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Freie Fahrt zwischen Pirna und Wünschendorf

Der Ausbau der S 177 nördlich von Pirna ist abgeschlossen. Den Politikern vor Ort reicht das aber nicht.

© Katja Frohberg

Von Alexander Müller

Die Trasse zwischen Pirna-Copitz und Wünschendorf ist eine technische Meisterleistung. Sieben Brücken lassen erahnen, was die Straßenbauer hier geleistet haben. Gestern wurde dieser Abschnitt der Staatsstraße 177 offiziell für den Verkehr freigegeben. Die mühsame Fahrt durch Bonnewitz ist nun nicht mehr nötig. Die Strecke soll zukünftig die Schnittstelle zwischen den Autobahnen A 17 bei Pirna und A 4 bei Pulsnitz sein. Davon ist jetzt knapp die Hälfte fertiggestellt. Im kommenden Jahr wird das Baurecht für den nächsten Abschnitt, die Ortsumgehung Wünschendorf-Eschdorf, erwartet, informiert das Sächsische Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Die Arbeiten daran sollen dann unverzüglich beginnen.

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Mit dem Bau des gestern freigegebenen Teilstücks zwischen Pirna und Wünschendorf war im Juli 2012 begonnen worden. Es ist knapp fünf Kilometer lang. Die längste Brücke, die über den Bonnewitzer Grund, misst 206 Meter. Die dafür notwendig gewordenen Eingriffe in die Natur und Landschaft sollen unter anderem mit über 1 000 neuen Bäumen, mit 1,1 Kilometern Krötenschutzzäunen und 1,2 Kilometern Fledermausschutzanlagen kompensiert werden. Bis das alles gebaut ist, wird es aber zum Teil noch Jahre dauern. Etwa 38 Millionen Euro hat die neue Straße gekostet, die der Freistaat hat bauen lassen. Drei Viertel dieser Summe kamen von der Europäischen Union.

Neben Zeitersparnis soll die neue Strecke den Autofahrern auch mehr Sicherheit bringen. Sie ist sie zum Beispiel mit neuartigen grünen Markierungsstreifen ausgestattet. Nach Erkenntnissen aus der Verkehrsunfallforschung der vergangenen zehn Jahre ereignen sich die meisten schweren Unfälle, weil Autos beim Überholen von der Fahrbahn abkommen oder die Geschwindigkeit entgegenkommender Fahrzeuge falsch einschätzen. Durch die grüne Markierung dreispuriger Landstraßen werde es für Autofahrer deutlicher, dass genug Platz zum Überholen da ist und man dies nicht über die Gegenfahrbahn tun muss, so die Hoffnung der Verkehrsexperten.

Bei aller Freude über die neue zeitsparende Trasse vermissen die lokalen Politiker trotzdem noch etwas: eine Südumfahrung Pirnas in die Sächsische Schweiz. Das hat man der sächsischen Landesregierung auch schon häufig mit auf den Weg gegeben. Inzwischen regiert in Dresden allerdings eine andere Koalition.

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Damit der neue Zuständige, der Sächsische Verkehrsminister Martin Dulig (SPD), ja nicht vergisst, was Pirna von ihm will, wollte ihm Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) gestern eine ganz besondere Merkhilfe mitgeben. Er hatte ein Foto dabei, das ihn mit Duligs Amtsvorgänger, Sven Morlok (FDP), bei der Übergabe von Unterschriften zeigt. 15 000 Bürger hatten den Bau der Südumfahrung gefordert. „Wir freuen uns über diese Straße hier“, sagte Klaus-Peter Hanke. „Aber sie bringt noch mehr Verkehr nach Pirna.“ In dieselbe Bresche schlug Landrat Michael Geisler (CDU). „Diese Straße hat nur dann Sinn, wenn auch die Südumfahrung kommt.“ Leider fehlte der Adressat dieser Botschaften. Minister Martin Dulig sagte trotz anderslautender Ankündigung kurzfristig ab. Warum, das blieb offen.