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Die Zahl der Bedürftigen in Freital wächst

Die Freitaler Tafel versorgt immer mehr Menschen mit Lebensmitteln und Kleidung. Sie ist mehr als eine Ausgabestelle.

Karin Rauschenbach (li.) mit ihren Mitarbeitern beim Einräumen der Auslagen. Die Freitaler Tafel ist mehr als nur eine Ausgabestätte für Lebensmittel.
Karin Rauschenbach (li.) mit ihren Mitarbeitern beim Einräumen der Auslagen. Die Freitaler Tafel ist mehr als nur eine Ausgabestätte für Lebensmittel. © Egbert Kamprath

Von Peter Salzmann

Einmal wöchentlich kommen Grit und Uwe in die Tafel: „Freundliche, herzliche und hilfsbereite Mitarbeiter kümmern sich um uns, packen Lebensmittel, die wir für einen geringen finanziellen Betrag mitnehmen können“, sagt Uwe und lächelt zufrieden. Auch eine Hose aus der Kleiderkammer hat er für sich ausgewählt.

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Für das Partnerpaar und viele Bedürftige ist die Freitaler Tafel eine unentbehrliche Hilfe, „ein Lichtblick im dunklen Alltag“, sagt Traudel, die mit einer Obsttüte den Laden verlässt. „Mir bricht das Herz, ich schäme mich auch meiner Tränen nicht, wenn ich von den Schicksalen höre“, erzählt Karin Rauschenbach. Seit 2014 ist sie die umsichtige Vereinsvorsitzende. „Eine 86-jährige Frau, alleinstehend, ohne einen Angehörigen, hat das Land nach schlimmen Kriegserlebnissen mit ihrer Hände Arbeit nach 1945 wieder mit aufgebaut – jetzt ist sie auf unsere Lebensmittel und Sachspenden angewiesen“, erzählt sie.

Mehr als 1.000 Bedürftige

„Es ist ein Segen, dass es die Tafeln gibt – aber unsere Gesellschaft wäre besser, wenn es sie nicht geben müsste“, hat einst Edith Franke formuliert, die als Gründerin der Dresdner Tafel Geschichte geschrieben hat. Karin Rauschenbach verweist darauf, dass 2014 zur Gründung der Freitaler Tafel wöchentlich 150 Bedürftige auf die mildtätige Einrichtung angewiesen waren: „Jetzt überschreiten wir die Zahl 1.000“, sagt Rauschenbach. Das sei nicht nur der Corona-Pandemie geschuldet. „Auch Flüchtlinge kommen zu uns, denn Begegnungsstätte, Tafel und Kleiderkammer stehen jedermann unabhängig von Herkunft und Konfession offen“.

In den Filialen Dresdner Straße 248 und Am Markt 3 sind die Regale, Kühltheken, Schränke und vier Tiefkühltruhen gerade proppenvoll. Jährlich 80 Tonnen Lebensmittel, dazu Sachspenden stehen zur Verfügung, täglich von den Tafel-Kühlfahrzeugen von Großmärkten und anderen Spendern abgeholt. Karin Rauschenbach dankt besonders den Unternehmen Kaufland, Rewe, Aldi, Nahkauf, Pfennigpfeifer, Netto, Penny, Lidl und Selgros. „Die Spendenbereitschaft nimmt zu“, sagt die Tafel-Chefin erfreut.

Zurzeit leisten bis zu 40 Bürgerinnen und Bürger aus Freital und Umgebung bei der Tafel eine freiwillige ehrenamtliche Tätigkeit oder sind als Unterstützer und Förderer für sozial benachteiligte Mitmenschen tätig. Viele dieser Helfer sind sozial selbst betroffen oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen.

In den Räumen wird es eng

„Wir beliefern auch Kinderheime und Tagespflegen, Altenheime und andere Tafeln, etwa in Pirna“, ist zu hören. Wer mit Karin Rauschenbach spricht, ist beeindruckt. Sachlich, immer zeitkritisch, stets sozial, solidarisch und herzlich sind ihre Worte. „Wir haben mit unseren Mitarbeitern alles selbst erarbeitet“, resümiert sie stolz. Mieten, Strom, Benzin, Steuern und Reparaturen müssen selbst bezahlt werden.

380 Quadratmeter Nutzfläche stehen in beiden Filialen zur Verfügung, „aber wir müssten 200 mehr haben“, sagt Rauschenbach. Besonders in der Dresdner Straße geht’s eng zu. Die Räume einschließlich Tagescafé hätten zudem eine Renovierung nötig. Die Freitaler Tafel versteht sich als Begegnungsstätte. Hier werden soziale Kontakte gepflegt, Freundschaften entstehen – auch ein tagesfrisches Kaffee- und Kuchenangebot gehört dazu. Vorträge und Diskussionsrunden, Beratungen zu Rechtsfragen, Geselligkeit mit Brett- und Kartenspielen gehören zum Programm. Die Tafelbesucher freuen sich jedes Jahr auf eine große Weihnachtsfeier im Freitaler Stadtkulturhaus.

Arbeitslose, Minijobber, Mindestrentner, Alleinstehende, Behinderte geben sich beinahe täglich in den Filialen ein Stelldichein. „Sie legen ihren Abholausweis vor und können sich gegen einen freiwilligen Beitrag selbst bedienen“, garantiert die Tafel-Vorsitzende.

Für manch einen sei das Angebot ein „Schlaraffenland“, denn das Lebensmittelsortiment kann vielseitiger nicht sein. „Wir bieten auch ein kostenloses Schülerfrühstück, einen Imbiss oder eine warme Mahlzeit aus unserer Küche an.“

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Karin Rauschenbach nimmt für diese Tätigkeit täglich die Fahrt von Dresden-Dobritz nach Freital in Kauf. „Wenn man hinter seiner Aufgabe steht, kann man so doch Not lindern und viel für bedürftige Menschen tun“, so ihr Credo. Solidarität sei ihr wichtig und Ansporn zugleich.

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