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„Freital wird schuldenfrei“

Freitals neuer Bürgermeister Peter Pfitzenreiter spricht mit der SZ über politische Ziele und eine Leidenschaft.

© Andreas Weihs

Herr Pfitzenreiter, seit ein paar Tagen steht fest, dass Sie Freitals neuer Erster Bürgermeister werden. Zurzeit sind Sie aber noch als Lehrer für Mathematik und Physik am Gymnasium in Tharandt tätig. Welche Sprüche kommen da von Kollegen und Schülern?

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Sprüche eher weniger. Am Tag nach der Wahl – da musste ich mich ja selbst noch kneifen – bin ich in die Schule gekommen und es gab schon ein paar enttäuschte Gesichter. Es gab aber auch Schüler, die haben das sehr positiv aufgefasst und sich für mich gefreut. Ähnliche Reaktionen gab es bei den Eltern und den Kollegen. Das ist aber auch ein gutes Zeichen, dass einige traurig sind. Das zeigt doch, dass man manches richtig gemacht hat.

Wann ist ihr letzter Schultag?

Am 30. September. Es ist schön, dass ich jetzt noch diese Zeit habe, in denen ich das Lehrersein richtig genießen kann.

Warum haben Sie sich für das Amt des Bürgermeisters beworben?

Es war eine klare Entscheidung für etwas anderes, aber nicht gegen das, was bis jetzt war. Ich bin gern Lehrer und das hat die Entscheidung für mich auch nicht einfach gemacht. In den zwei Jahren, seit denen ich im Stadtrat sitze, hat es mir sehr viel Spaß gemacht, für Freital Entscheidungen zu treffen, mich für Freital einzusetzen und Dinge zu bewegen. Da ich nun schon 29 Jahre lang in Freital lebe, meine Familie hier wohnt, ich die Stadt kenne, habe ich mir gedacht, das Amt wäre eine gute Herausforderung, der ich mich stellen möchte. Es ist eine spannende Aufgabe, seine Ideen als junger Mensch umzusetzen.

Mit 29 Jahren sind Sie für das Amt des Ersten Bürgermeisters sehr jung. Warum sind Sie trotzdem der Richtige?

Ich denke, dass ich als Naturwissenschaftler Sachlichkeit, Problemlösekompetenz und eine schnelle Auffassungsgabe mitbringe. Man unterstellt ja auch Mathematikern, dass sie gut rechnen können und das ist in Sachen Finanzen wichtig. Ich glaube, auch die Eigenschaften des Pädagogen sind nicht schlecht – Sozialkompetenz, respektvoller Umgang miteinander und Einfühlungsvermögen. Als Unternehmer kenne ich betriebswirtschaftliche Zusammenhänge und habe Führungskompetenz. Als Fraktionsvorsitzender kenne ich die Arbeit in den Gremien gut. Ich kenne die Verwaltung und die Rathausspitze. Und als Freitaler kennt man natürlich auch Freital und viele Orte, Personen, Vereine und Unternehmen.

Wie wollen Sie die fehlende Lebenserfahrung wettmachen?

Ich denke, wir haben eine gute Mixtur aus Jung und Alt in der Rathausspitze. Wenn man den Älteren mehr Erfahrungen unterstellt, dann den Jüngeren mehr Tatendrang und Kreativität. Das sind am Ende Klischees, die vielleicht zutreffen. Jüngere haben durchaus Erfahrungen, aber eben andere und das macht es spannend.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Kurzfristige Ziele sind die Arbeit am Haushalt für 2017. Der Prozess ist schon im Gange. Das wird die erste Herausforderung. Die Stadtbibliothek wird eröffnen. Wir werden die Software zur Kita-Platzvergabe einführen. Mir wird es wichtig sein, erst einmal Abläufe im Rathaus zu beobachten. Es ist nicht mein Ziel, in den ersten Wochen alles umzukrempeln. Ich werde sicher viele Gespräche führen. Ich denke, was vom ersten Tag an wichtig sein wird, ist, zu motivieren und eine gute und sachliche Kommunikation im Team zu fördern.

Als Stadtrat haben Sie immer darauf gedrängt, dass das derzeitige Loch im Haushalt von rund zwei Millionen Euro in den kommenden Jahren geschlossen wird. Wie wollen Sie das schaffen?

Das Defizit ergibt sich ausschließlich aus den Abschreibungen. Um die Liquidität der Stadt ist es aber gut bestellt. Wir hatten jetzt zu Jahresanfang noch fünf Millionen Euro Schulden. Im Jahr 2019 werden wir eine Million Euro Schulden haben. Da ist es nicht so abwegig davon zu sprechen, dass die Stadt Freital zum Ende meiner Amtszeit schuldenfrei sein wird.

Wo wollen Sie sparen, um auch das Loch, das sich aus den Abschreibungen ergibt, zu schließen?

Als ich gewählt wurde, habe ich viele spitze Bleistifte und Rotstifte bekommen als Symbole der Sparsamkeit (lacht). Es wird wichtig sein, einige Dinge infrage zu stellen. Zum Beispiel verursachen manche städtischen Gebäude hohe Kosten. Was kann man also tun, um diese zu senken – vielleicht auch mit Investitionen? Wir haben in Freital viele tolle Angebote – Kulturhaus, Musikschule, Schloss Burgk, Bibliothek, Freibäder et cetera – und die wollen wir erhalten, so gut das geht. Um das zu erreichen, brauchen wir aber die Hilfe der Institutionen. Es geht zum Beispiel darum, die Eigenverantwortung zu stärken. Sportvereine oder Schulen könnten ein eigenes Budget bekommen, wenn sie dafür Leistungen der Stadt und der städtischen Gesellschaften übernehmen.

Was wollen Sie auf der Einnahmeseite tun?

Wir müssen weiter die Gebühren und Entgelte anpassen. Bei vielen Einrichtungen, wo wir schon tätig geworden sind, zum Beispiel bei der Musikschule oder den Freibädern, ist gut zehn Jahre lang nichts passiert. Ich spreche deshalb bewusst von Anpassungen und nicht Erhöhungen, weil wir den Kostendeckungsgrad angemessen halten wollen. Die Angebote können nun einmal nicht nur steuerfinanziert werden, sondern de Nutzer müssen sich in einem angemessenen Verhältnis mit beteiligen. Und dann müssen wir die Wirtschaftsförderung stärken, um noch mehr Firmen in Freital anzusiedeln und mehr Steuereinnahmen durch Unternehmen zu generieren.

Wer wird der neue Fraktionsvorsitzende der CDU? Als Bürgermeister müssen Sie das Amt abgeben.

Mit meinem Ausscheiden aus dem Stadtrat wird es einen Nachrücker in der Fraktion geben. Das wird Klaus Dimter sein – ein erfahrener Kollege, der auch schon mehrere Jahre im Stadtrat saß. Wer neuer Fraktionsvorsitzender wird, damit wird sich die neu formierte Fraktion dann beschäftigen. Dem kann ich nicht vorgreifen.

Im Vorfeld der Wahl wurden Stimmen laut, die Sie sogar als künftigen Oberbürgermeister Freitals sehen. Ist das ein Ziel für Sie?

Uwe Rumberg ist der beste Oberbürgermeister für unsere Stadt und ich bin mir sicher, dass er das auch bei der nächsten Wahl 2022 sein wird. Ich konzentriere mich voll auf mein neues Amt und will die anstehenden sieben Jahre gut beginnen. Was später kommt, darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken.

Eine große Leidenschaft von Ihnen ist das Tanzen. Sie sind gerade im Team der Tanzschule Richter erneut Deutscher Meister geworden. Werden Sie das als Bürgermeister auch weiterführen?

Das ist seit mittlerweile 18 Jahren ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Dort kann ich den Kopf ausschalten, die Dinge laufen lassen, improvisieren. Das ist ein Gefühl von Freiheit. Dort bin ich nicht der Bürgermeister, sondern ein Tänzer unter vielen. Und das möchte ich mir gern erhalten.

Das Interview führte Tobias Winzer.