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Frauke Petry vollzieht Parteiaustritt

Der Schritt war angekündigt, nun wird er vollzogen. Nach den Fraktionen in Land und Bund verlässt die bisherige AfD-Vorsitzende Frauke Petry auch die Partei. In Sachsen tun es ihr andere nach.

© dpa

Berlin/Dresden.Die bisherige AfD-Vorsitzende Frauke Petry vollzieht ihren angekündigten Austritt aus der Partei. Auch andere Parteiamts- und Mandatsträger in Sachsen gingen am Freitag auf Distanz zur AfD. Aus der neuen Bundestagsfraktion gibt es dagegen bislang keine Absetzbewegungen.

„Sie wird im Laufe des Tages aus der AfD austreten und ihre Parteiämter niederlegen“, sagte Petrys Sprecher, Oliver Lang. Zuerst hatte die „Welt“ über den unmittelbar bevorstehenden Austritt berichtet. Zu möglichen Plänen für die Gründung einer eigenen Partei schwieg sich Petry zunächst aus.

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„Dieser Schritt ist der letzte in einer Kette der Entfremdung von der Partei und daher folgerichtig“, sagte AfD-Parteichef Jörg Meuthen. Er ist dann - bis zum für Anfang Dezember geplanten Bundesparteitag - alleiniger Vorsitzender der Partei. Dann sollte ohnehin ein neuer Parteivorstand gewählt werden.

Neben der Bundespartei leitete Petry auch die AfD-Landtagsfraktion und den Landesverband in Sachsen. Am vergangenen Montag hatte sie zunächst erklärt, der neuen AfD-Bundestagsfraktion nicht angehören zu wollen. Einen Tag später folgte der Rücktritt vom Fraktionsvorsitz im Landtag. In dieser Woche nahm sie dort gemeinsam mit dem bisherigen Parlamentarischen Geschäftsführer Uwe Wurlitzer und Fraktionsvize Kirsten Muster, die ihrem Beispiel gefolgt waren, als fraktionslose Abgeordnete an einer Plenarsitzung teil. Wie Petrys Sprecher mitteilte, verlässt auch Wurlitzer die Partei.

Am Freitag folgten weitere Rück- und Austritte: Als vierte Abgeordnete verließ Andrea Kersten die ehemals 14-köpfige Landtagsfraktion. Gegenüber der „Freie Presse“ sprach sie von einer „Gewissensentscheidung“.

Parteivize Sven Simon legte nach Angaben des Pressesprechers des sächsischen Landesverbandes ebenfalls sein Amt nieder und erklärte: „Die Ausrichtung der AfD macht mir Sorgen und lässt mich zweifeln, ob ich noch in der Partei bin, in die ich eingetreten war.“

Auch der Landesvorsitzende der Jungen Alternative (JA), Julien Wiesemann, erklärte seinen Rücktritt - ebenso vom Amt des Beisitzers im AfD-Landesvorstand. Parteimitglied wolle er aber bleiben. Am Nachmittag folgte Judith Seifert. Sie gehört ebenfalls dem Landesvorstand derJA an.

Anders das Landesvorstandsmitglied Ralf Nahlob: Er trat von allen Parteiämtern zurück und aus der AfD aus. Es sei ihm immer wichtig gewesen, ein Abdriften der AfD an den politischen Rand zu verhindern. „Dieses Ziel ist leider gescheitert“, sagte er.

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