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Freispruch nach Schlägerei am Kino

An Himmelfahrt soll ein Iraker angegriffen und beleidigt worden sein. Viel bleibt von den Vorwürfen nicht übrig.

© Sebastian Schultz

Von Stefan Lehmann

Nur keine Socken

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Riesa. So einig sind sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft bei Gericht selten. Er müsse beweisen, was in der Anklageschrift steht, sagte der Staatsanwalt am Donnerstag in seinem Schlussplädoyer. „Ich kann diesen Beweis nicht führen.“ Zu dünn sei die Beweislast gegen die beiden Angeklagten. Ihnen war vorgeworfen worden, am Himmelfahrtstag 2016 einen Iraker angegriffen, rassistisch beleidigt und verprügelt zu haben (wir berichteten). Die Polizei vermutete eine politisch motivierte Straftat, der Staatsschutz ermittelte. Bei Gericht allerdings ließ sich dieser Verdacht nicht erhärten. Letztlich habe es an unbeteiligten Zeugen gefehlt, so der Staatsanwalt. Stattdessen habe es zwei Gruppen gegeben: Die Angeklagten und einige ihrer Freunde auf der einen Seite, das mutmaßliche Opfer und seine Freundin auf der anderen. Es stand Aussage gegen Aussage.

„Ich glaube nicht, dass Sie so gänzlich unschuldig sind“, betonte der Staatsanwalt in Richtung der Angeklagten. Gut möglich, dass wirklich beleidigende Worte gefallen seien. Allein, es stehe Aussage gegen Aussage. Verteidiger Andreas Boeltzig kritisierte auch das aus seiner Sicht flapsige bis belustigte Auftreten der Belastungszeugen. Wer Opfer einer solchen Schlägerei geworden sei, „der hätte anders da gesessen und das Geschehen detaillierter geschildert“. Auch Richterin Ingeborg Schäfer stellte in ihrem Plädoyer fest, die Zeugen seien teils deutlich von dem abgewichen, was sie in der Polizeivernehmung gesagt hatten. Sie schloss sich deshalb den Anträgen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft an und sprach die beiden Angeklagten frei.