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SZ-Redakteure stellen Buch zum Stadtgeburtstag vor

Reporter erzählen, was in 100 Jahren Freital geschah. Kriminalfall, Streiks und Kaufmannsgeschick - auf 200 Seiten kann man durch die Geschichte stöbern.

SZ-Redakteur Jörg Stock (re.) berichtet dem Publikum in der Stadtbücherei über die Recherchen zum "eisernen Gustav".
SZ-Redakteur Jörg Stock (re.) berichtet dem Publikum in der Stadtbücherei über die Recherchen zum "eisernen Gustav". © Karl-Ludwig Oberthür

Was für ein Buch schreibt man, wenn eine Stadt 100 Jahre alt wird? Eine lückenlose Chronik ist eher eine Angelegenheit von Historikern. Die Redakteure der Sächsischen Zeitung waren sich daher schnell einig: Es muss eine Sammlung von ganz verschiedenen Streiflichtern aus Freital werden.

"Freital - Das Buch zur Stadt" vereint die wichtigen historischen Ereignisse aus den vergangenen 100 Jahren, erzählt an Menschen, Schicksalen, Gebäuden. Am Dienstagabend wurde es bei einer Lesung in der Freitaler Stadtbibliothek vorgestellt.

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Kaufhausbesitzer kam ins KZ

Im normalen Zeitungsalltag erfährt der Leser wenig über die Umstände eines Artikels. Bei der Lesung war mehr Zeit für die Autoren, einmal über ihre Recherche und ihren persönlichen Bezug zu den Themen zu sprechen.

Thomas Morgenroth, langjähriger Kulturredakteur in Freital, hatte sich vorgenommen, einen Text über das Central-Kaufhaus von Alois Eckstein zu verfassen. Ecksteins Geschichte endete bis dato immer im Juni 1938, als der jüdische Geschäftsmann samt Familie aus seinem Kaufhaus gedrängt wurde.

Morgenroth recherchierte weiter, fand heraus, dass Alois Eckstein zwischenzeitlich im Konzentrationslager Buchenwald gefangen gehalten wurde, später mit seiner Frau nach Palästina emigrieren wollte, jedoch auf die Insel Mauritius interniert wurde und schließlich nach Kanada auswandern konnte.

Freital und sein Kaufhaus sah er nie wieder. Eine Biografie, die dem erfahrenen Journalisten naheging, wie er erzählt.

Das Buch zum 100. Geburtstag der Stadtgründung Freitals.
Das Buch zum 100. Geburtstag der Stadtgründung Freitals. © SZ

Pesterwitzer Muskelmann fälscht Geld

Geradezu gefesselt von der Suche nach verschiedenen Puzzleteilen war Jörg Stock. Stock erfuhr in Pesterwitz vom "eisernen Gustav", einem Unikum und Tüftler, der erst als Kraftsportler Karriere machte und später als Falschmünzer im Gefängnis landete.

Stock recherchierte, bekam Zutritt zur Polizeihistorischen Sammlung in der Dresdner Schießgasse und fand dort Bilder, auf denen die Verhaftung des Gustav Kaden im Jahr 1932 nachgestellt wurde.

"Im Herbst 1931 nimmt Kadens Pesterwitzer Falschmünzerei die Arbeit auf, gewissermaßen als Familienunternehmung. Während er selbst der Technologe ist, hilft sein Schwager, ebenfalls Schlosser, bei der Produktion. Kadens erster Sohn Richard wiederum bringt die Fälschungen zusammen mit einem arbeitslosen Schmied aus Potschappel unter die Leute", schreibt Stock.

Der erste Arbeitstag in der Porzelline

Von ganz anderer Art ist die Geschichte eines Gastschreibers, Olaf Stoy. Stoy ist Porzellankünstler mit eigenem Atelier, welches vor wenigen Jahren vom Freitaler Gründerzentrum nach Dorfhain umzog. Freital sei er aber seit seiner Lehre verbunden, berichtet er. "Ich stamme aus Klingenberg, war ein Junge vom Dorfe und plötzlich fand ich mich mitten in dieser Industriestadt wieder."

Als 18-Jähriger wurde er Lehrling in der Porzelline und berichtet im Buch von seinem ersten Arbeitstag. Es ist eine wunderbar spannende Geschichte aus der Ich-Perspektive, in der Stoy die Gerüche in der Manufaktur, die vielen Gänge und der charakteristischen Rauchfahne über dem Gebäude beschreibt.

"Noch sind die alten Rundöfen in Betrieb. Beim Scharfbrand steht der sogenannte 'Fuchs' über dem Schornstein. Das Porzellan wird im offenen Feuer gebrannt, zu Türmen gestapelt in extra dafür angefertigten Brennkapseln aus Ton und Schamotte. Nach dem Brand haben sie Schmauchspuren vom 1.400 Grad heißen Feuer", schreibt Olaf Stoy in seinen Erinnerungen.

Freital-Buch ab sofort im Verkauf

Überhaupt hat die Industrie lange Freitals Stadtbild geprägt. Und so spielen Kameras, Stahl, Glasflaschen und natürlich der Bergbau eine große Rolle im Buch. Es gibt aber auch viele kleine Begebenheiten und Geschichten, die von den Redakteuren wiederentdeckt wurden.

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Hier können Sie das neue Freital-Buch bestellen

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Zum 100. Stadtgeburtstag hat die SZ ein dickes Lesebuch herausgebracht. Sie sind nur einige Klicks von ihm entfernt.

Die Alttraktorenfreunde von Somsdorf könnte man dazu zählen, die Männer von der Windbergbahn oder die Schnapsbrenner von Freital.

Wer Lust auf das Buch bekommen hat, findet es ab sofort für 14,90 Euro im SZ-Treffpunkt, DDV-Lokalen, im Buchhandel und am Wochenende am Stand der Stadt Freital auf dem Stadtfest.

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