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Freital ist mit Autofahrern gnädig

Die Stadt nimmt deutlich weniger Buß- und Verwarngelder ein als Pirna. Statt stationär wird oft mobil geblitzt.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Franz Werfel

Freital. Die meisten Autofahrer ärgern sich, wenn sie von einer Radarfalle erwischt werden. Dabei ist fast allen durchaus klar, dass sie zu schnell unterwegs sind. Die Einheimischen kennen die fest installierten Blitzanlagen in ihrer Region. Dennoch sind es längst nicht nur Touristen, die im Landkreis geblitzt werden. Der Landkreis betreibt zehn stationäre Anlagen, die unregelmäßig scharf geschaltet werden. Die Stadt Pirna unterhält drei eigene Anlagen, Freital hat eine im Betrieb. Im vergangenen Jahr haben weder die Städte noch das Landratsamt neue Blitzer installiert. Nach SZ-Informationen ist das auch in diesem Jahr nirgendwo geplant.

Und dann gibt es noch die vielen mobilen Messungen, die im Landkreis die Polizei, das Landratsamt sowie die drei Großen Kreisstädte Pirna, Freital und Dippoldiswalde durchführen. Die am meisten gemessene Geschwindigkeitsübertretung beträgt übrigens zehn Kilometer pro Stunde – nach Rundung und Toleranzabzug von drei km/h. Das bestätigen so zumindest die Städte Pirna und Dippoldiswalde. Weitere interessante Infos zu den Blitzern im Landkreis zeigt die SZ im Faktencheck.

Die Fakten

Fakt 1: Verkehrserziehung ist wichtiger als Geld einzunehmen

In diesem Punkt sind sich alle einig: Die Überwachung der Tempolimits soll Autofahrer für die Sicherheit sensibilisieren. Denn nach wie vor ist eine zu hohe Geschwindigkeit die Unfallursache Nummer eins. Mit höherem Tempo nimmt auch der Bremsweg zu. Das Landratsamt überprüft regelmäßig, ob die Standorte der Blitzanlagen noch sinnvoll sind. „Entscheidende Kriterien für die Standortauswahl sind der Schutz der Verkehrsteilnehmer sowie die Unfallverhütung und die Prävention“, sagt Kerstin Körner, Ordnungsamtsleiterin im Landratsamt.

Fakt 2: Oftmals gehen die Behörden Hinweisen von Bürgern nach

Mit ihren mobilen Messgeräten können die Ordnungsämter zudem gezielt Hinweisen von Polizei und Bürgern nachgehen. Das Landratsamt nutzt fünf mobile Messgeräte, Pirna, Freital und Dippoldiswalde je eines.

Am häufigsten waren Freitaler Ordnungshüter im vergangenen Jahr mit einer mobilen Anlage unterwegs: an 53 Tagen. Dem Rathaus zufolge wurde diese am häufigsten auf der Dresdner Straße und der Poisentalstraße aufgebaut. Allen Messungen gingen Bürgerhinweise voraus.

Dippoldiswalde blitzte 22-mal mobil und ging dabei zwölf Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Die meisten Messungen fanden demnach vor der Förderschule in Reinholdshain statt. Pirna baute seine Anlage an 23 Tagen auf, meist im Kern der Innenstadt und im Ortsteil Sonnenstein. 14-mal erfolgten die mobilen Messungen aufgrund von Bürgerhinweisen.

Fakt 3: Pirna bleibt Blitzer-Spitzenreiter im Städtevergleich

Im Haushaltsplan für das Jahr 2016 hatte die Kreisverwaltung mit Einnahmen in Höhe von rund drei Millionen Euro aus Buß- und Verwarngeldern kalkuliert. Das betrifft aber nicht nur die Verkehrsüberwachung, sondern zum Beispiel auch illegale Müllentsorgungen. Laut Aussage des Landratsamtes erhebt der Kreis nicht gesondert, wie viel Geld allein aus der Verkehrsüberwachung auf dem Konto landet. Mit rund zwei Dritteln handelt es sich beim Großteil der Einnahmen aber um Verwarngelder, nur ein Drittel machen Bußgelder aus. Die Einnahmen aus den Blitzanlagen fließen in die Kreiskasse, die Kommunen bekommen nichts davon. Dafür muss der Landkreis aber auch alle Kosten decken.

Spitzenreiter bei den drei Städten, die selber Blitzer betreiben, bleibt Pirna. Im vergangenen Jahr konnte die Stadt circa 580000 Euro einnehmen, etwa 20000 Euro weniger als im Jahr zuvor. Einträglichster Blitzer war wieder die Anlage an der B172 im Ortsteil Krietzschwitz. Sie allein spielte rund 360000 Euro ein.

Dippoldiswalde kommt auf 105000Euro, das sind rund 22000 Euro mehr als im Vorjahr. Freital nimmt aus der Verkehrsüberwachung laut Haushaltsplan etwa 212000 Euro ein – aber auch hier gibt es nur Auskunft über das gemeinsame Konto aus allen Buß- und Verwarngeldern. Für dieses Jahr hat sich auch Freital mehr vorgenommen. Im Haushaltsplan 2017 sind 233000 Euro veranschlagt. Fast ein Drittel davon, rund 70000 Euro, gehen aber für die Wartung und Instandhaltung der Messgeräte drauf.

Fakt 4: Kurioses passiert im Landkreis immer wieder

Aufnahmen von Blitzanlagen sind hin und wieder Beweise in Strafverfahren, bei denen es nicht um die eigentliche Geschwindigkeitsübertretung geht. Fahrzeugdiebstahl ist ein Beispiel dafür. Ansonsten kommt es bei Blitzern, die an steilen Straßen stehen, manchmal vor, dass sie bei rasant vorbeirauschenden Radfahrern auslösen. Am häufigsten sei das bei der Anlage in Stolpen der Fall.

Von einem besonderen Fall erzählt Marcel Hänchen vom Dippoldiswalder Ordnungsamt. 2016 wurde eine Ärztin geblitzt, die sofort danach zur Messstelle zurückfuhr und sagte, dass sie mit ihrem privaten Fahrzeug zu einem Notfall unterwegs sei. Hänchen: „Die Dame hielt sich trotz des angeblich dringenden Notfalls einige Minuten an der Messstelle auf und bat um die Einstellung des Verfahrens.“

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