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Freital: Der junge Filmer der Kanu-WM

Im Juli 1961 kämpfen Athleten aus 13 Nationen auf der Roten Weißeritz um die Titel. Jetzt berichten Zeitzeugen in der Freitaler Stadtbibliothek.

Jürgen Hanisch hat den mittlerweile digitalisierten Film seines Vaters von der Kanu Weltmeisterscchaft im Rabenauer Grund 1961 auf dem Computer.
Jürgen Hanisch hat den mittlerweile digitalisierten Film seines Vaters von der Kanu Weltmeisterscchaft im Rabenauer Grund 1961 auf dem Computer. © Egbert Kamprath

Sein Warnruf leerte im Juli 1958 den Saal des Filmtheaters Hainsberg. Jürgen Hanisch, gerade 14, hatte in der Nähe vom Wohnzimmerfenster aus die Weißeritzflut entdeckt. „Ich stürmte ins Kino, wo meine Eltern waren. Mit ihnen sprangen alle Zuschauer auf“, erinnert er sich. Drei Jahre später filmt er mit seinem Vater im Rabenauer Grund die siebten Weltmeisterschaften im Kanuslalom und die zweite WM im Wildwasserrennen. Im Sommer 1961 rauschen von der Talsperre Malter pro Sekunde 15 Kubikmeter Wasser in die Rote Weißeritz, statt sonst normal einem.

Hainsberg, erst ab 1964 Stadtteil von Freital, ist vom 22. bis 26. Juli 1961 Ausrichtungsort des Ereignisses. Vater Rudolf Hanisch hält es als passionierter Schmalfilmer in Farbe und mit extra Tonaufnahmen fest. Er hat per Sondergenehmigung freien Zugang. Jürgen assistiert. Probeweise haben sie dort schon die DDR-Meisterschaft im Kanu-Slalom von 1960 gefilmt, die als Test galt. Auch die WM-Vorbereitungen in Hainsberg, Rabenau und im Grund sind im Kasten. Viel wurde per Hand in freiwilligen Einsätzen gebaut, wie der Kleinbahn-Tribünenwagen, die Floßrutschen für die Wehre oder die Podeste der Kampfrichter.

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In den WM-Tagen filmt Jürgen, nun 16, an der Strecke und unterhalb der Rabenauer Mühle an einem Tor, das die Kanuten in rasanter Rückwärtsfahrt passieren. Zehntausende schauen zu. Athleten aus 13 Ländern kämpfen um die Titel. Die westdeutschen Kanuten aber fehlen. Sie haben von der Bonner Behörde keine Freigabe erhalten. Als Grund wurde die Regelung der Fahnenfrage angegeben; es ist kurz vorm Bau der Berliner Mauer.

Im Johannes-May-Stadion werden die Sieger geehrt. Den Doppel-Weltmeister Eberhard Gläser aus Dresden und seine Frau Ursula Gläser, DDR-Meisterin von 1960, trifft Hanisch 50 Jahre später, im Jahr 2011, erstmals persönlich am WM-Schauplatz. Sie bringen den Originalentwurf des Streckenplans von Hans Kopprasch mit. Hanisch übergibt zwei Filmrollen des fertigen Streifens samt Tonbändern an den langjährigen Kreisarchivar Wolfgang Burkhardt.

Letzter Teil fehlt

„Der letzte Teil fehlt leider“, sagt Hanisch. Premiere hatte der Film mit den Kommentaren von Journalist Heinz Fiedler in den Ballsälen Coßmannsdorf. Dann führte Jürgen Hanisch ihn vor Wassersportclubs der Region auf, ehe er zur See ging. Von 1964 bis 1971 war er bei der Handelsflotte, reiste bis Kuba und Indien. Erst als Vollmatrose, dann als Nautischer Offizier.

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Wie die WM aus Sicht der Sportler ablief, darüber berichtet Eberhard Gläser am Mittwoch, 21. Juli, noch einmal bei einer Veranstaltung in der Stadtbibliothek Freital. Zeitzeugen erzählen, wie viele Freitaler sich ehrenamtlich bei der Organisation engagierten, wo die Gefahr fürs Kentern lauerte und wie politisch der Sport plötzlich war. Die Tickets sind jedoch schon restlos ausverkauft.

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