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Freital: Ballsäle-Sanierung mit Hindernissen

Von außen ist in Coßmannsdorf nicht viel zu sehen, aber im Gebäude laufen die Arbeiten mit Hochdruck. Doch eines bereitet Sorgen.

Oberbürgermeister Uwe Rumberg (li.), Projektleiter Jens Römisch und Bauamtsleiter Silvio Messerschmidt (re.) auf Stippvisite in den Ballsälen.
Oberbürgermeister Uwe Rumberg (li.), Projektleiter Jens Römisch und Bauamtsleiter Silvio Messerschmidt (re.) auf Stippvisite in den Ballsälen. © Egbert Kamprath

Es riecht nach Zement, altem Mauerwerk und frischem Holz. Irgendwo im Haus läuft eine Kreissäge. "Aufpassen und immer mal wieder nach unten schauen", ruft Jens Römisch gegen den Lärm an. Der Mitarbeiter des Stadtbauamtes führt durch die Ballsäle Coßmannsdorf, Freitals Herzensprojekt.

Von außen wirkt das Haus zwar wie eine Baustelle, aber für Passanten ist wenig Bewegung auszumachen. Denn die Arbeiten spielen sich überwiegend im Gebäudeinneren ab - und dort ist seit dem Baustart Ende 2019 viel passiert.

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Mittlerweile ist der Abbruch von Wänden, Fußböden und Einbauten vom Kellerbereich bis zum Dachaufbau beendet. "Alles, was nicht mehr standsicher war oder nicht mehr gebraucht wird, ist verschwunden", erläutert Jens Römisch und steigt die Treppe zur ersten Etage hinauf.

Ballsäle Coßmannsdorf total verwinkelt

Hier befand sich einst das Epizentrum von Hainsbergs Karnevalisten. Im großen Saal fanden zudem Discos, Tanzbälle, Konzerte statt. Zuletzt diente er Tharandter Studenten als Hörsaal. Nun ist von dem Raum kaum noch etwas zu erkennen.

Stattdessen steht ein riesiges Gerüst im Saal, die Deckenverkleidung fehlt, man blickt direkt auf die Dachkonstruktion mit ihren rohen Balken. Auch vom kleinen Saal gleich nebenan ist allenfalls noch etwas zu erahnen. Ganz verschwunden ist die Kegelbahn im Keller, sie wird auch nicht mehr ersetzt.

Die Ballsäle Coßmannsdorf werden sozusagen einmal von rechts auf links gedreht. 1911 eröffnet, wurden sie schrittweise erweitert und umgebaut. Es gab einen Gaststättenbereich mit Biergarten, die beiden Säle, im Keller die Kegelbahn und unter dem Dach die Wohnungen der Eigentümer.

Geht man nun über die Baustelle, findet man Räume mit verschieden hohen Decken. Alles wirkt ineinander geschachtelt, ein Fußboden kann im Nachbarraum schon mal einen halben Meter höher oder auch tiefer liegen. Es fanden sich zahlreiche Hohlräume im Mauerwerk.

Die Wände wurden teils mit Natursteinen, teils mit Ziegeln gemauert, jetzt kommen noch moderne Kalksandsteine hinzu. Es ist ein bunter Mix, der nun völlig neu geordnet wird.

Ein Baugerüst füllt jetzt den großen Saal aus. Die Decke ist abgerissen, man kann bis zu den Dachbalken schauen.
Ein Baugerüst füllt jetzt den großen Saal aus. Die Decke ist abgerissen, man kann bis zu den Dachbalken schauen. © Egbert Kamprath

Jugendclub bekommt eigene Räume in Hainsberg

Die Sanierung der Ballsäle stand lange auf der Kippe. Erst 2018 entschied der Stadtrat, das Objekt anzupacken. Entstehen soll ein kulturelles Stadtteilzentrum, in dem vor allem Faschingsverein, BC-Verein und Jugendclub ein Domizil finden. Bewirtschaftet werden sollen die Ballsäle zukünftig von den Technischen Werken, zu denen auch das Hains, die Freitaler Freibäder und das Schloss Burgk gehören.

Im Erdgeschoss des BC entsteht ein Mehrzweckbereich für die Vereine, ein zweiter wird dort eingebaut, wo sich einst die Kegelbahn befand. Dahinter - getrennt und mit separatem Außenzugang - soll der Jugendclub einziehen. Er befand sich bisher in der Hainsberger Oberschule.

In der ersten Etage entstehen der große sowie der kleine Saal neu. Die Technik - vor allem die Belüftungsanlage - wird in den Dachgeschossräumen installiert. Zudem entstehen hinter dem großen Saal Künstlerumkleiden.

Hier befand sich einst die Kegelbahn, nun entsteht hier ein Mehrzweckbereich für Vereine und kleinere Veranstaltungen.
Hier befand sich einst die Kegelbahn, nun entsteht hier ein Mehrzweckbereich für Vereine und kleinere Veranstaltungen. © Egbert Kamprath

Schallschutz für die Ballsäle ist geklärt

Neben dem BC, gut von der Hainsberger Straße aus sichtbar, wurde zudem ein Anbau hochgezogen, der vor allem als Lager dienen soll. Auch wird das BC in Zukunft barrierefrei sein, es wird ein Aufzug eingebaut.

Ganz ohne Hürden verläuft der Bau aber nicht. Kurz nach dem Baustart gab es einen Stopp, weil der Emissionsschutz ungeklärt war. Den Hauseigentümern in der Nachbarschaft ging es vor allem um das Thema Partylärm. Auflage ist unter anderem nun, dass schalldichte Fenster eingebaut werden, die während der Veranstaltungen auch geschlossen bleiben müssen.

Ein Fertigstellungstermin Ende 2020, so zunächst vorgesehen, war deshalb nicht mehr zu halten. "Ziel ist es jetzt, bis Jahresende ein neues Dach zu haben. Parallel läuft der Innenausbau", schildert Jens Römisch. Demnächst schreibe die Stadt die Baulose für die Elektro-, Lüftungs-, Sanitär- und Heizungsinstallation sowie für die Dachdeckerarbeiten und den Trockenbau aus.

Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg (parteilos) ist optimistisch, dass das BC Mitte 2022 der Öffentlichkeit übergeben werden kann. Allerdings wird das Bauprojekt derzeit von einem großen Problem eingeholt.

Baukosten steigen, Materialmangel auch

Das Thema Materialmangel in der Bauwirtschaft macht auch vor den Ballsälen Coßmannsdorf nicht halt. Ob Holz, Stahl oder Ziegel - Lieferzeiten verschieben sich und Preise steigen. Dabei wird das BC ohnehin mehr kosten als zunächst gedacht. Zu Beginn der Arbeiten war noch von 4,4 Millionen Euro die Rede, inzwischen geht man von rund fünf Millionen Euro Baukosten aus.

Vor allem der Ausbau und die Entsorgung alter, teils strahlenbelasteter Industrieschlacke, die früher als Dämmmaterial verwendet wurde, verteuerte das Vorhaben. Ebenso war der Aufwand für die Trockenlegung des Bauwerks größer als zunächst geplant.

Erst am Ende des Sommers beginnen die Außenarbeiten, unter anderem am Dach. Damit keine Vögel oder andere Tiere nisten, wurden beliebte Schlupfwinkel mit Netzen verhüllt.
Erst am Ende des Sommers beginnen die Außenarbeiten, unter anderem am Dach. Damit keine Vögel oder andere Tiere nisten, wurden beliebte Schlupfwinkel mit Netzen verhüllt. © Egbert Kamprath

Vor allem einen höheren Abstimmungsaufwand hat sich die Stadt dagegen ganz freiwillig auf den Tisch gezogen. Das BC steht nicht unter Denkmalschutz. Dennoch steht die Stadtverwaltung mit der Behörde in Verbindung, wenn es um das Gebäudeäußere geht. Vor allem die Fassade zur Straße "An der Kleinbahn" soll weitestgehend nach dem alten Aussehen gestaltet werden. Dazu gehört auch der Wintergarten der alten Gaststätte. Er wurde demontiert und eingelagert - zur baldigen Wiederverwendung.

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