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Neue Schule am Freitaler Stadtrand

Das letzte Haus in Dresden wird zum alternativen Lernort. Interessant ist das Projekt auch für Kinder aus der näheren Umgebung.

Die Aktive Schule Dresden ist an den Ortseingang von Freital gezogen.
Die Aktive Schule Dresden ist an den Ortseingang von Freital gezogen. © Egbert Kamprath

Was ist die Aktive Schule?

Die Aktive Schule Dresden ist eine Schule in freier Trägerschaft. Sie wurde 2016 in Dresden-Pieschen eröffnet und bietet eine alternative Form des Lernens. "Damit möchten wir die Bildungslandschaft der Region Dresden vervielfältigen", erklärt Kathrin Zerbian, die betriebswirtschaftliche Leiterin der Schule. Zwar orientieren sich die Lerninhalte am sächsischen Lehrplan, doch die Schulform unterschiedet sich grundlegend hinsichtlich dreier Punkte.

So baut die Schule zum einen auf den pädagogischen Konzepten von Maria Montessori, Rebecca Wild, Gerhald Hüther und Jesper Juul auf. "Aktiv bedeutet bei uns, dass die Kinder den Lernprozess selbstbestimmt steuern", sagt Kathrin Zerbian. Ziel sei es, dass sich die Schüler aus ihrem inneren Antrieb heraus bilden. Sie werden dazu animiert, sich nicht nur Wissen anzueignen, sondern das lebenslange Lernen zu lernen.  Kompetenzen und Handlungsfähigkeit anzueignen

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Zweitens ist die Schule hierarchiearm organisiert, Schüler nehmen in einem festgesteckten Rahmen an demokratischen Entscheidung teil.  Diese betreffen nicht die geschäftliche Leitung sondern den allgemeinem Schulalltag.

Und drittens werden die Klassen eins bis vier sowie fünf bis zehn durchmischt unterrichtet. Die normale Klasseneinteilung von eins bis zehn gibt es nicht. Genauso wenig werden Zensuren erteilt.

Warum ist die Schule an den Stadtrand von Freital gezogen?

"Wir haben uns direkt in das Gebäude verliebt", schwärmt Kathrin Zerbian. Zwei Jahre hat der Verein nach einem neuen Ort Ausschau gehalten, denn das vorherige Bürogebäude auf der Leipziger Straße in Pieschen wurde zu klein. Im Frühjahr dieses Jahres hat sich die Schule für das Haus am Stadtrand entschieden. Nun möchte sie dort bleiben - am liebsten für immer. Der Mietvertrag ist zumindest für die nächsten 15 Jahre geregelt.

Wie ist das Gebäude saniert worden?

Zuletzt war das Haus an der Coschützer Straße eine Geflüchtetenunterkunft. Innerhalb von sechs Monaten wurde die alte Industrievilla gemäß sächsischer Schulbaurichtlinie ausgebaut. Ein Antrag für die Umnutzung musste genehmigt werden. Dafür sollte ein zweiter Rettungsweg her. Auch die Elektrik, der Fußboden, die Sanitäranlagen wurden erneuert. Die Barrierefreiheit wird im Herbst hergestellt. Sieben Parkplätze sind angelegt worden. Der 1.200 Quadratmeter große Schulhof wurde mit allerlei Hochbeeten verschönert. Eine Turnhalle gibt es jedoch nicht, dafür hat sich die Aktive Schule woanders eingemietet. 

Über welche Mittel finanziert sich die Schule?

Insgesamt hat der Umbau 500.000 Euro gekostet. Der Betrag wurde durch einen Kredit bei der Deutschen Kreditbank finanziert. Außerdem wurden die finanziellen Mittel aus dem Digitalpakt des Bundes schon teilweise zur Herstellung der IT-Infrastruktur verbaut.

Die Aktive Schule Dresden ist staatlich anerkannt und bekommt Zuschüsse vom Land Sachsen. Das reiche aber nicht aus. Deshalb belaufen sich die Schulkosten für ein Kind auf durchschnittlich 120 Euro pro Monat, die die Eltern zahlen müssen. Der genaue Wert hängt vom Einkommen der Eltern ab. "Wir möchten auch einkommensschwachen Familien die Möglichkeit geben, ihr Kind bei uns unterzubringen", sagt Kathrin Zerbian. Der Kredit zum Umbau wird nun durch das Schulgeld, durch staatliche Zuschüsse und durch das Eigenkapital des Trägervereins abbezahlt. 

Wie nutzt die Schule das Gebäude?

Die Schule gliedert sich in drei Einrichtungen. Das Erdgeschoss und die erste Etage sind für Hort und Grundschule bestimmt. Im zweiten Geschoss werden die Oberschüler unterrichtet. Alle Etagen sind in Themenräume aufgegliedert. So gibt es Werkstätten für Holz und Textilien, eine Technikabteilung mit 3D-Drucker, Musikräume, ein Computerkabinett sowie ein naturwissenschaftliches Labor. 

Große Klassenzimmer für 30 Personen finden sich kaum in dem Gebäude. Der klassische Frontalunterricht wird an der Aktiven Schule nicht bevorzugt. So stehen in den meisten Räumen mehrere Tischgruppen für zehn Personen, oftmals mit einer Couch an der Ecke. Denn Pausen und Lernphasen sind an keine bestimmten Zeitpläne geknüpft. Auch eine Küche gibt es, wo die Kinder kochen können. Für das Mittagessen lässt sich die Aktive Schule aber trotzdem von einem Essensanbieter beliefern. 

So sieht ein Lernraum in der Aktiven Schule aus. Das zeigt, der Frontalunterricht wird nicht bevorzugt.
So sieht ein Lernraum in der Aktiven Schule aus. Das zeigt, der Frontalunterricht wird nicht bevorzugt. © Aktive Schule Dresden

Welche Kinder können die Schule besuchen?

"Prinzipiell kann jedes Kind kommen", erklärt Kathrin Zerbian. Ob aus Freital, Dippoldiswalde oder Dresden - die Schule unterliegt keiner Bezirkszuordnung. Auch Kinder mit einer Behinderung werden dort unterrichtet. Einziger limitierender Faktor ist, dass die Schule nur 20 Kinder pro Jahr aufnimmt. "Wir möchten langsam und gesund wachsen", sagt Kathrin Zerbian und verweist auf das junge Schulkonzept. Momentan besuchen 70 Schüler und Schülerinnen der Klassenstufe eins bis zehn die Einrichtung. Die Nachfrage sei höher als das Angebot.

Wer arbeitet für die Aktive Schule?

Insgesamt unterrichten momentan zwölf staatlich geprüfte Lehrer die Schüler. Doch auch an der Aktiven Schule gehe der Lehrermangel nicht spurlos vorbei, sagt Kathrin Zerbian. Es sind nun aber alle Fächer besetzt. Neben drei Sozialpädagogen liegt viel Hintergrundarbeit auch an den Eltern. Die Schule wird über den Trägerverein "Epharisto" organisiert. Darin bringen sich Eltern und Vereinsmitglieder in verschiedenen Arbeitsgruppen ein, um beispielsweise den Umbau der Schule zu organisieren.

Wie funktioniert das in der Praxis?

Dass das Konzept funktioniert, habe nicht zuletzt die Corona-Schließzeit bewiesen, meint Kathrin Zerbian. Demzufolge hätten die Schüler keine Probleme gehabt, sich selbst Lernziele zu stecken. Einen Beweis dafür sieht sie vor allem in der ersten Abschlussklasse. Diese habe im letzten Schuljahr die Prüfungen an einer staatlichen Realschule im überwiegend guten und sehr guten Bereich absolviert. Kathrin Zerbian verweist aber ebenfalls darauf, dass das Konzept nicht für jedes Kind geeignet sei. "Wir wachsen ständig weiter", sagt sie, denn auch die eigene Vision habe sich seit der Gründung gewandelt. So ist die Aktive Schule selbst ein Ort, der nicht aufhört, das Lehren neu zu lernen. 

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