Bereich engagieren, ist die psychische Belastung höher als bei Männern.“

Frauen gehen häufig trotz Erkrankung zur Arbeit

Der hohe Druck, welcher auf Arbeitnehmerinnen lastet, drückt sich auch im sogenannten Präsentismus aus. Obwohl Frauen den höheren Krankenstand haben, schleppen sie sich etwas öfter als Männer krank zur Arbeit. Von Experten wird dies als Präsentismus bezeichnet: 67 Prozent der Frauen in Sachsen waren 2015 mindestens einmal krank bei der Arbeit, bei den Männern nur 62 Prozent. Als Hauptgründe gaben Frauen in der Befragung an, dass sie ihre Kollegen nicht hängenlassen wollten (86,5 Prozent) oder auch ihre Arbeit fertigstellen müssten (63 Prozent). Insgesamt betrachtet bleibt dieses Überengagement jedoch die Ausnahme. Absolut ist der Krankenstand in der Region 2015 gestiegen.

Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Punkte auf 4,6 Prozent zu. Das bedeutet, dass an jedem Tag des Jahres von 1 000 Arbeitnehmern 46 krankgeschrieben waren.

Das Arbeitsklima wirkt entscheidend auf die Gesundheit ein

„Die Betriebe müssen sich besser um die Bedürfnisse der Mitarbeiter kümmern“, fordert Neukirch. Nicht nur auf schwangere Frauen oder solche, die bereits Mütter sind, müsse Rücksicht genommen werden. Auch Menschen, die älter als 50 Jahre sind, oder Azubis, die nicht die besten schulischen Abschlüsse haben, müssten Chancen geboten werden, am Arbeitsleben teilzuhaben.

In Zukunft wird auch das Thema Pflege von Familienangehörigen immer wichtiger werden. Arbeitgeber müssen Möglichkeiten schaffen, die individuellen Bedürfnisse ihrer Angestellten zu berücksichtigen. „Dafür brauchen aber gerade die kleinen Betriebe Unterstützung. Sie müssen beispielsweise Beratung bekommen zu einem gesundheitsfördernden Arbeitsklima, psychischem Druck bei der Arbeit sowie Vorsorgeuntersuchungen und Ähnlichem. Arbeitgeberverbände und Kammern sind gefragt, sich hier einzuklinken. Aber auch die Arbeitnehmer in Ostdeutschland müssen sich besser organisieren“, rät Neukirch.

„Gesund leben und arbeiten“ ist eines der Handlungsfelder, die der Freistaat innerhalb der sächsischen Landesrahmenvereinbarung zur Gesundheitsförderung und Prävention auf die Agenda genommen hat. Durch das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention, das im vergangenen Sommer auf Bundesebene beschlossen wurde, soll eine zielgerichtete Zusammenarbeit beider Bereiche gefördert werden. Krankenkassen und Pflegekassen werden künftig mehr als 500 Millionen Euro in Prävention und Gesundheitsförderung investieren. Ein Großteil der Gelder fließt in die Gesundheitsförderung in Kitas, Schulen, Kommunen, Betrieben und Pflegeeinrichtungen.