merken
PLUS Freital

Freital: Kritik an Baumfällung

Ein Gartenbauingenieur ist entsetzt, dass eine Linde gefällt wurde. Der Baum wäre zu retten gewesen, sagt er. Doch es gibt einen weiteren Grund für den Schnitt.

Die Linde am Spielplatz neben der Weißeritz wurde am vergangenen Mittwoch gefällt.
Die Linde am Spielplatz neben der Weißeritz wurde am vergangenen Mittwoch gefällt. © Karl-Ludwig Oberthür

Der Wurzelstock ist noch gut zu sehen. Daneben zeugen Sägespäne von der Fällaktion Mitte vergangener Woche. Auch die Reste einiger Mistelzweige liegen im Umfeld. Rund 120 Jahre wuchs eine Linde nahe der Weißeritz an der Albert-Schweitzer-Straße. Nun ist sie weg. "Völlig unnötig", sagt Gartenbauingenieur Konrad Lux und zeigt sich entsetzt über die Fällaktion.

Als Lux wenige Tage vor der Baumfällung von dem Vorhaben aus der Sächsischen Zeitung erfuhr, machte er einen Spaziergang zu besagter Linde. Weit musste er nicht laufen, denn der ehemalige Chef der Garten- und Baumschule Lux in Bannewitz wohnt in Freital-Burgk. Die Linde war schon von weitem zu sehen, wuchsen doch kräftige Misteln in ihrer Krone.

Anzeige
Wie das Miteinander gelingen kann
Wie das Miteinander gelingen kann

Die TU Dresden engagiert sich für eine Ethik des Zusammenlebens, die sich an Gleichheit, Diversität und Eigenverantwortung orientiert.

"Ein stattlicher Baum mit einem Stammumfang von respektablen 2,65 Metern", erinnert sich Konrad Lux.

Linde war halbseitig abgestorben

Doch was so lange wuchs, war dann trotzdem schnell verschwunden. Es dauerte nur einen Vormittag, dann war von der Linde nicht mehr viel übrig. Eine Baumpflegefirma baute am vergangenen Mittwochmorgen einen Hubsteiger auf. Dann kam der Mann mit der Säge. Er schnitt zunächst die großen Hauptäste ab und dann den Stamm Stück für Stück herunter.

Die Stadt begründet die Fällung vor allem damit, dass die Krone der Linde halbseitig abgestorben gewesen sei. "Sie stellt eine Gefährdung für die Verkehrssicherheit dar", hieß es dazu aus dem Rathaus.

Beim Blick auf den Standort ist das sogar nachvollziehbar. Nur wenige Meter neben dem Baum verläuft ein Spazierweg, dahinter beginnt der Spielplatz an der Albert-Schweitzer-Straße. Herunterbrechende Äste könnten Kinder und Passanten gefährden.

Was 120 Jahre wuchs, war an einem Vormittag weg. Übrig blieb nur der Wurzelstock.
Was 120 Jahre wuchs, war an einem Vormittag weg. Übrig blieb nur der Wurzelstock. © Annett Heyse

Kritiker spricht von mangelnder Pflege

Konrad Lux meint, so weit hätte es gar nicht kommen müssen. Er wirft der Stadt mangelnde Baumpflege in den vergangenen Jahren vor. "An dieser Linde waren bodenständig an der Stammbasis mehr als 15 Stück etwa bis sechs Meter lange Lindentriebe, die in den Vorjahren nicht entfernt wurden. Ihre Existenz bewies aber eine intakte Wurzelmasse", sagt er.

Wären diese Schösslinge regelmäßig gekappt und noch dazu das Totholz herausgeschnitten worden, hätte die Kraft des Baumes in die Krone gehen können. Überhaupt die Krone: "Diese Linde hat eine Gabelkrone, die halbseitig abgestorben ist. Den zum Spielplatz geneigten Teil hätte man abschneiden sollen. Die größere Krone über dem Mittelast stellte keine Gefahr dar", meint der Gartenbauingenieur.

Selbst der kräftige Mistelbewuchs habe dem Baum nicht geschadet, sagt Lux: "Es handelt sich hier um keinen Baumschädiger! Diese Linde hätte noch einige Jahrzehnte wachsen können, wenn sie fachmännisch zurückgeschnitten worden wäre."

Stadt Freital führt Baumkataster

Bei der Stadt weist man solche Vorwürfe zurück. Man gehe verantwortungsvoll mit jedem Baum um, heißt es aus dem Rathaus.

Es gibt kein Verzeichnis aller Bäume im Stadtgebiet, denn viele stehen auf privatem Grund und Boden. Die Stadt führt jedoch ein Baumkataster, in dem alle Bäume aufgeführt sind, die im städtischen Eigentum beispielsweise auf Grünflächen, an Straßen oder in Liegenschaften, wie Kitas und Schulen, wachsen. Gegenwärtig sind 8.170 Einzelbäume und 435 Flächenbestände aufgenommen.

Diese werden je nach Alter, Vitalitätszustand und Sicherheitserwartung kontrolliert. "Das kann aller zwei Jahre oder einjährig vorkommen. Bei Auffälligkeiten, Besonderheiten oder Problemen kann dies auch öfter geschehen. Ebenfalls werden punktuell auch nach extremen Wetterlagen Kontrollen durchgeführt", erklärt Matthias Weigel, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Solche Kontrollen werden von beauftragten Fachbüros übernommen.

Regelmäßige Kontrollen und Baumpflege

Pflegemaßnahmen erfolgen dann nach Einstufung in Prioritäten, wie Sofortmaßnahmen, Gefahrensituation, Baumstandort, Empfehlungen der Baumkontrolleure. Zudem erfolgen an manchen Bäumen regelmäßige Arbeiten. Sogenannte Kopfbäume, dazu zählen unter anderem Weiden und Pappeln, sollten aller drei Jahre geschnitten werden. Weigel: "Insgesamt ist der Baumbestand städtischer Flächen in einem guten Zustand."

Billig ist das alles nicht. Im vergangenen Jahr gab die Stadt 175.000 Euro für Baumpflegemaßnahmen aus.

Und dann gibt es noch ganz besondere Bäume wie zum Beispiel die Traubeneiche in Somsdorf an der Ecke Höckendorfer Straße/Lübauer Straße. Solche als Naturdenkmale ausgewiesenen Gewächse werden von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises kontrolliert und gepflegt - unabhängig davon, ob sie auf städtischem oder privatem Boden wachsen. Weigel: "Bei den städtischen Naturdenkmälern arbeitet die Stadt eng mit der Unteren Naturschutzbehörde zusammen und die Pflegemaßnahmen werden gemeinsam abgestimmt."

Linde stand Bauarbeiten im Weg

Das alles tröstet Konrad Lux nicht über den Verlust der Linde hinweg. Deren Fällung jedoch sei noch aus einem anderen Grund unvermeidlich gewesen, heißt es aus dem Rathaus.

Weiterführende Artikel

Baumfällungen in Wilsdruff

Baumfällungen in Wilsdruff

Nicht nur aus Altersgründen musste gehandelt werden. Manche Bäume waren auch unterspült worden.

Denn die Landestalsperrenverwaltung plant an der Weißeritz zwischen der August-Bebel-Straße und der Burgker Straße, den Fluss hochwassersicher zu machen. Dem Vernehmen nach sollen die Arbeiten im Herbst dieses Jahres starten. Die Linde wuchs genau auf einem kleinen Schutzdamm, der im Zuge der Bauarbeiten erhöht werden soll. Spätestens im Herbst hätte sie ohnehin weichen müssen.

Mehr Nachrichten aus Freital und Umgebung lesen Sie hier.

Täglichen kostenlosen Newsletter bestellen.

Mehr zum Thema Freital