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„Freital ist nicht die Schlafstadt von Dresden“

Der Chef der deutschen Wohnungsbranche spricht über steigende Mieten und die Besonderheiten der Stadt.

© Andreas Weihs

Freital. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – die kurze Tour durch Freital bot Axel Gedaschko ein bisschen was von allem. Der ehemalige Wirtschaftssenator von Hamburg ist Präsident des Bundesverbandes der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW und damit der wichtigste Interessenvertreter der Branche. Auf Einladung des Landesverbandes war er jetzt in Freital zu Gast. Mit Vertretern der sächsischen und Freitaler Wohnungswirtschaft besichtigte er am Dienstag die neuen Wohnungen der Freitaler Wohnungsgesellschaft WGF in der Oststraße und das Wohngebiet Zauckerode. Zum Abschluss stand noch ein Besuch im Technologiezentrum an. Die Sächsische Zeitung sprach mit dem Chef des Spitzenverbandes.

Herr Gedaschko, wie sieht in Freital das Wohnen der Zukunft aus?

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Die Menschen wollen in ihren Wohnungen alt werden. Die Frage ist, was es kosten darf. Viele erwarten Mieten von maximal sechs Euro. Auf der anderen Seite gibt es aber immer mehr Leute, die auch bereit sind, für höherpreisigen Wohnraum zu zahlen. Es ist wichtig, für alle ein Angebot zu haben. Und das ist in Freital der Fall.

Sie sind zum ersten Mal in Freital. Welchen Eindruck haben Sie von der Stadt?

Eine mittelgroße Stadt, direkt angrenzend an eine Landeshauptstadt – das ist ein interessantes Spannungsfeld. Aber Freital meistert das gut. Der Gedanke hinter dem Technologiezentrum etwa, von der Forschungslandschaft in Dresden zu profitieren, ist gut. Auch, dass die Wohnungsunternehmen in Neubauten investieren, ist eine kluge Strategie. Es ist wichtig, durch Neubau auch andere Wohnmöglichkeiten anzubieten, um Leute aller Einkommensstrukturen anzusprechen. Dabei ist Freital auch landschaftlich schön gelegen: Für Wohnungen mit so einem Ausblick wie in der Oststraße würde man in anderen Städten doppelt so viel Miete zahlen.

Wo sehen Sie in Freital Aufholbedarf?

Was mir bei der Tour aufgefallen ist: Freital fehlt ein originärer Stadtkern. Aber die Stadt ist da bereits dran. Sie schafft sich ihr Stadtzentrum selbst. Das ist eine kluge Entscheidung.

Als Verbandschef kommen Sie viel im Bundesgebiet herum. Wie steht Freital im Vergleich zu anderen Städten da?

Viele Städte in Ostdeutschland haben seit der Wende mit der Schrumpfung zu kämpfen. Freital aber dagegen wächst. Und: Die Stadt ist auf dem Weg, allein etwas zu schaffen. Andere kleinere Städte dagegen sind von den Großstädten in der Umgebung abhängig. Freital aber ist in einer Symbiose mit Dresden.

Wie werden sich die Mieten in Freital entwickeln? Und wie können sie noch bezahlbar für alle bleiben?

Die Mieten in Freital werden voraussichtlich moderat steigen, was bei der Nähe zu Dresden und der allgemeinen Marktentwicklung auch völlig normal ist. Garant für langfristig bezahlbare, attraktive Wohnungen sind die Wohnungsunternehmen. Wenn ihr Engagement vor Ort nach wie vor so unterstützt wird, wie das aktuell der Fall ist, muss sich im Prinzip niemand Sorgen machen. Größtes Hemmnis für bezahlbaren Mietwohnungsbau ist jedoch eine Normen- und Auflagenflut, durch die sich die Baukosten massiv erhöht haben. Hier appellieren wir an die Politik: Es dürfen keine zusätzlichen Bauvorschriften hinzukommen, die das Bauen und damit das Wohnen noch weiter verteuern.

Noch immer pendeln viele Freitaler zum Arbeiten nach Dresden und in andere Städte. Wie kann verhindert werden, dass Freital zur Schlafstadt wird?

Ein wesentlicher Faktor für die Attraktivität von Freital ist eine vorausschauende Stadtentwicklung. Freital braucht Wohnangebote für jedes Portemonnaie und muss als eigenständige Stadt gegenüber Dresden wahrgenommen werden, mit eigenen Angeboten in allen Lebensbereichen. Ich sehe Freital da aber auf dem richtigen Weg. Freital ist nicht die Schlafstadt von Dresden und wird es auch künftig nicht sein.

Das Gespräch führte Carina Brestrich.