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25. Februar 1808: Deubens unheilvoller Tag

Eine Feuersbrunst vernichtet in zwei Stunden über die Hälfte des Ortes, 35 Wehren sind im Einsatz. Doch es brennt auch anderswo.

Durch eine umgefallene brennende Kerze ausgelöst, fielen in Deuben dem Brand sieben Bauerngehöfte zum Opfer.
Durch eine umgefallene brennende Kerze ausgelöst, fielen in Deuben dem Brand sieben Bauerngehöfte zum Opfer. © Zeichnung: Siegfried Huth

Es ist nicht von der Hand zu weisen, das Weißeritztal ist vornehmlich im 19. Jahrhundert auch eine Gegend der Katastrophen. 1808 geht das Bauerndorf Deuben in Flammen auf. Nichts erinnert heute mehr an jenen unglückseligen 25. Februar, als der von der Industrie noch nicht entdeckte Ort zu großen Teilen eingeäschert wird.

Zu dieser Zeit ist Deuben ein unbedeutender Flecken mit gerade mal 115 Einwohnern, zu deren Besitz 16 Pferde, vier Ochsen und 58 Kühe gehören. Das Leben spielt sich ausschließlich am linken Weißeritzufer ab, wo 19 Häuser mit zum Teil bäuerlichem Charakter stehen, konzentriert auf die spätere Krönertstraße. Bauernhöfe dicht an dicht mit spärlichem Fachwerk und Strohdächern. Auf der anderen Seite des Flusses hat die Deubener Mahl- und Schneidemühle inmitten von Öde und Einsamkeit ihren Sitz. Ein einziges Haus an der Brückenstraße, die nicht mehr als ein morastiger Pfad ist, nimmt sich verloren aus. Um 1830 dann die ersten zaghaften Versuche, die Ansiedlung zu erweitern.

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Kleine Unachtsamkeit wird zur Katastrophe

Das Unheil beginnt mit einer kleinen Unachtsamkeit. Im Bauernhof des Christoph Nacke (heute Dresdner/Ecke Krönertstraße) löst sich, von keinem bemerkt, eine brennende Kerze aus der Halterung. Wenige Augenblicke später lodert das gesamte Anwesen. Das Wetter ist denkbar ungünstig. Heftiger Wind entfacht die Funken, treibt sie auf benachbarte Güter, die im Nu Feuer fangen.

Das erst kürzlich neu erbaute Wohngebäude des Ortsrichters und angrenzende Wirtschaftseinrichtungen brennen bis auf die Grundmauern ab. Als der Wind noch zunimmt, fegt der Funkenflug bis hinüber nach Niederhäslich und Schweinsdorf, wo zwei Häuser dem um sich greifenden Brand zum Opfer fallen. 35 Feuerwehren rücken nach und nach an. Sogar aus der weiteren Umgebung wie Höckendorf, Ruppendorf, Pretzschendorf. Die Dresdner Gegend ist stark vertreten. Viel guter Wille und ein großes Maß an Hilfsbereitschaft, doch die Ergebnisse sind bescheiden. Nicht nur wegen der unzureichenden Technik. Starker Frost hat die Weißeritz mit einer dicken Eisschicht überzogen, Wasser ist knapp.

Sieben Anwesen vernichtet

Die Bilanz des Schreckens: Sieben Bauernwirtschaften versinken innerhalb von zwei Stunden in Schutt und Asche. Als das Feuer verglüht, tritt Diebesgesindel auf den Plan, um sich unter dem Deckmantel, hartbetroffenen Bürgern beim Bergen verschont gebliebener Habseligkeiten zu helfen, schamlos zu bereichern. Doch bald setzt eine Welle wirklicher Solidarität ein. Umliegende Gemeinden liefern Stroh, Heu und diverse Futtermittel als Spenden an. Geschirre zum Transport von Holz und Baumaterialien werden kostenlos zur Verfügung gestellt.

Die Brandkatastrophe ist den Deubener Gemeindevätern eine heilsame Lehre. Endlich rückt man von der bis dato üblichen engen Bebauung ab. Um der örtlichen Feuerwehr eine größere Wirksamkeit zu verschaffen, macht man 240 Taler zum Kauf einer leistungsfähigen Feuerspritze locker. Dem Inventar ist zu entnehmen, dass die Wehr nunmehr über einen 25 Ellen langen Schlauch, sechs Eimer, drei große Leitern, zwei Harken und zwei Sturmfässer verfügt.

Es brennt auch in anderen Orten im Weißeritztal

Wie schon eingangs angedeutet: Es brennt oft im Weißeritztal. Am Abend des 10. Januar 1760 breitet sich in Coschütz eine Feuersbrunst aus, die fünf Bauernhöfe und dazugehörige Scheunen verschlingt.

Noch früher, am 13. April 1746, entsteht zur Nachtzeit in Rabenau im Hause des Richters Grahl am Markt ein Brand, der acht Häuser und neun Scheunen einäschert. Pfarrer Hammer berichtet darüber an die Dresdner Behörde: „Viele sind, weil sie im ersten Schlafe gewesen, nackig aus dem Bett gestiegen und haben nur ihr Leben davon getragen. Die übrige Habe mussten die Ärmsten den wütenden Flammen überlassen ...“ Schon anno 1509 brannte Rabenau durch Blitzschlag völlig nieder.

Am 6. März 1834 bricht über Kleinnaundorf Unglück herein. Ein auf einem Bauerngut ausgebrochenes Feuer greift auf 14 Grundstücke über – die reichliche Hälfte des Dorfes wird in Mitleidenschaft gezogen.

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