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Fünf Sagen aus SOE, die bis heute nachdenklich machen

Der Mädchenspung, der Kopf unterm Arm, das rollende Häuschen: SZ-Autor Heinz Fiedler greift die Legenden von einst auf.

Von Freunden unterstützt, rollte ein armer Bergmann sein bescheidenes Häuschen über die Grenze nach Sächsisch-Zinnwald.
Von Freunden unterstützt, rollte ein armer Bergmann sein bescheidenes Häuschen über die Grenze nach Sächsisch-Zinnwald. © Zeichnung: Siegfried Huth

Jede Landschaft hat ihre Sagen. Nur seltsam – ob man die Legendenschätze aus Nord- oder Süddeutschland durchforscht oder ob man wieder einmal die ehrwürdigen Geschichten aus grauer Vergangenheit des grünen Plauenschen Grundes hervorkramt, die beschriebenen Hauptfiguren sind sich oft genau in einer geradezu verblüffenden Art ähnlich. Reiter ohne Köpfe, böse und gute Rittersleut’, kluge Alte, holdselige Maiden sind in jeder Himmelsrichtung anzutreffen. So fantasiebegabt scheinen die Erfinder der meist schlichten Geschichten gar nicht gewesen zu sein. Auch die Sage des Mädchensprungs von einem Felsen im Plauenschen Grund in die Weißeritz hat gleich einige Variationen. Da sprang zum Beispiel ein von wilder Jagdleidenschaft gepackter Edelmann mit Ross vom Hainsberger Backofenfelsen in die Tiefe, da gibt es Sprünge von hoch oben auch im Tharandter Wald und der Sächsischen Schweiz.

Die Legende vom Mädchensprung im Plauenschen Grund ist fast vergessen, obwohl sie 1817 von einem gewissen Wilhelm L. in Reime gefasst wurde, selbst eine Bühnenfassung existiert. Wo sich das alles vor Jahr und Tag zutrug, ist nicht übermittelt. Es soll unmittelbar vor den Toren Potschappels gewesen sein.

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Und zögerte keinen Augenblick

In der Einsamkeit des Grundes bewohnte einst ein Mütterchen mit ihrer tugendsamen Tochter eine bescheidene Hütte. An einem rauen Herbstmorgen zog das Mädchen aus, um auf der gegenüberliegenden Höhe Holz zu sammeln. Mutter begab sich indessen zu einer nahen Felsschlucht, holte Kohl für die Mahlzeit und Königskerzen für den Trunk. Doch die wackere Alte, schon über 70, glitt am Ufer der Weißeritz aus und taumelte in den Hochwasser führenden Fluss.

Ihre Lage schien ausweglos. Die Tochter hörte das ängstliche Schreien der geliebten Mutter und zögerte keinen Augenblick, mit kühnem Schwung sprang sie vom Fels, rettete Mutter im letzten Moment und kam dabei selbst zu Schaden. Eine rührende Story, die dem Felsvorsprung den Namen Mädchensprung einbrachte.

Weesensteiner Mitternacht

Das Müglitztal, ein Stück nahe Heimat, kannte, wie der Rabenauer Grund, einen Nixentump. Einziger Unterschied: Die Schönen der Müglitz setzten sich zum nächtlichen Schwof nach Dohna ab, während ihre Kolleginnen von der Roten Weißeritz das Vergnügen auf dem Lübauer Tanzboden genossen. Schloss Weesenstein, ein unverändert beliebtes Ausflugsziel, kann sich natürlich auf Spuktraditionen berufen. Zu Mitternacht wandelt ein Mönch in schwarzer Kutte, den Kopf unter den Arm geklemmt, durch die Gänge.

Mit Hexerei hat das alles nichts zu tun und doch lebte im 16. Jahrhundert in der Ansiedlung eine Hexe namens Helene Wiedemann. Von ihr wird berichtet, dass sie eine Sebnitzer Frau derart behext habe, dass diese nacheinander vier stumme Knaben gebar. Inhaftiert und gefoltert gestand die arme Frau ihre angeblichen dunklen, unheilvollen Kräfte, weshalb sie am 20. Juli 1585 vor dem Wilsdruffer Tor zu Dresden verbrannt wurde.

Das rollende Häuschen

Der Katharinenstein bei Lauenstein verdankt seinen Namen der wundersamen Errettung des Sohnes der Gräfin Agnes Katharina von Bünau. Das zweijährige Knäblein wurde von einem mächtigen Raubvogel gepackt und in die Lüfte entführt. Doch der glückliche Zufall ließ nicht lange auf sich warten. Ein in der Nähe befindlicher Jäger schoss das Untier ab, der Knabe landete sanft und wohlbehalten. Wenig später ließ die Gräfin an dieser Stelle aus Dankbarkeit einen Turm erbauen.

Die deutsche Grenze auf dem Erzgebirgskamm galt im 18. Jahrhundert zugleich als Religionsgrenze. Als zwischen 1716 und 1728 Protestanten den Anfeindungen von Katholiken aus Böhmen ausgesetzt waren, wanderten viele nach Sachsen aus. Die Sage berichtet, dass ein Bergmann, der nahe der Grenze wohnte, sogar sein Zuhause mitnahm. Freunde halfen ihm, setzen das Häuschen des Kumpels auf Rollen und schoben es in der Nacht glücklich und unversehrt nach sächsisch Zinnwald.

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