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Freilichtmuseum Nummer 50

Das Magazin „Focus“ hat Traumziele in Deutschland aufgelistet. Görlitz ist dabei, mit einer Mini-Einschränkung.

© Repro: Pawel Sosnowski

Von Matthias Klaus

War klar: „Die schönste Badewanne von Oberbayern“ hat gewonnen. Auf der Hitliste der 50 Traumziele in Deutschland im „Focus“ steht der Starnberger See auf Platz eins. Das Nachrichtemagazin hat in seiner Ausgabe Mitte Juli „Traumziele in Deutschland“ ausgemacht, „subjektive Lieblingsorte“, wie es heißt, „für den schnellen Kurzurlaub, den Tagestrip, das perfekte Wochenende“.

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..., wenn auch nur für einen Kurzurlaub.
..., wenn auch nur für einen Kurzurlaub. © Repro: Pawel Sosnowski

Das klingt nach den üblichen Verdächtigen, und auf den ersten Blick ist es auch so. Vom Schwarzwald über den Bodensee, den Harz, Weimar, Rügen und Helgoland – alle sind sie vertreten. Aber eben auch Görlitz. Platz 50, was aber nichts heißen muss, die Einstufung ist wohl eher wertungsfrei, Kategorie „Die südliche Mitte: sächsischer Stolz, Perlen der Renaissance und der Moderne“, gleich nach Meißen, Torgau und dem Elbsandsteingebirge. „Etwas abgelegen, aber ein Kleinod der Architekturen“ – so beschreiben die „Focus“-Macher Görlitz, und es folgt das Stichwort „Freilichtmuseum“. „Görlitz bezaubert mit seinem Stadtbild, das sich aus Prachtbauten (die Stadt an der polnischen Grenze war einst reich) vieler Epochen zusammensetzt“, heißt es im „Focus“. Es gebe „wunderbare Plätze, Gassen und Straßen mit ganz eigenem Flair“. Natürlich darf der obligatorische Hinweis auf Filmproduktionen nicht fehlen, etwa auf „Der Vorleser“ und das „Grand Budapest Hotel“, auch wenn das Wort „Görliwood“ nicht fällt. Aber gut, in knappen 17 Druckzeilen ist es natürlich schwierig, Görlitzer Vorzüge zu beschreiben. Roswitha Hennig, Wirtschaftsförderin bei der Europastadtgesellschaft, findet die Erwähnung im „Focus“ durchaus positiv. „So etwas bringt der Stadt natürlich Aufmerksamkeit. Wir werden überregional wahrgenommen“, sagt sie. Gerade mit dem Thema Film wolle Görlitz in Zukunft noch stärker werben, sagt sie. Und vielleicht, so die Wirtschaftsförderin, überlegt es sich der eine oder andere nach der Gratis-Werbung im „Focus“, mal ein Wochenende, ein paar Tage in der Stadt an der Neiße zu verbringen.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Touristen in der Stadt ist seit Jahren nahezu unverändert. Im April 2016 und 2017 lag sie bei 2,2 Tagen, im April dieses Jahres bei 2,1 Tagen. Das hat das Statistische Landesamt des Freistaates ermittelt. Demnach übernachteten von Januar bis April 2018 knapp 60 000 Gäste in der Stadt. Im gleichen Zeitraum vergangenen Jahres waren es fast 5 000 Übernachtungsgäste mehr. Die Zahl der geöffneten Beherbergungsbetriebe blieb derweil mit 44 gleich, ebenso nahezu die Zahl der angebotenen Betten und Schlafgelegenheiten: 2 029 im April 2018 und 2 031 im April vergangenen Jahres. 2016 waren es 2 020 Schlafplätze. Die durchschnittliche Auslastung der angebotenen Betten lag in diesem April bei 38,2 Prozent, im April 2017 bei 43,9 Prozent.

Frank Reimann vom Aktionsring der Innenstadthändler findet es ebenfalls gut, dass Görlitz bei den „Focus“-Traumzielen zu finden ist. „Jede Nennung in einem solchen großen Medium erzeugt doch Nachfolgenennungen“, sagt er. Leser des „Focus“ werden angesprochen, interessieren sich vielleicht für die Stadt an der Neiße, sagt Frank Reimann. So oder so: Auf jeden Fall klingen die Sätze im „Focus“ über Görlitz für die Stadt angenehmer als das, was die Kollegen des „Spiegels“ im Jahr 2016 vom Stapel gelassen haben. „Alles umsonst“ hatten diese geschrieben und Görlitz mit einem Potemkinschen Dorf und einer „angemalten Totenkiste“ verglichen, „unterm Sauerstoffzelt des Bundesfinanzministeriums“. Sätze, die damals für reichlich Empörung in der Stadt sorgten. „Wir zeigen heute: Wir haben viel erreicht“, findet Frank Reimann. Und: „Wir können noch mehr schaffen.“