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Wie man Darmkrebs verhindern kann

Vermeidung beginnt mit Vorsorge, sagt Wolfgang Schimming, Chefarzt an den Helios Weißeritztal-Kliniken Freital. Wie läuft die Untersuchung ab?

Wolfgang Schimming verfügt im Freitaler Klinikum über Diagnosetechnik der jüngsten Generation.
Wolfgang Schimming verfügt im Freitaler Klinikum über Diagnosetechnik der jüngsten Generation. © Karl-Ludwig Oberthür

Es gibt sicherlich schönere Bezeichnungen für Monate als diese: Darmkrebsmonat. Jedes Jahr im März erinnern nationale Gesundheitsorganisationen mit Kampagnen und Informationsveranstaltungen an eine äußerst gefährliche Krankheit. Etwa 70.000 Menschen erkranken jährlich allein in Deutschland an Darmkrebs. Und etwa 30.000 Männer und Frauen sterben pro Jahr daran.

Es ist damit nach Prostata- und Brustkrebs die dritthäufigste Krebserkrankung überhaupt. Dabei muss Darmkrebs kein Schicksal sein, sagt Wolfgang Schimming, Chefarzt an den Helios Weißeritztal-Kliniken in Freital. "Dieser Krebs ist in den meisten Fällen vermeidbar."

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Denn die Mediziner - Gastroenterologen genannt - können bereits in einem sehr frühen Stadium mögliche krebsauslösenden Wucherungen erkennen und beseitigen.

Anspruch auf Vorsorge ab dem 55. Lebensjahr

Vorausgesetzt natürlich, die Patienten lassen sich untersuchen. Doch vor den sogenannten Darmspiegelungen schrecken viele zurück, auch weil die Gefahr oft nicht allzu ernst genommen wird. Jedoch haben vor allem Menschen, die viel rotes Fleisch, auch in Wurstprodukten, verzehren, ein erhöhtes Risiko. Auch Raucher sind gefährdeter als Nichtraucher.

In Deutschland hat jeder ab dem 55. Lebensjahr einen Anspruch auf eine solche Vorsorgeuntersuchung. Doch gerade Männer kneifen, es sind in der Mehrzahl die Frauen, die freiwillig zur Darmspiegelung gehen.

Das mag auch daran liegen, dass der Prozedur ein unappetitlicher Ruf nachhängt. Ja, gibt auch Wolfgang Schimming zu, die Vorbereitung auf die Koloskopie, so der exakte medizinische Begriff, ist nicht sonderlich angenehm. Aber es lohne sich. "Man kann Darmkrebs tatsächlich verhindern."

Denn dieser Krebs entwickelt sich über einen langen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren. Schimming: "Diese Zeit gilt es zu nutzen. Und zwar, bevor der Chirurg eingreifen muss."

Untersuchung bei niedergelassenen Ärzten

Die Untersuchung beginnt bereits mit einem Tag Vorlauf damit, dass der Magen- und Darminhalt Schritt für Schritt abgeführt werden muss. Dafür stehen Trinklösungen zur Verfügung, die quasi den gesamten Trakt ausspülen und reinigen. "Dank moderner Abführmittel müssen die Patienten davon nur noch zwei statt wie früher vier Liter trinken", erklärt der Chefarzt.

Dann beginnt die eigentlichen Untersuchung, die von niedergelassenen Gastroenterologen durchgeführt wird. In der Klinik bei Chefarzt Schimming hingegen werden nur eingewiesene Patienten untersucht. Bevor der Arzt in den Darm eine hochauflösende Kamera mit Beleuchtungstechnik einführt, werden die Patienten in eine Kurznarkose versetzt. Diese kommt ohne Beatmung aus, wird in die Armvene gespritzt und sorgt für eine schmerzfreie Untersuchung, bei der der Patient schläft.

Mit der Kamera fährt der Arzt durch den Darm und nimmt die Innenwände genau unter die Lupe. Denn hier können die späteren Krebszellen entstehen.

Nächste Technikgeneration nun im Einsatz

Zunächst sind es winzige Zellhaufen, die sich mit der Zeit zu kleinen Polypen entwickeln. Wachsen diese Gewächse langsam größer, entstehen daraus Tumore. Um das zu verhindern, werden die Polypen bei der Darmspiegelung entfernt. Das notwendige Instrumentarium - winzige Zangen oder Schlingen - wird durch das Endoskop eingeführt. Keine Polypen, kein Darmkrebs - sehr effektiv lässt sich mit der Methode eine schreckliche Krankheit verhindern.

Die Diagnosetechnik hat sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. Als Wolfgang Schimming als junger Arzt in den Achtzigerjahren in den Beruf einstieg, gab es noch analoge Okulartechnik. "Die kam schon aus Japan, war aber nur an Universitätskrankenhäusern wie in Dresden vorhanden." Die Geräte waren nicht so filigran wie heute, eine Darmspiegelung noch äußerst schmerzhaft. Heute verfügt jeder niedergelassene Arzt über ausgefeilte Digitaltechnik, die scharfe Bilder liefern.

Die neueste Generation steht nun im Freitaler Klinikum - ein Gerät, welches hochauflösende Aufnahmen in 4K-Qualität liefert. Wolfgang Schimming ist begeistert: "Das ist die S-Klasse, da sieht man jedes noch so kleine Blutgefäß."

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