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Freital will den Tag der Sachsen

Viele Gäste und ein Imagegewinn – die positiven Effekte könnten die Kosten überwiegen, meint der Stadtrat. Kann die Rechnung aufgehen?

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Annett Heyse

Freital. Es war das schönste Thema auf der Tagesordnung des Freitaler Stadtrates am Frauentag – eine Bewerbung für die Ausrichtung des Tags der Sachsen 2021. Und es war der am wenigsten umstrittene Punkt. Solch eine Großveranstaltung mal in Freital ausrichten, das wäre doch etwas, waren sich die Räte einig. Endlich mal wieder positive Nachrichten nach den hässlichen Schlagzeilen der jüngsten Vergangenheit – Freital will ein kunterbuntes Volks- und Heimatfest über drei Tage stemmen.

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„Wir werden jetzt an der Bewerbung arbeiten“, sagte Bürgermeister Peter Pfitzenreiter. Wir – das sind momentan vor allem einige Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung. Sie trafen sich bereits mit der Spitze des Kuratoriums, Träger und Veranstalter des Ereignisses. Zudem kamen die Freitaler mit den Oberbürgermeistern der ehemaligen Ausrichter-Städte Limbach-Oberfrohna und Schwarzenberg ins Gespräch. Das Fazit: Wir Freitaler schaffen das.

Das Jahr 2021 ist mit Absicht gewählt. In drei Jahren feiert Freital sein 100. Gründungsjubiläum. Den Tag der Sachsen stellt sich die Verwaltung dann als einen von mehreren Höhepunkten vor. Zudem rechnet man mit sogenannten Synergieeffekten. Denn für die Einhundertjahrfeier müsse man ohnehin ein paar Dinge anpacken, die man auch für den Tag der Sachsen nutzen könnte, sagt Bürgermeister Pfitzenreiter. Er denkt dabei beispielsweise an Investitionen in die Infrastruktur, das Marketing für die verschiedenen Veranstaltungen oder die mögliche Mehrfachnutzung von Bühnen, Technik, Festzelten auf dem Festgelände zwischen Schloss Burgk, Potschappel und Kreuzung Poisentalstraße. „Im Hinblick auf die intensive Nutzung der Veranstaltungsinfrastruktur ergeben sich günstigere Kosten-Nutzen-Relationen“, heißt es in einer Informationsvorlage an die Stadträte.

Die Kosten sind dennoch so ein Punkt, die manchen Stadtrat erst einmal Sorgenfalten ins Gesicht treiben. Von anderen Sachsentagen ist bekannt, dass sich die städtischen Zuschüsse im Schnitt auf 500 000 Euro summierten. „Wir sind fest entschlossen, weniger zu brauchen“, sagt Pfitzenreiter. Stadtrat Norbert Mayer (AfD) bat darum, bei weiteren ehemaligen Ausrichtern nachzufragen, wie hoch die Aufwendungen gewesen seien. Lothar Brandau (FDP) gab zu bedenken, dass die Kosten das eine seien, aber auch positive Effekte und ein Imagegewinn entständen, die man nicht so einfach mit Geld bewerten könnte. „Löbau war im vergangenen Jahr Ausrichter, eine Region, die wirtschaftlich schlechter dasteht als Freital“, sagte er. Und Torgau richte nach 1996 in diesem Jahr das Fest bereits ein zweites Mal aus. „Wenn die das schaffen, bekommen wir das auch hin.“

Die öffentliche Ausschreibung für den Tag der Sachsen 2021 kommt im November 2018 heraus. Ab dann ist ein halbes Jahr Zeit, ein Konzept zu entwerfen und die Unterlagen zusammenzustellen. Abgabetermin ist der 31. Mai 2019. Ob Freital Konkurrenten haben wird, ist aus heutiger Sicht noch nicht absehbar. Man setzt auf jeden Fall auch auf den 100-Jahre-Bonus, zumal der Tag der Sachsen 2021 ebenfalls auf eine runde Zahl fällt. Es wäre dann die 30. Veranstaltung dieser Art.

Bewirbt Freital sich, bringt es gute Voraussetzungen mit. Es liegt zentral und hat mit Dresden, Pirna, Radebeul und Meißen ein großes Einzugsgebiet. Pfitzenreiter spricht von mindestens 500 000 potenziellen Gästen. Zudem verfügt Freital über eine gute Verkehrsanbindung. Gäste könnten auch mit der S-Bahn anreisen und hätten mit Deuben und Potschappel zwei Ausstiegsmöglichkeiten. Übrigens: Das Volks- und Heimatfest fand noch nie im Großraum Dresden statt. Am nächsten dran waren Sebnitz 2003 und Freiberg 2012. Das Volksfest fand bereits 26-mal statt – es gibt also einen enormen Erfahrungsschatz. Freital kann davon profitieren. Zudem muss man das Programm nicht komplett neu erfinden. Denn es gibt feste Höhepunkte, die sich etabliert haben, etwa die Auftaktveranstaltung, der Gottesdienst oder der Festumzug. Zudem unterstützt ein Kuratorium die Ausrichterkommunen. Agenturen können ebenfalls ihr Know-how einbringen.

Allein wird es die Verwaltung jedoch nicht schaffen, die Großveranstaltung auf die Beine zu stellen. Pfitzenreiter: „Wir rechnen mit ganz viel Unterstützung aus der Bevölkerung – sei es bei der Ideensuche, bei der Vorbereitung oder auch bei der Durchführung.“ Das soll ein Fest der Freitaler für Sachsen werden. Zuletzt hatten sich die Besucherzahlen auf 300 000 bis 400 000 Gäste eingependelt. Gebraucht wurden dafür um die 1 300 Helfer. Erfahrungsgemäß beteiligen sich 400 bis 450 Vereine.