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Freie Sicht für Görlitzer

Da findet die längste Mondfinsternis dieses Jahrhunderts statt, doch die Sternwarte ist zu. Sie braucht es aber nicht unbedingt.

© dpa

Von Susanne Sodan

Immerhin haben sie sich bemüht, die Görlitzer Sternfreunde. Am Freitagabend ist am Himmel die längste Mondfinsternis des Jahrhunderts zu beobachten. Die Sternwarte in Görlitz wird trotzdem nicht geöffnet. Die Sternfreunde haben dafür ihre Ansage auf dem Anrufbeantworter ein bisschen erweitert. Wer dort wirklich eine Nachricht draufsprechen will, muss jetzt ganz schön Geduld haben, bis die Ansage durch ist – erfährt aber auch ein bisschen was über die Mondfinsternis.

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Auch dieses Bild mit Mond und Nikolaiturm entstand vor drei Jahren.
Auch dieses Bild mit Mond und Nikolaiturm entstand vor drei Jahren. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Und man erfährt dort auch, warum die Sternenfreunde die Sternwarte „Scultetus“ am Freitagabend nicht öffnen können: personelle Gründe. Versuchen kann man es trotzdem. Sollten doch Vereinsfreunde das Ereignis auf der Sternwarte verfolgen, „wird das Tor geöffnet sein und gelegentliche Besucher können gern durchs Fernrohr blicken“. So steht es auch auf der Internetseite der Görlitzer Sternwarte. Allerdings sei ein Sternwartenbesuch zur Beobachtung einer Mondfinsternis auch nicht unbedingt nötig. Man beobachtet sie am besten mit bloßem Auge oder einem Fernrohr von einem günstigen Standort aus, wird in der Anrufbeantworter-Ansage erklärt.

Auch Michael Soffel, Professor für Astronomie an der TU Dresden und Direktor des Lohrmann Observatoriums, wird die Mondfinsternis per Fernrohr beobachten. Klar, sagt er, in einer Sternwarte bekomme man noch zusätzliche Informationen und kann sich anderes Interessantes am Himmel ansehen. Mit Blick auf die Oberlausitz verweist er auf die Sternwarte Sohland an der Spree, „das sind sehr engagierte Leute“, erzählt Michael Soffel. Aus der Mondfinsternis heute machen sie gleich einen ganzen Aktionstag. Aber es sei tatsächlich so, dass bloßes Auge oder Fernrohr natürlich ausreichend sind, um eine Mondfinsternis gut beobachten zu können.

Der Mond taucht 20.24 Uhr in den Kernschatten der Erde ein, schreiben die Görlitzer Sternfreunde auf ihrer Internetseite. Allerdings geht der Mond erst 20.42 Uhr auf. Heißt, man kann die Mondfinsternis nicht von Beginn an beobachten. Dazu kommt, dass die Sonne erst gegen 21 Uhr untergeht. Experten sagen, dass das Spektakel ab 21.30 Uhr gut zu beobachten sein wird, dann steht der Mond auch bereits ganz im Kernschatten der Erde, Beginn der Hauptphase. Komplett dunkel wird er aber nicht, sondern leuchtet rötlich – wegen der Streuung des Lichtes der Erdatmosphäre.

So selten sind Mondfinsternisse gar nicht, erzählt Michael Soffel. Er freut sich trotzdem immer wieder darauf, „es ist schon ein beeindruckendes Schauspiel“. Besonders beeindruckend wird es Freitagnacht, weil noch zwei weitere Besonderheiten am Himmel zu sehen sind: Der Mars steht in einer besonderen Konstellation, in „Opposition“ zur Sonne und sehr nah an der Erde. Deshalb wird er ungewöhnlich hell und groß leuchten – ebenfalls in Rot und rund sechs Grad unterhalb des verdunkelten Mondes.

Der besonders leuchtende Mars wird die ganze Nacht über zu sehen sein. Im Vergleich dazu eng begrenzt ist die Zeit, in der man die Raumstation ISS am Himmel beobachten kann, knapp zehn Minuten. Ab kurz nach Mitte der totalen Mondfinsternis, gegen 22.35 Uhr, kann man wahrscheinlich verfolgen, wie die ISS mit Alexander Gerst an Bord ihre Bahn vom Westhorizont zum Zenit zieht.

Einen guten Tipp hat noch Dietmar Kitta vom Verein der Zittauer Sternfreunde: Man sollte sich vorab einen sinnvollen Beobachtungsposten suchen. Denn die totale Mondfinsternis spielt sich verhältnismäßig niedrig über dem Horizont im Südosten ab. Eine Häuserfront in dieser Richtung würde sich also eher ungünstig machen.

Von der Landeskrone aus hätte man sicher einen guten Rundumblick. Auf das Plateau, also bis hoch zum Hotel und Restaurant „Burghotel“ kommt man. Der Turm wird aber wahrscheinlich zur Zeit der Mondfinsternis nicht mehr offen sein. „Solange Gäste im Restaurant sind, ist er geöffnet“, sagt Rosita Vogt, Inhaberin vom „Burghotel“. Danach aber wird der Turm generell über Nacht abgesperrt, weil es in der Vergangenheit Fälle von Vandalismus gab. Ein anderer guter Aussichtspunkt dürfte der Berzdorfer See sein. Dort bekommt man Freitagnacht zur Mondfinsternis sogar Cocktails gereicht. „Wir haben es perfekt abgepasst“, freut sich Jens Werner. Er und Benjamin Reiss veranstalten Freitagnacht die Depeche-Mode-Lounge beim Oberhof.