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Die Suche nach der Burg Rabenau

Ein jahrzehntealtes Foto offenbart Reste der verschwundenen Wehranlage. Gibt es sie noch?

Museumsleiterin Daniela Simon zeigt die Scherbenfunde aus dem Burgareal.
Museumsleiterin Daniela Simon zeigt die Scherbenfunde aus dem Burgareal. © Matthias Schildbach

Von Matthias Schildbach

Wer in der Stuhlbauerstadt Rabenau nach einer Burg oder wenigstens deren Resten sucht, wird spätestens vor dem eisernen Fabriktor der Firma „Polstermöbel Oelsa GmbH“ scheitern. Denn dort, wo wehrhafte Mauern einst die lokale Macht schützten, steht seit über 140 Jahren die Rabenauer Möbelfabrik.

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Die Burg Rabenau wurde zwischen 1150 und 1200 im Zuge des Landesausbaus als Grenzfeste der Markgrafschaft Meißen gegen die Böhmen angelegt. Sie war ein Teil der Burgenkette entlang der Weißeritz, gelegen zwischen den Burgen Thorun bei Pesterwitz und der Burg Dippoldiswalde. Spätestens seit 1235 war Rabenau Eigentum der Burggrafen von Dohna. Nach vielen Jahren Fehde und Eroberung durch den Meißner Markgrafen ging Dohna 1402 unter. Damit war auch das Ende der Vasallenburg Rabenau besiegelt.

Der Landeskartograf Matthias Oeder hinterließ eine Skizze, aus der man in etwa das Aussehen nachvollziehen kann. Noch bis ins 17. Jahrhundert scheinen alte Gebäudereste genutzt worden zu sein. Im 18. Jahrhundert waren auch diese bis auf wenige Mauerreste eingegangen.

Die Ruine und das Freigut Rabenau, 1837.
Die Ruine und das Freigut Rabenau, 1837. © Stuhlbaumuseum Rabenau

Es ist schon faszinierend, sagt Daniela Simon, Leiterin des Stadt- und Stuhlbaumuseums Rabenau. Etwas, was kaum mehr da ist, ist einer unserer größten Schätze. Eine spätgotische Pforte befindet sich noch an der Hauswand des Museums, dessen Gebäude direkt an die ehemalige Burganlage grenzt. Die Pforte stand früher an anderer Stelle und wurde bei Bauarbeiten hierher versetzt.

In einer Zeit, in der es weder Heimatschutz noch ein Landesamt für Archäologie gab, zählten die Überbleibsel vergangener Jahrhunderte recht wenig, bedauert Simon und weiß, dass im Zuge der Fabrikerrichtung 1869 auch die letzten verbliebenen Ruinen der einstigen Burg Rabenau vernichtet wurden.

Fragt man nach Relikten und Funden der alten Burg, muss selbst die Museumsleiterin die Akten bemühen. Es soll ja einen Schatz gegeben haben, so berichtet die Sage. Er wurde bewacht von einer „weißen Frau“ und einer „schwarzen Henne“ mit funkelnden Augen. Doch 1869 versagten scheinbar die Geister völlig nach jahrhundertelangem Wachdienst. Als der Industrielle Ferdinand Reuter die Fabrik auf dem ehemaligen Burggelände bauen ließ, stießen seine Arbeiter auf einen eisernen Kasten. Reuter schickte die Arbeiter weg, um keine Zeugen zu haben, und grub eigenhändig weiter. Was er fand, blieb sein Geheimnis. Von vielen Silbermünzen war die Rede und auf die Frage, was er denn gefunden hätte, antwortete er ausweichend, es hätte sich „verlohnt“.

Die Rabenauer Möbelfabrik auf dem Burgberg, um 1883.
Die Rabenauer Möbelfabrik auf dem Burgberg, um 1883. © Wikipedia

Generationen von Rabenauer Heimatforschern haben sich Gedanken gemacht, wie die Burg wohl einmal ausgesehen habe. Der Rabenauer Ortwin Wolf fertigte vor gut dreißig Jahren ein dreidimensionales Modell an, das noch heute in der Ausstellung steht. Noch ältere Modelle zeigt Daniela Simon in der Dauerausstellung in der Vitrine. Darunter finden sich tönerne Scherben, die zu DDR-Zeiten gefunden wurden, als Gebäude der Möbelfabrik abgerissen und modernisiert wurden. Archäologen ordneten sie dem späten Mittelalter zu, die älteste ist sogar aus dem 12./13. Jahrhundert und slawischen Ursprungs.

Mit einem Schmunzeln weiß Daniela Simon von der Bloßlegung eines Skelettes im Jahr 1956 zu berichten, das in Rabenau für Aufregung sorgte. Doch der Zahn eines Sensationsfundes wurde leider schnell gezogen: Es handelte sich um die Überreste eines jungen Rindes, das im alten Burgareal verscharrt wurde. Es war nicht älter als 120 Jahre.

Und trotzdem, auch wenn es die Burg nicht mehr gibt, so findet sich selbst im Archiv immer wieder neues Unbekanntes. Nie hat es so richtig jemand zu Kenntnis genommen: das Foto eines Gewölbes unter der Möbelfabrik. Angefertigt wurde es von Professor Armin Münch im Jahr 1950. Es zeigt einen beeindruckend großen Gewölbekeller, 26 Meter lang, 8 Meter breit, 2,80 Meter lichte Höhe. An der Säule im Hintergrund lässt sich eine ehemalige Wendeltreppe vermuten. Auf den Bauplänen des darüberstehenden Fabrikgebäudes ist der Keller eindeutig gekennzeichnet. Seine Ausrichtung stimmt nicht mit dem darüberstehenden Gebäudes überein. Das Gewölbe gehörte wohl zum ehemaligen Wohn- und Amtshaus der Burg. Es ist das einzige Foto, das echte Burgteile zeigt, sagt Daniela Simon. Leider gibt es ihn nicht mehr. Der Keller verschwand 1962 bei einem Erweiterungsbau des VEB Möbelindustrie Oelsa-Rabenau.

Der letzte Burgkeller 1950.
Der letzte Burgkeller 1950. © Armin Münch

Mystisch sind die unterirdischen Gänge, die sich angeblich von hier bis zur Rabenauer Mühle, nach Eckersdorf, nach der Pfarre, oder „ins Freie“ gezogen haben sollen. Sicher gab es sogenannte Schlupfgänge, berichtet Daniela Simon mit einem Schmunzeln. Doch nie ist einer gefunden worden. Seit etwa gut zweihundert Jahren, so berichten die Chroniken, hält sich dieses Gerücht. Eine Vermutung ist, dass vom Altbergbau herrührende Pingen und Mundlöcher von Stollen diese Überlieferungen nährten.

Was die politische Geschichte der Burg Rabenau und ihrer Besitzer betrifft, darüber könnte man selbst ein Büchlein verfassen, stellt Daniela Simon fest und holt immer mehr Aktenmaterial hervor. Vielleicht ist das ja ein lohnenswertes Projekt für kommende Jahre.

Stadt- und Stuhlbaumuseum Rabenau: Lindenstraße 2, Terminbuchung unter Tel. 0351 6413611 oder mail [email protected]

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