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Die Geisterfänger

Von der Pflaume bis zur Kiwi: In der Weißeritztaler Feinbrennerei in Freital gibt es Liköre und Brände mit ordentlich Umdrehungen. Teil 3 der SZ-Sommerserie.

Sie brennen für ihren Zweitjob: Antje und Jörg Straßberger, die eigentlich ein Maklerbüro führen, an der Brennblase in ihrem Somsdorfer Hauskeller.
Sie brennen für ihren Zweitjob: Antje und Jörg Straßberger, die eigentlich ein Maklerbüro führen, an der Brennblase in ihrem Somsdorfer Hauskeller. © www.loesel-photographie.de

Geisterstunde! Anfangs hatte Jörg Straßberger „zweihundert Puls“, wenn es losging. Inzwischen betrachtet er die Thermometernadeln abgeklärt, drückt sachte die Ventilhebel, späht prüfend durch die Schaugläser. „Was langsam geht, wird gut.“ Leise rauscht es. Der Röhrenkühler nimmt die Arbeit auf. Es wird Zeit, den Geist einzufangen. Den Geist der Nuss.

Das Örtchen Somsdorf, hoch über dem Weißeritztal gelegen, ist eine Welt für sich. Eine schöne Welt, findet Jörg Straßberger. „Der Weiße Hirsch von Freital.“ Straßberger, Versicherungsfachmann und Finanzmakler, hat hier mit Antje, seiner Frau, gelernte Damenmaßschneiderin, ein Haus gebaut, mit Partykeller und – ehemals – zweieinhalb Metern Aquarium. Die bunten Barsche sind ausgezogen. Kupferrot ist die neue Farbe. Statt Wasser gibts jetzt Brand.

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Seit Oktober 2017 produziert die Weißeritztaler Feinbrennerei in Freital-Somsdorf Obstbrände, Geiste und Liköre. Am beliebtesten ist der Gin, gefolgt von Williams-Birnenbrand und Himbeergeist. Freital ist reich gesegnet mit Destillen. Zwei weitere Brennbl
Seit Oktober 2017 produziert die Weißeritztaler Feinbrennerei in Freital-Somsdorf Obstbrände, Geiste und Liköre. Am beliebtesten ist der Gin, gefolgt von Williams-Birnenbrand und Himbeergeist. Freital ist reich gesegnet mit Destillen. Zwei weitere Brennbl © www.loesel-photographie.de

Es war während eines Ski-Urlaubs in Österreich, als bei Jörg Straßberger das Interesse für das Schnapsbrennen erwachte. Im Bauernhof, der als Ferienquartier diente, war gerade die Brennanlage in Betrieb. Straßberger ging hin, guckte zu, und war derart beeindruckt, dass er den Plan fasste, selber ein Schnapsbrenner zu werden. „Ich bin eben schnell zu begeistern.“

Jörg Straßberger tat sich um, ging auf Messen, belegte einen Kurs für Klein- und Obstbrenner bei der Forschungs- und Lehrbrennerei der Uni Hohenheim, kaufte für mehrere Zehntausend Euro einen Brennapparat. „Nur Bekloppte machen das“, sagt er. „Aber jetzt freuen wir uns.“

Fassgereifter Weinbrand

Im Herbst 2017 wurde die Weißeritztaler Feinbrennerei erstmals angeheizt. Im Jahr darauf waren die ersten Brände fertig. Inzwischen bieten die Straßbergers rund zwanzig Brände, Geiste und Liköre an. Am besten verkauft sich der Gin, mit Zitrus-Orangen-Note, gefolgt von Williams-Christ und Himbeergeist. Neuerdings gibt es auch fassgereiften Weinbrand. Was diesen anbelangt, wäre der Brenner gern unabhängig von den Weinbauern. So hat er fünfzig Stöcke Scheurebe hinter dem Haus gepflanzt, die vielversprechend wachsen. „Mal sehen, was draus wird.“

Die Produktion findet im ehemaligen Partykeller des Straßbergerschen Eigenheims statt. Ab Oktober läuft die Brennblase auf Hochtouren. Der Ausstoß beträgt etwa 2.400 Flaschen pro Saison. Die Destillate werden in ausgesuchten Gasthäusern und Geschäften sow
Die Produktion findet im ehemaligen Partykeller des Straßbergerschen Eigenheims statt. Ab Oktober läuft die Brennblase auf Hochtouren. Der Ausstoß beträgt etwa 2.400 Flaschen pro Saison. Die Destillate werden in ausgesuchten Gasthäusern und Geschäften sow © www.loesel-photographie.de

Den Arbeitstakt des Brenners bestimmt die Natur. Hat sie Kirschen, Birnen, Mirabellen, Pflaumen, Äpfel und Quitten reifen lassen, wandern die Früchte in die Maischebottiche, wo der Alkohol entsteht. Im Oktober geht das Brennen los, das bis ins neue Jahr hinein andauert. Dabei können sechs bis sieben Brennvorgänge an einem Tag anfallen, sagt Jörg Straßberger. „Das ist dann wirklich Arbeit.“

Anita kümmert sich um die Liköre. Sie entsaftet das Obst und setzt den Most mit dazu passenden Bränden an. Dabei kommen auch exotische Produkte heraus, zum Beispiel der sächsische Feigenlikör. Oder der Likör aus winterharten Kiwis. Ein Bekannter bringt jedes Jahr kurz vor Weihnachten eine Ladung seiner Sachsen-Kiwis in Somsdorf vorbei. Eigene haben die Brenner aber auch schon angebaut.

Regionale Rohstoffe

Ihre Rohstoffe bezieht die Feinbrennerei überwiegend aus regionalen Quellen, etwa vom Gut Pesterwitz oder aus den Obstplantagen der Gegend um Borten. Im neuen Bierbrand steckt Rechenberger Bock drin. Für manche Spezialität nimmt Jörg Straßberger auch längere Autofahrten in Kauf, etwa, wenn er seine Marillen, die hier Aprikosen heißen, in der Wachau in Niederösterreich abholt. Vor dem Handel die Ware begutachten, das ist sein Grundsatz. „Ich will sehen, was ich einkaufe.“

Die Brennerei ist offen für Laufkundschaft. Wer aus dem Rabenauer Grund hier herauf wandert, kann sich im Brennraum eine Pause gönnen und kosten. Zu den neusten Produkten gehört der fassgereifte Weinbrand. Aber Vorsicht: Dessen 46 Prozent sind kein Pappen
Die Brennerei ist offen für Laufkundschaft. Wer aus dem Rabenauer Grund hier herauf wandert, kann sich im Brennraum eine Pause gönnen und kosten. Zu den neusten Produkten gehört der fassgereifte Weinbrand. Aber Vorsicht: Dessen 46 Prozent sind kein Pappen © www.loesel-photographie.de

Das Obst ist dieses Jahr spät dran. Der Winter war lang. Deshalb brodeln in Straßbergers Brennblase gerade geschrotete Haselnüsse. Mehr als zwei Wochen badeten sie in Alkohol. Dann kreiselten die heißen Dämpfe eine dreiviertel Stunde durch die Anlage, saugten mehr und mehr Aroma in sich auf.

Der Kühler gibt dem Geist nun seinen Körper. Wasserklar quillt er hervor, das Alkoholmeter bei etwa neunzig Prozent balancierend. Der Brenner wirkt nun doch etwas nervös, indem er die ersten Tropfen zum Sensoriktest in einen Becher füllt. Erfahrung und die richtige Nase sind alles in diesem Geschäft. Was die Nase riecht, zerstreut alle Zweifel. „Die reine Haselnuss“, frohlockt er. „Immer ein Erlebnis.“

Alles hausgemacht

Die Weißeritztaler Feinbrennerei findet man in Freital-Somsdorf auf der Rosenstraße 14 e. Geöffnet ist samstags 9-12 Uhr und nach Anmeldung unter Tel. 0351 6411434 oder unter 0172 3529247.

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