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Frauenkirche verliert Salz

Im kommenden Jahr muss der Choranbau gereinigt werden. Dafür ist ein besonderes Gerüst nötig.

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© Robert Michael

Von Kay Haufe

Nur wer ganz genau hinsieht, erkennt die weißen Ablagerung am Gesims der Frauenkirche. Salzkristalle haben sich auf den Sandstein gelegt. Betroffen davon ist aber lediglich der Choranbau im östlichen Teil. Er ist das größte zusammenhängende stehende Ruinenteil, das in den Wiederaufbau der Frauenkirche integriert wurde. „Es war jahrzehntelang der Witterung ausgesetzt, und die Sandsteine haben viel Wasser aufgenommen“, sagt Thomas Gottschlich, Leiter der Kirchbauverwaltung. Dabei sei es völlig normal, dass sich im Stein befindliche Salze an der Oberfläche ablagern. Bereits im Jahr 2000 wurden diese erstmals gereinigt. Damals ergaben Proben, dass sich Schwefelverbindungen gebildet hatten. Ein Resultat des sauren Regens, der in der DDR insbesondere durch die Braunkohleverbrennung entstand, heute vor allem durch das Heizen mit Erdöl sowie durch Abgase hervorgerufen wird.

m nächsten Jahr muss der Sandstein von den weißen Salzschlieren befreit werden.
m nächsten Jahr muss der Sandstein von den weißen Salzschlieren befreit werden. © Stiftung Frauenkirche

„Inzwischen hat sich das physikalische Gleichgewicht der Steine verändert“, sagt Gottschlich. Seit 16 Jahren hat die Chorwand von innen eine gleichmäßige Temperatur, doch außen wechselt das Klima rasch. Außerdem trifft auf die Ostseite nur wenig Sonne. Die Folge ist erneute Salzbildung auf dem Gesims. Im kommenden Jahr sollen die Kristalle deshalb mit einem besonderen Verfahren weichen. Dafür kommen Kompressen mit destilliertem Wasser auf die Steine, die die schädlichen Salze heraussaugen. „Je nach Belastung müssen mehrere Kompressen aufgelegt werden“, sagt Gottschlich. Zum Abschluss der Arbeiten, die für Mai oder Juni geplant sind, werden erneute Proben untersucht. „Wir erhoffen uns daraus Rückschlüsse auf die Veränderungen im Choranbau“, sagt der Architekt, der sich seit 1997 um die Kirche kümmert.

Um am Gesims arbeiten zu können, ist eine Gerüst nötig, das mindestens vier Wochen am halbrunden Choranbau stehen wird. Und es ist nicht das einzige, das 2017 in der Kirche aufgebaut wird. Schon in der ersten Januarwoche wird eines in der Hauptkuppelhalle in die Höhe wachsen. Es lagert derzeit in den Nebenräumen und steht innerhalb von drei Tagen. „Uns sind mehrere Leuchtmittel ausgefallen, die zu ersetzten sind. Außerdem sind Elektro-, Lüftungs-, Maler und Maurerarbeiten nötig, die nur vom Gerüst aus möglich sind“, sagt Gottschlich. Er rechnet mit bis zu vier Wochen, in denen der Blick auf die Kuppel im Innern nur eingeschränkt möglich ist. denn aus Sicherheits- und Staubschutzgründen müssen ein Netz und eine transparente Folie über das Kuppelauge gespannt werden. „Der Januar ist unsere besucherschwächste Zeit, deshalb legen wir die Arbeiten auf diese Wochen“, sagt Grit Jandura, die Pressesprecherin der Stiftung Frauenkirche.

Doch damit sind noch nicht alle Prüfungen abgeschlossen, die Dresdens berühmtestes Bauwerk regelmäßig erfährt. Ebenfalls im Mai oder Juni, das hängt von der Witterung ab, kontrolliert Gottschlich mit zwei Ingenieuren die komplette Außenhaut der Kirche. In bis zu 60 Meter schiebt sich der Hubsteiger dabei in die Höhe. „Wir haben in den Jahren 2006 bis 2012 sechsmal kontrolliert. Weil der Bauzustand an Blechen, Stein, dem Blitzschutz sowie den Fugen so gut war, haben wir gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege entschieden, nur noch alle fünf Jahre zu beobachten“, sagt er. 2017 ist es wieder so weit. Dabei wird der Gebäudezustand gezeichnet und fotografiert.

Matthias Thomschke von den Sächsischen Sandsteinwerken war zehn Jahre lang Bauleiter an der Frauenkirche. „Die alten Steine haben den Brand 1945 hinter sich und jahrzehntelange Nässe. Es ist völlig normal, dass davon etwas im Stein zurückbleibt. Je mehr Wasser dazukommt, desto stärker bilden sich Salze“, sagt er. Die sonnenarme Lage würde außerdem zur Kristallisierung beitragen.