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„Freital? Mache ich gerne wieder!“

Bestseller-Autorin Sabine Ebert liest nächste Woche aus ihrem neuen Roman in Freital. Die SZ sprach mit der Freibergerin.

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Frau Ebert, Sie schreiben historische Romane. Wie sind Sie zu diesem Genre gekommen?Als ich nach Freiberg kam, fand ich es faszinierend, wie sehr die Leute hier mit ihrer Geschichte verbunden sind. Das war sehr neu für mich, aber ich fand es auch ziemlich toll. Als Journalistin habe ich viel zur Geschichte der Stadt geschrieben, auch einige Sachbücher. Aber die Möglichkeit der Darstellung in einem Sachbuch ist ja begrenzt, also dachte ich, man müsste diesen packenden Stoff, wie zum Beispiel die Siedlerzüge und die erste Silberfunde im Erzgebirge, die den Stoff für mein erstes Buch lieferten, auch mal anders darstellen.

Das war es also auch, was sie an dieser Region fasziniert hat?Ja. Ich kannte so etwas aus Berlin einfach gar nicht und finde es nach wie vor toll, wie intensiv sich die Leute hier mit ihrer Geschichte befassen und wie gut alles erforscht ist. Praktisch jeder kennt sich hier damit aus. Wenn man nach Freiberg kommt und auf dem Obermarkt steht, bekommt man zuerst einmal erzählt, wie Otto der Reiche das freie Bergrecht verkündet hat.

Waren Sie schon mal in Freital zu Gast? Welchen Eindruck haben Sie vom Publikum?Ich habe letztes Jahr schon einmal in Freital gelesen und damals kam eine riesige Menschenmenge. Das Publikum war sehr interessiert und hat viele Fragen gestellt. Deshalb habe ich auch gleich gesagt: „Freital? Mache ich gerne wieder.“ Auch wenn mein Tourplan derzeit ziemlich voll ist.

Ist die Resonanz Ihrer Bücher hier anders als in anderen Regionen Deutschlands?Natürlich habe ich hier die größte Fangemeinde. Aber die Bücher verkaufen sich zu aller Überraschung in allen Teilen Deutschlands sehr gut. Selbst aus Österreich und der Schweiz oder von Deutschen, die in Ländern wie Neuseeland oder Kanada leben, bekomme ich Fanpost. Das ist schon ziemlich verrückt.

Ihr aktueller Roman heißt „Blut und Silber“. Sind Sie mit dessen Erfolg zufrieden?Ich bin aus dem Stand in die Top Ten der Bestsellerlisten eingestiegen und das bei den Knüllern, die derzeit auf dem Markt sind. Dan Brown und andere. Das übertrifft wirklich alle Erwartungen – selbst die vom Verlag.

Wie wichtig ist Ihnen die authentische Darstellung des Mittelalters in Ihren Büchern?Das ist das A und O. Anders hätte es gar keinen Wert für mich. Eine erfundene Geschichte vor ein bisschen Kulisse zu stellen würde mich überhaupt nicht reizen. Ich möchte ein Stück deutsche und sächsische Geschichte erzählen, so genau, wie wir sie rekonstruieren können. Natürlich weiß niemand genau, wie es wirklich war. Aber wenn sogar ein Historiker sagt, so hätte es sein können, dann bin ich zufrieden.

Bringen Sie sich selbst und Ihre Umgebung bei der Gestaltung Ihrer Figuren mit ein?Man kann sich als moderner Mensch nicht ins Mittelalter transportieren. Wir sind mit ganz anderen Anschauungen und Denkmodellen aufgewachsen. Aber natürlich beobachtet man trotzdem andere Menschen, man sieht, wie sie handeln. An der Natur des Menschen hat sich ja nicht so viel geändert. Das ist einfach Beobachtung und Einfühlungsvermögen.

Woran arbeiten Sie derzeit, und was ist für die Zukunft in Planung?Jetzt bin ich erst einmal vollauf beschäftigt mit meiner Lesetour. Ich reise sehr viel herum, das ist ziemlich anstrengend. Ansonsten wird mein nächstes Buch der vierte Band der Hebamme sein. Ich habe etwa 250 Seiten Rohfassung, damit wird es dann wohl weitergehen.

Können Sie sich vorstellen, auch einmal andere Genres zu schreiben?Warum nicht? Da bin ich gar nicht festgelegt und muss erst einmal schauen, was noch auf mich zukommt. Erst einmal habe ich ja jetzt noch Band vier und fünf der Hebamme vor mir und dann das Grundgerüst für ein nächstes Buch, für das ich schon unter Vertrag bin.

Das Gespräch führte Christina Kalka

Sabine Ebert liest am Donnerstag, 3. Dezember, 19 Uhr, aus ihrem neuen Roman „Blut und Silber“ im Stadtkulturhaus Freital.