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„Freital hat große Chancen, weil Dresden gerade überschwappt“

Designer, Programmierer und Jungunternehmer sollen sich in der Stadt ansiedeln. Klappt das nur mit der Lederfabrik?

© Kikolai Schmidt

Von Tobias Winzer

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Hinter den Kulissen der Saftpressen

Am 21. September 2019 haben Interessierte die Möglichkeit zu erfahren, wie der leckere Saft in die Flasche kommt. 

Freital/Dresden. Am Ende waren sich alle zumindest in einem Punkt einig: Das Potenzial ist riesig, es muss nur genutzt werden. Über ein Thema gab es hingegen unterschiedliche Meinungen: über das Wie. Das ist das Fazit einer Infoveranstaltung zum Thema Kreativwirtschaft, zu der der Unternehmerverband Weißeritztal am Dienstagabend auf Schloss Burgk eingeladen hatte. Ziel ist es, junge Kreative mit passenden und günstigen Räumen nach Freital zu locken. Wenig überraschend spielte dabei auch die Zukunft der Lederfabrik eine Rolle.

„Freital hat große Chancen, weil Dresden gerade überschwappt“, sagte Claudia Muntschick. Sie arbeitet für das im vergangenen Jahr gegründete und vom Wirtschaftsministerium finanzierte Zentrum für Kunst- und Kreativwirtschaft. Sie ist dort für die Region Ostsachsen zuständig. An Beispielen zeigte sie, was Kreativwirtschaft überhaupt ist und welche Bedeutung der Wirtschaftszweig in Deutschland hat. Gemeint sei nicht vordergründig der Bildhauer oder Maler, sondern eher der Designer, der Programmierer oder der Kunsthandwerker. 1,6 Millionen Menschen arbeiteten deutschlandweit in dieser sogenannten Kreativbranche.

Für Freital sieht Muntschick viel Wachstumspotenzial. In Dresden würden derzeit „Wahnsinnspreise“ für Gewerberäume aufgerufen. „Deswegen gehen die Leute in den ländlichen Raum – zum Beispiel auch bis nach Görlitz.“ Man müsse aber darauf aufmerksam machen, dass es die benötigten Räume in Freital gebe. „Vieles hängt an der Außendarstellung. Man muss viel kommunizieren.“ Und es brauche jemanden, der sich dafür verantwortlich fühle. Der Chef des Unternehmerverbandes, Chris Meyer, führte einige Beispiele für derzeit noch ungenutzte Räume auf. Er nannte unter anderem das ehemalige Gelände der Fördertechnik an der Gitterseer Straße in Birkigt. Ein Unternehmen, das sich auf Sanierungs- und Abbrucharbeiten spezialisiert hat, hat die Immobilie Ende 2016 gekauft. Einen Teil des Areals brauche die Firma selbst, ein anderer Teil könne vermietet werden, so Meyer. „Der Eigentümer kann sich vieles vorstellen.“ Meyer will Freital wirtschaftlich voranbringen und nannte Freiberg als gutes Beispiel: Vergleichbare Einwohnerzahl, aber doppelt so hohe Gewerbesteuereinnahmen.

Diskutiert wurde an dem Abend auch über die Zukunft der Lederfabrik. Am Donnerstag entscheidet der Stadtrat über einen Antrag, wonach der geplante Abriss noch einmal aufgeschoben und weitere Möglichkeiten zum Erhalt geprüft werden sollen. „Mir kommen erhebliche Zweifel, ob nicht das Allerletzte versucht worden ist, um das Haus zu retten“, sagte Klaus Böhm, bis 2016 Chef der Stadtholding Wirtschaftsbetriebe Freital. Freitals Finanzbürgermeister Peter Pfitzenreiter (CDU) erwiderte: „Warum kann man immer nur über den einen Weg reden, Kreative nach Freital zu holen – mit der Lederfabrik?“ Die Entscheidung für den Abriss des Gebäudes sei wegen der vorliegenden Zahlen vernünftig. SPD-Stadtrat Klaus Wolframm sagte daraufhin: „Die Zahlen sind geschönt.“

Egal, wie die Entscheidung am Donnerstag ausfällt, bot das Zentrum für Kunst- und Kreativwirtschaft seine Hilfe an. Die Kreativen, die schon in Freital arbeiten und unter anderem im Technologiezentrum tätig sind, sollen sich besser vernetzen und auch nach außen für den Standort Freital werben. Die Veranstaltung auf Schloss Burgk wird nicht die letzte gewesen sein.