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Frauentagsfeiern mit Hintergedanken

Das Riesaer Kabarett Die Piesacker tourt zum Frauentag durch die Gemeinden. Bei der Gelegenheit gehts auch gleich um Mitbestimmung und Wahlen.

© privat

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

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Großenhain/ Priestewitz/ Kreis. Frauen sind etwa die Hälfte der Menschheit. Trotzdem durften sie sich an demokratischen Entscheidungen in Deutschland lange nicht beteiligen und auch selbst kein politisches Amt bekleiden – bis 1918. Dass sich vor 100 Jahren die deutschen Frauen das Wahlrecht mutig erkämpften, daran wird zum Frauentag am 8. März landauf, landab erinnert.

Doch was ist aus dem Recht zu wählen geworden? „Wir haben verwählt“, meinen frech die Riesaer Laienkabarettisten aus der Gruppe „Die Piesacker“. Mit diesem Programm sind die Spötter in der Frauentagswoche neben Meißen und Strehla auch in der Gemeinde Priestewitz zu Gast – am 13. März. Die Gleichstellungsbeauftragte Manuela Schietzel packte erstmalig die Gelegenheit beim Schopf und bewarb sich um diesen Auftritt. Denn er wird im Rahmen des Internationalen Frauentages vom Landkreis bzw. sächsischen Gleichstellungsministerium bezahlt. In den Gasthof Blatterleben sind mittlerweile 80 engagierte Frauen aus Vereinen, Gemeindeeinrichtungen oder Feuerwehr eingeladen, die erste Männermannschaft des SV Traktor Priestewitz wird sie mit Sekt und Saft bedienen.

Wertschätzung nicht nur am 8. März

Vom 7. bis 21. März dauern die Frauentagsveranstaltungen im Landkreis Meißen. Großenhain feiert am 12. März (SZ berichtete). Außer Priestewitz und Großenhain gibt es im Altkreis zurzeit nirgendwo Gleichstellungsbeauftragte, die mithelfen können, dass Frauen nicht nur am 8. März Wertschätzung erhalten. „Diese Stellen müssen laut Gesetz neu besetzt werden“, sagt Sylvia Wolf, die Beauftragte des Landkreises. Lobend erwähnt sie dabei die Zusammenarbeit mit dem Schönfelder Bürgermeister Hans-Joachim Weigel. „Und natürlich sind auch Männer zu den Frauentagsveranstaltungen willkommen“, setzt die oberste Frauenbeauftragte hinzu.

Das Überthema „100 Jahre Frauenwahlrecht“ ist nach diesen Feierlichkeiten allerdings nicht ad acta gelegt. Kann es nicht sein. Denn bekanntlich gibt es kommendes Jahr im Frühjahr wieder Kommunalwahlen. Viele ältere Gemeinderäte wollen nicht mehr kandidieren. Dringend werden schon jetzt neue Bewerber gesucht, laut Sylvia Wolf vor allem auch Frauen. „Die weiblichen Gemeinderäte sind mit durchschnittlich unter 20 Prozent Anteil überall deutlich unterrepräsentiert“, weiß Sylvia Wolf. Auch im Kreistag agieren nur 18 Frauen – von 86 Mitgliedern, die meisten davon bei den Linken. Sie und die Grünen haben allerdings eine Quotenregelung.

Um Frauen für eine Kandidatur und Vorbereitung zu stärken, werden im Frühjahr weitere Veranstaltungen angeboten. So am 24. April um 18 Uhr im Großenhainer Rathaus. Über Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung wird dann Ulrich Zimmermann, ehemaliger Dezernent des Landkreises sprechen. Für einen Erfahrungsaustausch werden ehrenamtliche Stadt- und Kreisrätinnen eingeladen. Im Kreistag entscheiden derzeit zum Beispiel Margot Fehrmann (CDU), Andrea Kreisz (SPD), Marianne Gerberth (Linke) und Susann Frentzen (fraktionslos) mit. Großenhain hat zudem sieben Stadträtinnen, immerhin ein Drittel des Gremiums. „Wir schulen Frauen u. a. in Rhetorik oder der Haushaltsplanung Doppik“, sagt Wolf. Aus der Veranstaltung soll ein längeres Begleitprojekt werden.