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Glanz und Ruß im Weißeritztal

Eine neue Sonderschau auf Schloss Burgk widmet sich Freitals 100-jähriger Stadtgeschichte und geht dabei noch viel weiter zurück.

Kuratorin Juliane Puls entwarf die Sonderschau und holte Freitals Goldenen Mann als Leihgabe ins Museum.
Kuratorin Juliane Puls entwarf die Sonderschau und holte Freitals Goldenen Mann als Leihgabe ins Museum. © Egbert Kamprath

Wer weiß schon, dass auch Freital einen Goldenen Mann hat? Jahrzehntelang bewohnte er das Döhlener Rathaus, war Teil eines gigantischen Kronleuchters im Ratssaal. Der Leuchter ist verschwunden, doch der Goldene Mann blieb als Schutzfigur erhalten. Nun ist er Teil einer neuen Sonderschau, die derzeit in den Städtischen Sammlungen auf Schloss Burgk zu sehen ist.

Unter der Überschrift "Älter als gedacht" werden darin 100 Jahre Freital beleuchtet. Schließlich feiert die Stadt in Kürze ihr Gründungsjubiläum von 1921. Damals, genau am 1. Oktober, kamen die Gemeindevertreter aus Potschappel, Döhlen und Deuben, zu dem auch der Ortsteil Niederhäslich gehörte, zusammen.

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Ob dabei lediglich die Sektkorken knallten oder auch eine Gründungsurkunde oder etwas ähnliches unterzeichnet wurde, ist unklar. "Unsere Vorgänger haben nach einem Schriftstück gesucht, wir haben danach gesucht, das Staatsarchiv hat gesucht. Es wurde nichts gefunden. Man muss das wohl als Kriegsverlust werten", berichtet Museumsmitarbeiterin Juliane Puls. Sie hat die Sonderschau maßgeblich gestaltet und kuratiert.

Gemeinden verfolgten gemeinsame Interessen

Fakt ist, dass bis zum Zusammenschluss der Gemeinden schon mehr als 20 Jahre mit Diskussionen um eine Stadtgründung vergangen waren. Bereits vor der Jahrhundertwende gab es erste Vorstöße. Deuben als bevölkerungsreichste Gemeinde im Weißeritztal machte den Anfang. Döhlen war mit dem Stahlwerk und dem Glaswerk auf seinen Fluren der wirtschaftlich mächtigste Ort, Potschappel hatte sich das größte Rathaus gegönnt.

Alle drei verfolgten gemeinsame Interessen bei der Stadtentwicklung, Wasser- und Energieversorgung, Krankenversorgung und Schulneubauten. Zudem lief die Industrialisierung im Weißeritztal gerade auf Hochtouren: Fabriken wurden gebaut oder erweitert, Steinkohle gefördert, Straßen und Schienentrassen ausgebaut. Es gab aber auch Umweltprobleme und eine schnell wachsende Bevölkerung, die größtenteils aus Arbeitern bestand. Davon berichtet ein Teil der Sonderausstellung.

Zeugen aus dem Mittelalter

Doch die Historie reicht viel weiter zurück und beginnt bereits vor mindestens 2.000 Jahren. Darauf deuten alte Gräberstätten hin, die in den 1930er-Jahren bei der Bebauung der Burgwartstraße entdeckt wurden. Etwas greifbarer wird die Geschichte jedoch erst mit dem Mittelalter. "Etwa 700 bis 800 Jahre alt sind die Freitaler Ursprungsgemeinden", sagt Juliane Puls.

Davon zeugen beispielsweise Grabplatten aus der Döhlener Kirche. Die älteste könnte von 1356 oder 1365 stammen - die Experten sind dahingehend unterschiedlicher Meinung, weil die Schriftzeichen nur noch schwer leserlich sind.

Auf diese Grabplatten folgten weitere - größer, detailreicher und aufwendiger gestaltet. Sie zeigen Ritter, Beamte, Würdenträger, Witwen. "Das sind Freitals älteste Denkmäler", sagt Juliane Puls. Sie zeugen auch davon, dass die Dörfer an der Weißeritz nicht nur kleine, unbedeutende Flecken waren. Schon im Mittelalter hatte sich hier ein Macht- und Wirtschaftszentrum gebildet, der Landadel war durchaus gut betucht und einflussreich.

Viel ist nicht übrig geblieben von Freitals Mittelalter, aber immerhin historische Grabplatten, die auf einflussreiche Rittergutsbesitzer schließen lassen.
Viel ist nicht übrig geblieben von Freitals Mittelalter, aber immerhin historische Grabplatten, die auf einflussreiche Rittergutsbesitzer schließen lassen. © Egbert Kamprath

Ringen um ein Freitaler Stadtzentrum

Den größten Wandel erlebt das Weißeritztal mit der Industrialisierung. Die Wiesen weichen Fabriken, Schornsteine beherrschen bald das Bild, die Bevölkerung wächst rasant.

Schon damals überlegten die Stadtväter, wie sich das junge Freital weiterentwickeln lässt. Wo sollen Wohnquartiere, Parkanlagen und Sportplätze entstehen? Und vor allem: Was ist mit einem richtigen Stadtzentrum? Es werden Pläne gemacht, Entwürfe diskutiert, am Neumarkt entstehen erste neue Gebäude. Dann verschwindet das Projekt in der Schublade.

Vom Ringen um ein Stadtzentrum mit Friedhof und Krematorium - damals der letzte Schrei - erfährt der Besucher im dritten Teil der Sonderschau.

Porzellanherstellung, Bergbau, Kameraproduktion - im Weißeritztal hielt ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung Einzug.
Porzellanherstellung, Bergbau, Kameraproduktion - im Weißeritztal hielt ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung Einzug. © Egbert Kamprath

Schlote und Industrieanlagen verschwinden

Ins ausgehende 20. Jahrhundert fällt dann die nächste Zeitenwende. Mit dem Ende der DDR kommt es in Freital abermals zu einem Umbruch. Die Schlote und Industrieanlagen verschwinden, zahlreiche marode Häuser und ganze Straßenzüge werden abgerissen. Das Hochwasser 2002 nimmt dann mit, was die Abrisswelle gerade noch überstanden hatte.

Auch am Goldenen Mann im Gründungsrathaus ist die Zeit nicht spurlos vorüber gegangen. Er hat ein paar Kratzer abbekommen, ist aber vorzeigbar. Genau wie Freital.

Die Sonderschau "Älter als gedacht" läuft bis zum 17. Oktober. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 12 bis 16 Uhr, Sonnabend, Sonntag und Feiertag von 10 bis 17 Uhr.

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