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Freital ist nicht mehr ganz sauber

In der Nacht zum Sonnabend schmieren Unbekannte Parolen an Hauswände. OB Uwe Rumberg wird erstmals öffentlich bedroht.

© Franz Werfel

Von Franz Werfel

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Freital. Die Worte, zu denen die bisher unbekannten Täter greifen, sind drastisch. „Freital soll sauber bleiben, keine Asylheime, keine Antifa“ steht seit dem Wochenende in großen, roten Lettern am ehemaligen Real-Markt auf der Burgker Straße. Rechts daneben steht „Kein Asyl“ und „Rumberg töten“. Flankiert wird der Spruch von einem Hakenkreuz. Im letzten Freitaler Stadtrat wurde bekannt, dass das Landratsamt derzeit prüft, im ehemaligen Real-Markt bis zu 800 Flüchtlinge unterzubringen.

Ein weiterer Schriftzug am ehemaligen Real-Markt.
Ein weiterer Schriftzug am ehemaligen Real-Markt. © Franz Werfel
Am BSZ in Freital wurde ein Rohr mit einem Schriftzug versehen.
Am BSZ in Freital wurde ein Rohr mit einem Schriftzug versehen. © Franz Werfel

Gegenüber dem Haus liegt das Berufsschulzentrum mit seiner Turnhalle. Das Landratsamt prüft auch hier derzeit, ob es Flüchtlinge unterbringen kann, hält die Halle aber eigentlich für ungeeignet. Direkt neben der Halle wurde ebenfalls in der Nacht zu Sonnabend auf ein Rohr gesprüht: „No Asyl“. Das Freitaler Rathaus wurde mit blauen und braunen Farbspritzern beschmiert. Die Polizei ermittelt nun wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Verbindung mit der Aufforderung zu Straftaten. Es ist das erste Mal, dass im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ein Politiker derart öffentlich bedroht wird.

Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) verspürt nach diesem Wochenende vor allem Betroffenheit. „Die Angst hält sich in Grenzen, aber meine Familie ist verunsichert“, sagt er. Am Montag wolle er sich mit seinen Mitarbeitern im Rathaus zusammensetzen, um Schritte zu planen, „damit die Lage nicht weiter eskaliert“.

Er habe sich, als er sich für das Amt des Oberbürgermeisters bewarb, nicht vorstellen können, dass dieses einmal so eine Bürde mit sich bringen würde. „Solche Aussagen in einer kleinen Stadt wie Freital – das ist ja nun die ganz große Politik“, sagt Rumberg. Mittlerweile müsse man in Freital davon ausgehen, dass alles möglich sei. „Vielleicht haben die Deutschen verlernt, was es heißt, den Frieden wertzuschätzen, den wir seit 70 Jahren in unserem Land haben“, so Rumberg. Man könne nur hoffen, dass diese schwierige Zeit schnell vorbeigehe.

Möglicherweise könnte ein in der Nacht zum Sonnabend auf Facebook gepostetes Foto der rechten Gruppierung Sachsen Antifa-Frei als Bekenntnis gewertet werden. Darauf sind acht schwarz vermummte Personen zu sehen. Sie stehen auf dem Windberg und zeigen ein Transparent mit der Aufschrift „Freiheit für FTL. Lasst euch nicht BRDigen!“ (mit SZ/wei)